Geschichte: Drogenhandel und Korruption in den höchsten Rängen Südvietnams

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Der Vietnamkrieg war nicht nur ein militärischer Konflikt, sondern auch ein Nährboden für weitverzweigte kriminelle Netzwerke, die den chaotischen Zustand der Region skrupellos ausnutzten. Inmitten des politischen Umbruchs und der ständigen Gefahr bildeten sich illegale Wirtschaftsstrukturen heraus, die bis in die höchsten Führungsriegen des südvietnamesischen Staates reichten. Der Handel mit Rauschgift wurde zu einer zentralen Einnahmequelle für mächtige Militärs und Politiker, die ihre Stellung nutzten, um Schmuggelrouten zu kontrollieren und ihren Einfluss zu festigen. Diese Verflechtung von staatlicher Gewalt und organisierter Kriminalität prägte die Endphase des Regimes und untergrub die moralische Integrität der Führungselite nachhaltig.

Der Aufstieg der Militärs nach dem Fall von Ky

Nach dem schnellen politischen Niedergang des Luftwaffenvizemarschalls Ky traten hohe Offiziere aus dem direkten Umfeld von Präsident Thieu als dominierende Akteure im südvietnamesischen Rauschgiftgeschäft in Erscheinung. Präsident Thieu selbst mied es ganz bewusst, sich persönlich an korrupten Machenschaften zu beteiligen, und folgte damit dem Vorbild seiner Vorgänger Diem und Ky. Sein wichtigster Machtmakler und Geheimdienstberater war jedoch General Dang Van Quang, der tief in diese illegalen Geschäfte verstrickt war. Quang baute sich über hohe Armee- und Marineoffiziere, die ihm oder dem Präsidenten treu ergeben waren, eine äußerst furchteinflößende Machtbasis auf.

Die Kontrolle über Marine und Armee

Das internationale Netzwerk von General Quang war zwar schwächer als das seines Vorgängers Ky, doch dafür kontrollierte er die vietnamesische Marine mit eiserner Hand. In den Reihen der Marine operierte ein hervorragend organisierter Schmuggelring, der riesige Mengen an Rauschgift ins Land brachte. Dies geschah entweder durch die Protektion chinesischer Händler auf dem Seeweg oder durch den direkten Einsatz vietnamesischer Marineschiffe. Zudem verlagerte sich die Kontrolle über das Heer immer stärker in die Hände von General Quang.

Der Heroinhandel und die Politik

Bis zum Jahr 1973 hatte das Heer einen Großteil der Verteilung und des Verkaufs von Heroin an die amerikanischen Soldaten übernommen. Auch eine Gruppe von Abgeordneten im Unterhaus, die Präsident Thieu unterstützten, wurde öffentlich als Beteiligte im Heroinhandel entlarvt. Diese Politiker schienen jedoch etwas unabhängiger von General Quang zu operieren als die Streitkräfte. Die Verstrickung der politischen Elite in den Drogenhandel war somit auf mehreren Ebenen des Staates fest verankert.

Öffentliche Anschuldigungen in den Medien

In den amerikanischen Abendnachrichten vom 15. Juli 1971 berichtete der Korrespondent Phil Brady einem landesweiten Publikum über die Finanzierung der Wahlkämpfe von Präsident Thieu und Vizepräsident Ky durch den Drogenhandel. Brady berief sich auf äußerst verlässliche Quellen und bezeichnete General Quang als den größten Drogenhändler in Südvietnam. Der Pressesprecher von Thieu wies diese Anschuldigungen kategorisch zurück und warf dem Journalisten vor, Lügen zu verbreiten und damit dem kommunistischen Feind zu helfen. Dennoch unternahm der Sprecher keinen Versuch, General Quang zu verteidigen, der bereits als Kommandeur im Mekongdelta für seine Korruption berüchtigt war.

Korruption im Mekongdelta

Bereits im Juli 1969 hatte ein Korrespondent eines bekannten Nachrichtenmagazins über die illegalen Aktivitäten von Quang im 4. Korps berichtet. Während seiner dortigen Amtszeit soll er Unsummen durch den Verkauf von Ämtern und das Abschöpfen von Gewinnen aus der Reisproduktion eingenommen haben. Ein besonders bekannter Vorfall ereignete sich bei der Ernennung von Oberst Nguyen Van Minh zum Kommandeur der 21. Division. Die Frau des scheidenden Kommandeurs rief bei der Zeremonie in die Menge, dass Minh für diese Position 2.000.000 Piaster an Quang gezahlt habe, was umgerechnet 7.300 Dollar entsprach.

