Die Mechanismen der Geldvermehrung und die Risiken der Finanzwelt

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In der heutigen Welt der Finanzmärkte gibt es eine Vielzahl von Methoden, um Geld zu vermehren, die auf scheinbar simplen Prinzipien basieren, aber in ihrer Ausführung äußerst komplex sind. Eine dieser Methoden ist das sogenannte Hebeln, bei dem durch geschicktes Einsetzen von Fremdkapital die eigene Rendite erheblich gesteigert werden kann. Dabei nutzt man sogenannte Schuldscheine und gute Beziehungen zu Finanzinstituten, um das eigene Kapital zu vervielfachen und so die eigene Gewinnchance zu erhöhen. Ein Spekulant, der auf diese Weise sein Vermögen vergrößern will, benötigt eine beträchtliche Menge an Geld, um die gewünschten Geschäfte tätigen zu können. Ein enger Freund des Spekulanten, der über exzellente Kontakte zu einer Bank verfügt, tritt in diesem Szenario als Vermittler auf, indem er Schuldscheine im Wert von insgesamt 10.000 Euro unterschreibt und diese dem Spekulanten als Sicherheit übergibt. Vorher hat dieser Freund bereits einen Kredit über 10.000 Euro bei der Bank aufgenommen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Dieses Geld wird nun vom Freund an den Spekulanten weitergereicht, der es für seine spekulativen Geschäfte nutzt.

Das Prinzip des Hebelns: Schuldscheine als Sicherheit

Dank der guten Beziehungen des Freundes zur Bank gelingt es diesem, die Schuldscheine mit einem Beleihungsgrad von 70 Prozent zu versehen. Das bedeutet, die Bank gewährt ihm auf den Wert der Schuldscheine einen Kredit in Höhe von 70 Prozent, also 7.000 Euro. Dieser Betrag wird wiederum an den Spekulanten weitergegeben, der das Geld in seinen Geschäften einsetzt. Die Schuldscheine bleiben dabei in der Bilanz des Freundes, der so seine Bilanzsumme erhöht und gleichzeitig den Kredit der Bank in Anspruch nimmt. Das frische Geld, das vom Freund an den Spekulanten weitergereicht wird, dient der nächsten Runde: Es werden neue Schuldscheine ausgestellt, die ebenfalls mit 70 Prozent belehnt werden. Das bedeutet, es entstehen zusätzliche Mittel in Höhe von etwa 4.900 Euro, die wiederum an den Freund fließen und dessen Bilanzsumme erweitern. Mit diesem Vorgehen kann der Spekulant erneut auf das vorhandene Kapital zugreifen und neue Geschäfte tätigen, die wiederum durch die gleiche Methode ergänzt werden. Durch diese wiederholte Beleihung und Weitergabe wächst die gesamte geschaffene Geldmenge in der Bilanz des Freundes kontinuierlich an. Insgesamt lässt sich feststellen, dass durch dieses Verfahren in der Beispielrechnung eine Summe von 21.900 Euro an Kapital geschaffen wird, obwohl ursprünglich nur 10.000 Euro investiert wurden. Dieses Prinzip lässt sich grundsätzlich beliebig fortsetzen, vorausgesetzt, es gibt eine Bank, die bereit ist, dieses Spiel mitzumachen und den Beleihungsprozess zu unterstützen.

Der Einfluss der Zentralbank und die Gefahr des Hebelns im großen Stil

Auch die Europäische Zentralbank könnte durch ihre Maßnahmen den Effekt des Hebelns in großem Stil unterstützen. Indem sie den sogenannten Rettungsschirm mit Geld versorgt, kann sie eine ähnliche Strategie wie die Bank in dem beschriebenen Beispiel anwenden. Das bedeutet, sie könnte durch das gezielte Bereitstellen von Liquidität die Finanzmechanismen in den Staaten und bei den Banken stark anheizen und so die Liquiditätsversorgung erhöhen. Diese Vorgehensweise ist die einfachste Form des Hebelns, bei der durch das Hinzufügen von Fremdkapital die Wirkung auf die Gesamtsumme der verfügbaren Mittel vervielfacht wird. Darüber hinaus existieren zahlreiche andere Varianten des Hebelns, die unter dem Begriff Leverage zusammengefasst werden. Der Hebel ist ein zentrales Element bei den sogenannten Derivaten, den komplexen Finanzinstrumenten, die in den letzten Jahrzehnten eine immer größere Bedeutung erlangt haben. Ziel ist es, mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz große Gewinne zu erzielen, doch diese Strategie ist nicht nur nach oben, sondern auch nach unten äußerst riskant, da Verluste ebenfalls verstärkt werden können.

Politische Herausforderungen und die Risiken des Hebelns in der Finanzpolitik

Die Überlegungen und Diskussionen der Politiker im Jahr 2011 bezüglich der Unterstützung der Euro-Länder durch den Rettungsschirm verdeutlichen die große Unsicherheit und die extremen Herausforderungen, vor denen die Verantwortlichen stehen. Es wurde deutlich, dass das bereitgestellte Volumen von mehreren Hundert Milliarden Euro möglicherweise nicht ausreichen dürfte, um die schwächelnden Staaten dauerhaft zu stabilisieren. Um die Liquidität weiter zu erhöhen, wurde die Idee diskutiert, Anleihen zu kaufen und gleichzeitig eine Art Versicherung einzuführen, bei der im Falle eines Ausfalls nur ein Teil des Risikos übernommen wird. Diese Überlegungen zielen darauf ab, das Volumen des Rettungsschirms erheblich zu vervielfachen, um den Bedarf zu decken. Es zeigt sich, dass in der Finanzwelt nur das Geld zählt, das im Grunde genommen keine reale Substanz besitzt, sondern durch kreative Methoden und gezieltes Hebeln immer wieder vermehrt werden kann. Dabei geht es vor allem um Macht und Einfluss: Wer erhält Zugang zu den Mitteln, und wer bleibt außen vor? Diese Fragen sind in der heute herrschenden Finanzordnung von zentraler Bedeutung.

