Die Kunst des kontinuierlichen Lernens und der beständigen Weiterentwicklung

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In einer sich ständig wandelnden Welt, die von Unsicherheiten und unvorhersehbaren Herausforderungen geprägt ist, suchen Menschen nach Wegen, mit diesen Veränderungen konstruktiv umzugehen. Die Fähigkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und aus Fehlern zu lernen, wird zunehmend zur entscheidenden Kompetenz für persönliches und berufliches Wachstum. Traditionelle Vorstellungen von Perfektion und abgeschlossenen Lernprozessen erweisen sich dabei oft als Hindernisse für echten Fortschritt.

Die Philosophie des vorläufigen Zustands

In der Softwareentwicklung hat sich die Praxis etabliert, Produkte in einem vorläufigen Stadium zu veröffentlichen, in dem noch nicht alle Fehler beseitigt sind. Dieses Vorgehen ermöglicht es, auf Grundlage der Rückmeldungen der Anwendenden Probleme aufzudecken, die den Entwickelnden nie aufgefallen wären, und entsprechende Verbesserungen vorzunehmen. Die Übertragung dieser Prinzipien auf die persönliche Entwicklung eröffnet neue Perspektiven für das eigene Wachstum. Der Grundsatz des ständigen vorläufigen Zustands wird zum Motor des Fortschritts und bedeutet, sich in einem permanenten Testmodus zu befinden. Es handelt sich um eine Haltung und Denkweise, die für das gegenwärtige Zeitalter des Wissens von elementarer Bedeutung ist. Experimentieren, Neues entwickeln, lernen, nachjustieren, wieder lernen und weitergehen bilden einen zyklischen Prozess, der sich beständig wiederholt.

Der konstruktive Umgang mit dem Unvollkommenen

Immer dann, wenn wir Neuland betreten, werden unsere ersten Schritte nicht perfekt sein. Deshalb ist es sinnvoll, an der eigenen Haltung gegenüber dem Neuen zu arbeiten. Für diese Einstellung gibt es einen hilfreichen Begriff, der die Denkweise des vorläufigen Zustands beschreibt. Dahinter stehen drei wesentliche Ideen, die das Verständnis für diesen Ansatz vertiefen. Wenn man einen ersten Entwurf oder einen Prototypen präsentiert, dann sollte man sich bewusst machen, dass dies kein fertiges Produkt und kein Endergebnis ist, sondern lediglich ein erster Schritt. Man wird noch viele Gespräche führen, dabei zusätzliche Einsichten gewinnen, manche Prämissen werden bestätigt werden, manche Annahmen wird man mit neuen Augen sehen, und die eine oder andere neue Idee wird auf den Tisch kommen. All dies hat Einfluss auf das Neue, man wird nachjustieren, verbessern und weiterentwickeln, und hinterher wird es so gut sein, wie es einem im ersten Versuch niemals gelungen wäre.

Die Befreiung vom Perfektionsdruck

Auf diese Weise wird man den eigenen Stress erheblich reduzieren, denn wenn es schon von Anfang an perfekt sein soll, befindet man sich automatisch in der Verteidigungsposition. Man muss beweisen, wie gut der fast schon finale Entwurf ist, und das ist extrem anstrengend. Wenn man stattdessen die unvollkommene vorläufige Version vorzeigt, dann befindet man sich in der Offensive. Man kann neugierig und offen testen und herausfinden, wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Man wird die Kritik als hilfreich und konstruktiv begrüßen und sich nicht dagegen wehren. Die aufgewendete Energie fließt in die Verbesserungen und nicht in den Rechtfertigungskampf. Allerdings rechtfertigt der Gedanke des vorläufigen Zustands auf keinen Fall schlampige Arbeit. Die vorläufige Version ist nicht die Ausrede für eine schludrige Abkürzung oder dafür, dass man in letzter Minute irgendwas zusammenzimmert. Man hat dabei lediglich das Verständnis, dass man eben noch nicht alle Antworten hat. Man kann sehr wohl sein Bestes geben, wohl wissend, dass man damit noch nicht im Ziel ist.