Der Wechsel nach Saigon

Auf massives Drängen der Amerikaner wurde General Quang schließlich aus dem 4. Korps entfernt und Ende 1966 nach Saigon versetzt. Dort ernannte man ihn zum Minister für Planung und Entwicklung, was vor allem als ruhiger Posten diente, mit dem er sein Gesicht wahren konnte. Kurz nach der Wahl von Präsident Thieu im September 1967 avancierte Quang zu dessen Sonderbeauftragten für Militär- und Sicherheitsangelegenheiten. In dieser neuen Rolle trat er umgehend als zentraler Machtmakler auf und beschaffte auf illegale Weise Geld für den Machtapparat des Präsidenten.

Grenzen der Macht und interne Rivalitäten

Präsident Thieu konnte sich auf Quang jedoch weit weniger verlassen als sein Vorgänger Ky auf seinen eigenen Gefolgsmann General Loan. Thieu war stets darauf bedacht, konkurrierende Machtzentren aufzubauen, um den Einfluss von General Quang bewusst zu begrenzen. Als Folge dieser Strategie erlangte Quang niemals die absolute Dominanz über die verschiedenen Gruppierungen, die Thieu unterstützten. Zwar gewann er die Kontrolle über die Sondereinsatzkräfte, die Marine und das Heer, doch andere Verbündete des Präsidenten bauten ebenfalls eigene Strukturen auf.

Die Sondereinsatzkräfte und der Schmuggel aus Laos

Die Gruppierung unter der Führung von General Tran Thien Khiem erlangte genügend Einfluss, um als eigenständige Fraktion zu agieren. Es gibt eindeutige Beweise dafür, dass die anfänglichen Gruppen, die Opium nach Südvietnam schmuggelten, zu den vietnamesischen Spezialkräften gehörten, die im Süden von Laos operierten. Im August 1971 berichtete eine große amerikanische Tageszeitung, dass viele Flugzeuge mit dem Drogentransport in Verbindung standen. Diese Maschinen gehörten zu den geheimen Einheiten, die entlang des Ho-Chi-Minh-Pfades im Einsatz waren.

Geheime Flugoperationen und Versetzungen

In der Provinz Klon Tom nördlich von Pleiku stationiert, verfügte die Angriffseinheit der Sondereinsatzkräfte über ihre eigene kleine Flotte. Dazu gehörten Hubschrauber, Transportmaschinen und Leichtflugzeuge, die für Sabotageakte und Aufklärungsflüge nach Südlaos genutzt wurden. Einige Offiziere dieser Einheiten berichteten später, dass ihr Kommandeur in der Mitte des Jahres 1971 auf einen anderen Posten versetzt wurde. Der Grund für diese Versetzung war, dass seine tiefe Verstrickung in den Rauschgifthandel kurz vor der öffentlichen Aufdeckung stand.

Die Invasion Kambodschas als Wendepunkt

Geheime Vorstöße galten jedoch als relativ ineffiziente Methode für den Schmuggel, weshalb der Machtapparat von General Quang zunächst nicht in großem Stil in das Geschäft einsteigen konnte. Dies änderte sich erst mit der Invasion Kambodschas im Mai 1970, die völlig neue Möglichkeiten eröffnete. Nach Jahren operierte die vietnamesische Armee damit zum 1. Mal wieder offiziell innerhalb der kambodschanischen Grenzen. Die Truppen bewachten die wichtigsten Verbindungswege und die Armee entsandte Verbindungsoffiziere in die Hauptstadt Phnom Penh.

Neue Stützpunkte und marinegestützte Routen

Zugleich konnten Geheimagenten nun ungehindert innerhalb des ehemals neutralen Königreichs agieren und die Infrastruktur für den Schmuggel aufbauen. Noch viel wichtiger war jedoch, dass die vietnamesische Marine ständige Patrouillen auf dem kambodschanischen Abschnitt des Mekong aufnahm. Die Marine richtete feste Stützpunkte in Phnom Penh ein und sicherte so die logistischen Knotenpunkte für den Weitertransport der illegalen Waren. Durch diese militärische Präsenz entstand ein flächendeckendes Netzwerk, das den Drogenhandel in bisher ungeahntem Ausmaß ermöglichte und die Korruption in der Region weiter zementierte.

 

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