Hedgefonds: Die Spielregeln der Spekulation

An einem bestimmten Tag schließt die Aktie eines Unternehmens bei einem Kurs von 24,65 Euro und eröffnet am nächsten Tag bei 23,85 Euro. Ein Laie könnte denken, dass es bei einem fallenden Kurs sinnvoll ist, die Aktie zu verkaufen. Ein Hedgefonds-Manager würde jedoch eine andere Strategie verfolgen. Er würde in diesem Fall vermutlich kaufen, da er das sogenannte Gap nach unten als Kaufsignal interpretiert. Dieses Gap bezeichnet die Kurslücke, die an einem Tag entsteht und im Verlauf des nächsten Tages meist wieder geschlossen wird. Für den Manager ist das ein Hinweis darauf, dass der Kurs kurzfristig steigen wird, um die Lücke zu schließen. Das Gegenteil gilt für das Gap nach oben: Hier würde er die Aktie verkaufen, weil er erwartet, dass der Kurs kurzfristig wieder nach unten korrigiert wird. Die Arbeitsweise von Hedgefonds basiert auf einer Vielzahl von Erfahrungswerten, die auf vergangenen Kursbewegungen beruhen. Sie entwickeln anhand solcher Daten Regeln, wann gekauft und verkauft werden soll, und setzen diese Strategien mit hoher Disziplin um. Dabei verlassen sie sich auf statistische Wahrscheinlichkeiten, die aus der Historie abgeleitet werden, doch diese können immer wieder täuschen, insbesondere durch unvorhersehbare Ereignisse, die die Märkte unerwartet beeinflussen.

Das Risiko der Strategie: Der Glaube an die Vergangenheit

Hedgefonds arbeiten mit einer Vielzahl von Strategien, die alle das Ziel verfolgen, möglichst hohe Gewinne in kurzer Zeit zu erzielen. Dabei nutzen sie die Fülle an verfügbaren Finanzinstrumenten, um ihre Positionen abzusichern oder gezielt zu hebeln. Der Begriff des Hedge, also des Absicherns, ist dabei irreführend, weil das System insgesamt höchst spekulativ ist. Die wichtigsten Werkzeuge sind dabei Leerverkäufe, bei denen Aktien, die man nicht besitzt, verkauft werden, um bei fallenden Kursen Gewinne zu erzielen. Wenn man glaubt, dass eine Aktie zu hoch bewertet ist, kann man sie leer verkaufen, also einen Verkauf tätigen, obwohl man die Aktien gar nicht besitzt. Nach dem Kursrückgang kauft man sie günstiger zurück und erzielt so einen Gewinn. Dieser Vorgang funktioniert auch, wenn man nur auf fallende Kurse setzt und dabei keine eigenen Mittel einsetzt, sondern die Aktien gegen Gebühr leiht. Solche Strategien sind hochriskant, weil sie auf der Annahme beruhen, dass die Vergangenheit eine verlässliche Grundlage für zukünftige Entwicklungen ist. Das ist eine gefährliche Illusion, denn die Finanzmärkte sind durch unvorhersehbare Ereignisse, sogenannte Schwarze Schwäne, immer wieder aus dem Gleichgewicht zu bringen. Diese unvorhergesehenen Ereignisse können sämtliche Wahrscheinlichkeitsmodelle zerstören und zu erheblichen Verlusten führen, die die Akteure kaum vorhergesehen haben.

Die Risiken und die Zirkularität der Finanzmodelle

Im Kern sind Hedgefonds nichts anderes als professionelle Würfelspieler, die auf die Wahrscheinlichkeit setzen, dass ihre Strategien Erfolg haben. Sie setzen große Beträge auf bestimmte Kursbewegungen, die auf Vergangenheitsdaten basieren, in der Hoffnung, dass sich diese Muster wiederholen. Dabei ist die Gefahr groß, weil sich die Märkte immer wieder durch plötzliche, unvorhersehbare Ereignisse verändern. Diese sogenannten Schwarzen Schwäne können finanzielle Verluste in einer Größenordnung verursachen, die die Modelle und Annahmen der Hedgefonds aus den vergangenen Jahren völlig ad absurdum führen. Das System ist hochkomplex und basiert auf einer Vielzahl von Annahmen, die sich im Laufe der Zeit immer wieder als falsch herausstellen. Es ist ein riskantes Spiel, bei dem die Akteure im Grunde genommen auf das Glück und auf Wahrscheinlichkeiten setzen, die sich nur auf historische Daten stützen. Die Gefahr besteht darin, dass diese Modelle und Strategien im Kern zirkulär sind, weil sie auf der Annahme beruhen, dass die Vergangenheit die Zukunft vorhersagt, was sich immer wieder als Irrtum erweist. Das macht die Finanzwelt zu einem nahezu unkontrollierbaren Spielraum, in dem die Akteure ständig mit dem Risiko leben, dass alles zusammenbricht, wenn die unvorhergesehenen Ereignisse zuschlagen.

 

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