Die Nixen von Seifertsmühl – Ein Lausitzer Mythos voller Magie und Heimatverbundenheit

Vor vielen Jahren lebten im Lausitzer Seenland, genauer gesagt im Mühlteich bei Merzdorf, zwei Nixen in tiefem Glück und Zufriedenheit mit ihrem alten Vater. Sie residierten unter der Wasseroberfläche in einem prächtigen Schloss, das von den Geheimnissen des Wassers umgeben war. Dieses Märchen ist tief verwurzelt in der Lausitz, einer Region, die seit jeher von Flüssen, Teichen und Seen geprägt ist, die nicht nur die Natur, sondern auch die Volksüberlieferungen beeinflusst haben. Die Nixen, jene anmutigen Wassergeister, sind ein wichtiger Bestandteil der sorbischen Mythologie und Volksdichtung, die die Verbindung zwischen Mensch und Wasser in der Lausitz widerspiegeln.

Mondschein und Wassergeister: Die Sehnsucht nach dem Tanz

In den mondhellen Nächten, wenn die Lausitzer Flüsse und Teiche im silbrigen Licht schimmerten, kamen die Nixen gelegentlich an die Oberfläche. Sie tanzten und sangen auf der Wiese bei der Mühle, die heute noch in den Geschichten der Region lebendig ist. Es war eine Zeit der Freude, der Gemeinschaft mit der Natur und des magischen Zusammenspiels zwischen Wasser und Land. Doch die Nixen sehnten sich nach mehr: Sie träumten davon, auch unter den Menschenkindern im erleuchteten Saal auf festem Boden mittanzen zu dürfen. Diese Sehnsucht spiegelte die tiefe Verbindung der Lausitzer mit ihrer Kultur wider, in der die Wassergeister nicht nur als scheue Wesen, sondern auch als Teil der Heimat und ihrer Legenden gesehen werden.

Der alte Vater und die Erlaubnis zum Tanz

Der alte Nix, der das Wasser und die Wassergeister bewachte, war zunächst strikt und wollte die Nixen vor den Gefahren der Welt der Menschen schützen. Doch nach langem Zögern und wiederholtem Bitten gab er schließlich nach. Er erlaubte ihnen, bei einem besonderen Tanz in der Nähe des Seifertsmühler Gewässer teilzunehmen, jedoch nur unter der Bedingung, dass sie vor Tagesanbruch wieder im Wasser sein müssten. Diese Erlaubnis wurde zu einem bedeutenden Ereignis in den Lausitzer Legenden, die die enge Verbindung zwischen Wasser und Menschen in der Region betonen.

Der Zauberhafte Tanz und das Verschwinden

In jener Sommernacht erschienen die Nixen beim Tanz, und alle, die Zeugen wurden, waren fasziniert von ihrer Schönheit und den prächtigen Kleidern. Ihre Anmut und Eleganz spiegelten die Anmut der Wassergeister wider, die tief in der Lausitzer Volkskultur verwurzelt sind. Die Freude am Tanze war so groß, dass die Nixen keinen Abschied nehmen wollten. Doch als die ersten Sonnenstrahlen am Horizont aufgingen, verschwanden sie unbemerkt und eilig, so schnell wie sie gekommen waren. Als sie zum Mühlsteig eilten, war alles verändert: Der Teich war leer, das Wasser verschwunden, das Schloss der Nixen war weg, und ihr Vater war nicht mehr zu finden. Es war, als hätte das Wasser selbst sie in seine Tiefe gezogen, in eine Welt, die nur den Wassergeistern vorbehalten ist.

Der Krähenborn – Symbol für die Verbannung der Wassergeister

In ihrer Verzweiflung suchten die Nixen eine neue Heimat, eine Quelle in der Nähe, die sie in einem Wasserstrahl aufsuchen konnten. Doch die Menschen, die von den Nixen und ihrer Magie erfuhren, fürchteten die Macht der Wassergeister. Krähen, die in der Lausitz als Wächter und Boten gelten, mauerten den Brunnen zu, um die Nixen von den Menschen fernzuhalten. Der Brunnen wurde später als „Krähenborn“ bekannt – ein Ort, der die Trennung zwischen Wasserwelt und Menschenwelt symbolisiert. Diese Legende zeigt, wie die Menschen in der Lausitz die Magie der Wassergeister fürchteten und sie in den verborgenen Tiefen des Wassers einschlossen.

Die Weiterreise der Nixen nach Norden

Es wird erzählt, dass die Nixen nach dem Verlust ihrer Heimat weiter nach Norden gezogen sind, in die weiten Wasserläufe der Lausitz und darüber hinaus. Ihre Spuren sind im Volksglauben an vielen Gewässern zu finden – an alten Flüssen wie der Spree, der Schwarze Elster und den zahlreichen Teichen, die die Region prägen. Sie gehören zu den schönsten und geheimnisvollsten Geschöpfen der sorbischen Volksdichtung, die die enge Verbindung der Lausitz mit ihren Flüssen, Seen und Teichen widerspiegeln.

Die Bedeutung der Nixen für die Lausitz

Die Nixen sind ein Symbol für die tiefe Wasserverbundenheit und die Naturverbundenheit der Lausitzer Menschen. Sie verkörpern die Schönheit, die Magie und die Geheimnisse der Wasserwelt, die seit jeher die Seele der Region prägt. In den Geschichten und Legenden leben die Wassergeister weiter und erinnern uns daran, wie wichtig es ist, die Natur zu achten und ihre magischen Kräfte zu bewahren. Die Nixen sind nicht nur Figuren der Volksdichtung, sondern auch ein lebendiges Erbe der sorbischen Kultur, das die Lausitz in ihrer einzigartigen Vielfalt bereichert.

Die Nixen – Hüterinnen der Lausitz und ihrer Wasserwelten

Die Märchen von den Nixen bei Seifertsmühl und in der ganzen Lausitz sind mehr als nur Geschichten; sie sind ein Spiegelbild der tiefen Verbindung zwischen den Menschen und ihren Wasserwelten. Sie lehren uns, die Schönheit und Magie der Natur zu schätzen, und erinnern uns daran, dass die Wassergeister der Lausitz Teil unseres kulturellen Erbes und unserer Heimat sind. Bis heute lebt die Legende weiter und inspiriert Künstler, Schriftsteller und Naturverbundene, die die mystische Welt der Wassergeister bewahren und ehren möchten. So bleiben die Nixen ein wichtiger Teil der Lausitzer Mythologie – die Hüterinnen der Wasser, die uns mit ihrer Schönheit und Weisheit noch lange begleiten werden.