Das lebenslange Lernen als Grundprinzip

Die gefährlichste Haltung, die wir einnehmen können, ist zu glauben, alles zu wissen und aufzuhören zu lernen. Wir alle sind das, was man als Werk im Werden bezeichnen kann. Genau das reflektiert die Denkweise des vorläufigen Zustands, bei der Lernen, Rückmeldung und persönliches Wachstum im Vordergrund stehen. Nur wer glaubt, bereits angekommen zu sein, verliert die Fähigkeit zur Weiterentwicklung. Wenn man bis zu diesem Punkt gekommen ist, dann ist klar, dass man zu den Menschen gehört, die sich von Krisen und einer verrückten Welt nicht beirren lassen. Man gehört zu den Menschen, die ihren Weg gehen, die gestalten und die dabei mitwirken wollen, die Welt ein Stück weit zu verändern. Diese Einstellung verdient Anerkennung und Wertschätzung.

Die Überwindung von Widerständen und Ausreden

Weil man zu solchen Menschen gehört, kennt man auch die uralten Klagen, die gerade in Krisenzeiten noch einmal lauter geäußert werden. Die Zeiten seien herausfordernd und man müsse sich verändern, klingt nach hochgekrempelten Ärmeln und nach Aufbruch. Doch dann kommt der Alltag, und dann klingen aus den gleichen Mündern völlig andere Töne. Es folgen Ausreden und Widerstände jeder Art, die jeden Fortschritt verhindern sollen. Man hört, dass dies ein ganz schlechter Zeitpunkt sei, dass man es sich momentan nicht leisten könne, oder dass dies vor Jahren schon einmal jemand versucht habe. Es fehle das Personal, die Finanzmittel reichten nicht, oder es gehe einfach nicht. Niemand wolle dies, oder die eigene Familie oder die Vorgesetzten wollten dies nicht. Man würde gern, aber die anderen lassen einen nicht, oder es fehle die Fachkompetenz. Die Arbeitnehmervertretung werde dies niemals genehmigen, das Alte funktioniere doch noch, oder die Wechselwirkung mit anderen Faktoren müsse noch genauer untersucht werden. Dies sei zu abgehoben, da könne ja jeder kommen, oder dies sei nicht das eigene Problem. Es sei unmöglich, dies komme oben nicht gut an, oder dies würde den Rahmen sprengen. Man könne dies den Kundinnen und Kunden nicht vermitteln, daran seien schon ganz andere gescheitert, oder dies verstehe keiner. Wenn es möglich wäre, hätte es schon ein anderer gemacht, oder dies funktioniere so nicht. Einem alten Menschen könne man keine neuen Fähigkeiten beibringen, die Wirtschaftlichkeit sei zu unsicher, oder dies funktioniere in der Praxis nicht. Darüber müsse man noch einige Nächte schlafen, oder dies brauche noch eine Machbarkeitsstudie. Man müsse noch die Besprechung des Gremiums abwarten, der Verdrängungseffekt müsse vermieden werden, oder dies sei schon richtig, aber. Man bekomme dies nicht durch, dies habe man schon einmal gehabt, oder man solle später darüber reden. Wenn die Rahmenbedingungen anders wären, dann wäre es vielleicht eine Option, oder man sollte sich da raushalten. Dies sei leider nur schöne Theorie, dazu fehle die Zeit, oder dies sei grundsätzlich richtig, aber hier nicht anwendbar.

Die Entwicklung einer kritischen Haltung gegenüber Ausreden

Dies sind zahlreiche Sprüche der Bremser, der Denkbürokraten, der Gewohnheitsbereichsbewohner, der Vorrechteverteidiger, der Engdenker und der Bedenkenträger. Man sollte eine innere Erkennung für solchen Unsinn entwickeln und diese Phrasen auf den eigenen Index setzen. Man sollte sie mit den eigenen Kolleginnen und Kollegen, Verbündeten und Mitstreitern teilen. Am wichtigsten ist es, solchen Sprüchen und ihren Urheberinnen und Urhebern niemals die Macht zu geben, einen vom eigenen Weg abzubringen. Die Fähigkeit, solche Widerstände zu erkennen und zu überwinden, ist entscheidend für den eigenen Erfolg und die persönliche Weiterentwicklung. Man sollte sich nicht davon abhalten lassen, neue Wege zu gehen und beständig an sich zu arbeiten. Die Denkweise des vorläufigen Zustands befähigt dazu, trotz aller Widerstände kontinuierlich voranzuschreiten und sich nicht von Ausreden und Hindernissen aufhalten zu lassen.

 

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