Soziale Arroganz als Wirtschaftsdogma

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Die sogenannte Wirtschaftskompetenz vieler politischer Akteure entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als pure soziale Arroganz, verpackt in kalte Zahlen und Wachstumsmantras. Forderungen nach kürzerem Urlaub, längeren Arbeitszeiten oder der Streichung von Feiertagen werden als unvermeidliches Opfer für angebliches Wohlstandswachstum verkauft, während die wahren Profiteure – Konzerne, Spekulanten und der Staatsapparat – unberührt bleiben. Diese Rhetorik ist nichts anderes als ein zynischer Trick, um die Lebensqualität der arbeitenden Masse zu zerquetschen, unter dem Deckmantel notwendiger Anpassung. Wer solche Vorschläge ernsthaft als Lösung für strukturelle Probleme darstellt, zeigt nicht nur wirtschaftliche Ignoranz, sondern eine verachtungsvolle Geringschätzung für die Menschen, die das Land tatsächlich am Laufen halten.

Das Opfer der Schwachen

Solche Forderungen treffen immer die Gleichen: die untere und mittlere Schicht, die ohnehin mit langen Arbeitswegen, Schichtdiensten und familiären Belastungen jongliert. Weniger Urlaub bedeutet für sie nicht abstrakte Statistik, sondern den Verlust der wenigen Tage Erholung, die sie sich erkämpft haben. Eine zusätzliche Arbeitsstunde pro Woche frisst sich in die Zeit für Kinder, Partner oder den eigenen Alltag, ohne dass die Löhne entsprechend steigen. Feiertage streichen heißt, traditionelle Pausen zu opfern, die gerade für Gläubige oder Familienrituale heilig sind. Die Politik präsentiert das als kollektives Opfer, doch es sind die Wenigverdienenden, die bluten, während Besserverdienende ihre Boni kassieren und Homeoffice-Flexibilität nutzen. Diese einseitige Lastenverteilung ist kein Versehen, sie ist Kalkül – die Schwachen sollen mehr geben, damit die Starken mehr behalten.

Zynisches Zahlenspiel ohne Eigenleistung

Die Verfechter dieser Ideen rechnen mit kalter Präzision: Mehr Arbeitsstunden bedeuten höhere Steuereinnahmen, mehr Konsum, mehr BIP. Doch diese Rechnung ignoriert die menschlichen Kosten und die systemischen Versäumnisse. Während die arbeitende Bevölkerung länger schuften soll, wächst der Staatsapparat ungebremst weiter. Neue Ministerien entstehen, Behörden blähen sich auf, bürokratische Auflagen häufen sich – nirgends wird gespart, nirgends abgebaut. Die Forderung nach Opfern von unten kontrastiert scharf mit der Untätigkeit oben: Kein Ministerium wird schlanker, keine überflüssige Behörde gestrichen, keine Regelung vereinfacht. Stattdessen fließt das Geld der Lohnarbeiter in immer teurere Verwaltungsstrukturen, die sie selbst nur behindern. Das ist Umverteilung pur – von den Produzierenden zu den Parasitierenden.

Die Entwertung des Menschlichen

Diese Politik reduziert Arbeit auf einen Produktionsfaktor, als wären Menschen austauschbare Rädchen in einer Maschine. Längere Arbeitszeiten sollen Produktivität heischen, ohne zu fragen, ob Müdigkeit, Stress und Burnout nicht das Gegenteil bewirken. Wahre Produktivität entsteht durch smarte Organisation, faire Löhne, gute Ausbildung und moderne Infrastruktur – nicht durch stumpfe Mehrarbeit. Die Arroganz zeigt sich darin, dass diese Experten den arbeitenden Menschen als faul oder ineffizient diffamieren, während sie selbst in sicheren Posten sitzen und Konferenzen abhalten. Sie fordern Disziplin von anderen, üben sie aber nie selbst. Diese Haltung ist nicht kompetent, sie ist herablassend und entmenschlichend.

Institutionelle Fressmaschine

Der Kern des Problems liegt in der hemmungslosen Ausweitung des Staatsapparats. Während Lohnabhängige länger arbeiten sollen, vermehren sich Ministerien, Sonderbeauftragte und Regulierungsbehörden. Jede neue Aufgabe erzeugt neue Stellen, jede Krise neue Gremien, jede Reform neue Auflagen. Das Geld der Steuerzahler sickert in eine Bürokratie, die Probleme nicht löst, sondern perpetuiert. Die Forderung nach Feiertagsstreichung klingt absurd, wenn gleichzeitig neue Feiertage für Beamte geschaffen werden oder Urlaubsregelungen für Funktionäre gelockert. Diese Doppelmoral nährt den Verdacht, dass Wachstum nur ein Vorwand ist, um die arbeitende Basis weiter auszupressen.

Gewerkschaften im Komafieber

Diese Politik schwächt auch die Gewerkschaften, die statt energischem Protest nur laues Murmeln von sich geben. Sie lassen sich mit Abfindungen und Sozialplänen abspeisen, statt grundlegende Reformen zu fordern. Die Idee von mehr Arbeit für weniger Freizeit normalisiert prekäre Formen, weil sie signalisiert: Euer Leben zählt weniger als die Zahlen. Temporäre Verträge, Leiharbeit, Überstunden ohne Ausgleich – all das wird salonfähig, solange die Oberflächenstatistiken glänzen. Die arbeitende Masse soll sich opfern, während die Eliten von der Kürzung profitieren.

Politische Selbstzerstörung

Langfristig führt diese Haltung nicht zu Prosperität, sondern zu Verarmung und Entfremdung. Menschen, die ihr Leben als bloße Arbeitszeit sehen, ziehen sich zurück, wählen anders oder geben auf. Die falsche Frage – mehr Stunden statt bessere Strukturen – erodiert das Vertrauen in die Demokratie. Wenn die Politik nur noch Opfer von unten fordert, ohne Eigenreformen, entsteht ein Vakuum, das Radikale füllen. Die Arroganz, zu glauben, man könne die Basis unendlich melken, ohne Konsequenzen, ist der wahre Wirtschaftsfehler.

Die falsche Rechnung

Produktivität misst sich nicht in Stunden, sondern in Ergebnissen. Länder mit kürzeren Arbeitszeiten und mehr Freizeit sind oft effizienter, weil sie gesünder, kreativer und motivierter arbeiten. Die Forderung nach Mehrarbeit ignoriert das. Sie setzt auf Quantität statt Qualität, auf Zwang statt Anreiz. Die Verantwortlichen rechnen mit Zahlen, vergessen die Menschen dahinter. Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, die äußerlich funktioniert, innerlich aber zerfrisst.

Umverteilung nach oben

Am Kern steht die unsoziale Umverteilung: Die arbeitende Bevölkerung soll mehr leisten, mehr zahlen, weniger haben – damit der Staat seine maroden Strukturen füttert. Keine Kürzung bei Ministerien, keine Abbau von Bürokratie, keine Streichung unnötiger Auflagen. Stattdessen neue Behörden, neue Programme, neue Vergnügungen für die Verwaltung. Das Geld fließt von unten nach oben, von den Produzierenden zu den Planern. Diese Politik ist kein Wachstumsrezept, sie ist ein Rezept für Aufruhr.