Die mystischen Felsen des Lausitzer Berglands zwischen Mythos und wissenschaftlicher Erforschung

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Das Lausitzer Bergland birgt in seiner tiefen, waldreichen Landschaft die Fülle von steinernen Zeugnissen, die seit Generationen die Fantasie der Menschen beflügeln. Markante Felsformationen und geheimnisvolle Berge ranken sich um uralte Erzählungen, die von heidnischen Ritualen und göttlichen Offenbarungen künden. Diese Orte sind weit mehr als bloße geologische Formationen, denn sie stellen das Zentrum des kulturellen Gedächtnisses dar, das sich über die Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Die Auseinandersetzung mit diesen steinernen Räumen verbindet archäologische Spurensuche mit sprachlicher Spitzfindigkeit und astronomischer Beobachtung. Bis heute bleibt die wahre Bedeutung dieser Monumente das faszinierende Rätsel, das Gelehrte und Heimatliebende gleichermaßen in seinen Bann zieht.

Frühe Zeugnisse und das Gebet der Vorfahren

In der frühen Neuzeit lebte im damals zur Lausitz gehörenden Weigsdorf der Pastor Martin Niger. Bei seinen morgendlichen Wanderungen begegnete er der betagten Einheimischen, die aus der Richtung des markanten Heidensteinfelsens kam. Der Geistliche fand die Dame später kniend im Gebet versunken und erfuhr von ihr, dass bereits ihre Vorfahren an diesem Ort die aufgehende und untergehende Sonne verehrt hatten. Sie berichtete von dem einstigen Gottestempel, der an dieser exponierten Stelle gestanden haben soll. Dieser Bericht gilt als früher Hinweis auf religiöse Praktiken im Umfeld der Felsen und lenkte die Aufmerksamkeit späterer Gelehrter auf die mögliche Funktion als vorchristlicher Kultplatz.

Akademische Beschreibungen und mystische Höhlungen

Am Bautzener Gymnasium diktierte Magister Martin Grünwald in vergangenen Jahrhunderten die umfassende Beschreibung der Region. Er sprach dabei von steinernen Altären auf den umliegenden Bergen und weckte damit das allgemeine Interesse an den mythologischen Altertümern. Diese Erwähnung führte zu intensiverer Beschäftigung mit den Felsen, die in der Region seit Jahrhunderten als besondere Orte galten. Der Pfarrerssohn Samuel Friedrich Bucher berichtete später in Königshain von Urnen, die er selbst auf dem Totensteinfelsen ausgegraben hatte. Er bezeichnete den Fundort als Höhlung, die in den Felsen eingearbeitet worden sei, damit Anbetende nach altem Brauch gegen Osten auf die Knie fallen und die Sonne verehren konnten.

Sprachliche Spuren und düstere Gottheiten

Der sorbische Pfarrer Abraham Frencel übersetzte die Flurbezeichnung Prašchwiza als Frage- oder Orakelort und lenkte damit die Forschung auf den später Czorneboh genannten Berg. Dieser Gipfel wurde in späteren Deutungen sowohl mit dem Teufel als auch mit dem Sonnengott der dunklen Jahreszeit in Verbindung gebracht. Solche Interpretationen sind Teil der breiten mythologischen Tradition, die das Lausitzer Bergland seit Jahrhunderten prägt. Pfarrer Ehregott Friedrich Pannach bezeichnete den Teufelssteinfelsen bei Kleinbautzen als Altar der Abgötterei und stellte absichtliche Veränderungen an der Lage der Felsblöcke fest. Spätere archäologische Grabungen der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte bestätigten diese Beobachtungen von künstlichen Eingriffen in die natürliche Felsstruktur.

Vergleichende Forschungen und astronomische Deutungen

Karl Benjamin Preusker deutete zahlreiche Felsen des Lausitzer Berglands als heidnische Opferaltäre und Gottestempel, wobei er den Sonnenkult vermutete. Er zog Parallelen zu den Megalithen Norddeutschlands und Skandinaviens und stellte damit die Verbindung zu den bekannten steinernen Kreisen her. Der Arzt Johann Gottfried Bönisch erweiterte diese Sichtweise, indem er die Felsaltäre nicht nur mit der Sonne, sondern auch mit dem Mond verband. Alfred Moschkau schlug später erneut den gedanklichen Bogen von den lokalen Felsaltären bis nach Stonehenge und stärkte damit die Vorstellung des weitreichenden prähistorischen Kultsystems. Der Astronom Josef Hopmann untersuchte näpfchenartige Vertiefungen auf dem Totenstein und vermutete darin Darstellungen von Sternbildern.

Widerlegte Hypothesen und neue Forschungsansätze

Spätere Analysen durch Lutz Pannier ergaben jedoch keine Bestätigung für diese kühne astronomische Deutung der Schalensteine. Hopmann hatte zwar den Fachartikel angekündigt, dieser erschien jedoch nie und er nahm nach dem Krieg nicht mehr öffentlich zu dieser Frage Stellung. Seit dem Beginn des neuen Jahrtausends knüpfen Heimatforschende und die Fachgruppe Archäoastronomie der Sternwarte Bruno-H.-Bürgel in Sohland an diese Traditionen an. Sie untersuchen reguliert anmutende Felsöffnungen, die kalendarische Sonnenbeobachtungen ermöglichen könnten. Diese Felsobjekte werden als Sonnenheiligtümer der Lausitz bezeichnet und im Rahmen des Projekts mit Namen aus der nordischen oder sorbischen Mythologie versehen.

Arbeitstitel und das kulturelle Erbe der Region

Die gewählten Benennungen wie Thor, Odin, Mara, Bieleboh oder Czorneboh dienen als Arbeitstitel zur Strukturierung der Forschung und stellen keine endgültigen wissenschaftlichen Festlegungen dar. Diese Orte sind tief in die Geschichte, Mythologie und kulturelle Identität der Region eingebettet und tragen die Erinnerungen der Generationen in sich. Die Frage nach der wahren Bedeutung dieser Felsen erfordert das Zusammenspiel aus Archäologie, Sprachgeschichte, Mythologie, Astronomie und regionaler Kultur. Die wissenschaftliche Erforschung dieser steinernen Zeugen ist bis heute nicht abgeschlossen und birgt immer wieder neue Überraschungen. Die Felsen des Lausitzer Berglands stellen das einzigartige kulturelle Erbe dar, dessen Bedeutung weit über die Grenzen der Region hinausreicht.

 

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