Die Evolution des Zahlungswesens und die Schaffung künstlicher Wertrepräsentanten

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Die Entwicklung von Tauschmitteln zu hochorganisierten Zahlungssystemen markiert fundamentalen Wendepunkt in der wirtschaftlichen Geschichte der Menschheit. Wenn natürliche Güter den Handel bestimmen, stoßen die Beteiligten schnell an physikalische und logistische Grenzen. Der Übergang zu künstlich geschaffenen Wertrepräsentanten erfordert daher oft die koordinierende Hand zentraler Autorität. Dieser Prozess verdeutlicht, wie sehr das Vertrauen in abstrakte Symbole das wirtschaftliche Zusammenleben prägt und den Wohlstand ganzer Gesellschaften beeinflusst.

Die Grenzen der natürlichen Tauschgüter

Stellen wir uns für unser nächstes Gedankenexperiment den Herrscher vor, der beobachtet, wie in seinem Reich Zigaretten als Zahlungsmittel eingesetzt werden, um Handel zu treiben. Diese Zigarettenwährung ist Sachgeld, das spontan entstanden ist, weil es das Zusammenleben der Menschen vereinfacht hat, aber es wirkt auf ihn sehr ineffektiv. Der Regent erkennt, dass diese Form von Geld zahlreiche Probleme mit sich bringt, unter anderem, weil größere Geschäfte mit dieser Art von Tauschmittel schlecht abzuwickeln sind. Der wohlmeinende Fürst ist aufrichtig daran gelegen, dass es den Menschen gut geht und in seinem Fürstentum florierender Handel herrscht. Deshalb beschließt er, seinen Untertanen besseres Zahlungsmittel als Zigaretten zur Verfügung zu stellen, um das Wirtschaften zu erleichtern und damit die Prosperität seines Reichs zu erhöhen.

Die Erschaffung idealer Zahlungsmittel

Dafür lässt er haltbare und fälschungssichere Geldscheine herstellen, die Stückelungen von jeweils 1, 2, 5 aufweisen, und das jeweils in Potenzen der Basis 10 wie 100, 1.000, 10.000. Auf einmal werden dadurch ganz andere Geschäfte möglich als zuvor. Wo die Zigarettenwährung an die Grenze der Teilbarkeit gestoßen ist, können jetzt auch winzig kleine Geschäfte abgewickelt werden. Zugleich können jetzt auch große Geschäfte wie der Kauf aufwendiger Maschinen abgewickelt werden, die bei der Zigarettenwährung ebenfalls an physikalische Grenzen gestoßen wäre. Die Produktionskosten dieser Scheine seien vernachlässigbar gering.

Die Verteilung und historische Parallelen

Der Fürst erklärt dann die produzierten Scheine zum offiziellen Zahlungsmittel und lässt jedem Untertanen bestimmten Betrag in diesen Geldscheinen aushändigen, und zwar so, dass alle hergestellten Scheine in Umlauf sind. Falls Ihnen diese Situation weltfremd vorkommt, sei darauf hingewiesen, dass es sie in leicht abgewandelter Form tatsächlich gab. Wir brauchen dafür gar nicht weit in der Geschichte zurückzugehen, denn in Deutschland wurde nach dem Krieg das Bargeld der D-Mark auf ähnliche Weise eingeführt. Es wurde Bargeld mit fast genau den oben beschriebenen Eigenschaften kreiert und jedem Bürger gratis Anfangsausstattung davon ausgehändigt. Beachten Sie aber bitte, dass es sich bei der D-Mark um staatlich verordnetes Geld handelt, und verwechseln diese Geldkonstruktionen nicht miteinander.

Vergleichbare historische Eingriffe und moderne Konzepte

Halten Sie bitte nicht unser heutiges Geld für Fürstengeld, denn lediglich die Art, Bargeld in Umlauf zu bringen, war bei der D-Mark ähnlich wie bei unserem fiktiven Herrscher. Es gab aber auch andere Fälle, bei denen Herrscher für organisiertes Bargeld gesorgt hat. Der französische König subventionierte beispielsweise die Produktion von Geldstücken, um die damalige Geldmittelknappheit zu beseitigen. Man kann die Bereitstellung effektiven Geldsystems durch den Staat tatsächlich als Investition in Infrastruktur ansehen, die das Wirtschaften in dem betreffenden Land vereinfacht und damit wohlstandsfördernd ist. Grundsätzlich liegt dieser Gedanke auch an dezentralen digitalen Währungssystemen zugrunde, mit dem Unterschied, dass diese privatwirtschaftlich und ohne zentrale Steuerung organisiert sind.

Die Regeln des neuen Zeichengeldes

Aber zurück zu unserem wohlmeinenden Fürsten, der nach der Herstellung angemessener Anzahl dieser Scheine die Druckplatten vernichten lässt. Dadurch können keine weiteren Scheine mehr hergestellt werden, und der Herrscher behält keine der Scheine zurück. Der Fürst verlangt keinen Annahmezwang für dieses Geld, sieht es aber gern, wenn die Geldscheine mit seinem Bild darauf benutzt werden. Das eben vorgestellte Geld ist reines Zeichengeld, es ist weder Sachgeld noch staatlich verordnetes Zwangsgeld. Es ist in der oben beschriebenen Konstruktion sanftes Rechtsgeld, weil der Fürst es zwar zu Geld erklärt, aber keine rechtlichen Sanktionen daran knüpft.

Die Eigenschaften des universellen Tauschmittels

Es handelt sich hierbei um sanfte psychologische Lenkung, die die Menschen in ihre gewünschte Richtung bewegt. Es gibt keinerlei Versprechen, dass den Geldscheinen jegliche Gegenleistung gegenübersteht oder gar durch den Inhaber des Scheins gefordert werden könnte. Die Scheine sind keine rechtliche Verbriefung, sondern weisen alle Eigenschaften auf, die jedes Gut prädestinieren, um sich als Geld zu eignen. Daran sieht man, dass es Vorteil sein kann, Geld zu konstruieren und nicht nur zufällig vorhandenes Gut zu verwenden, das annähernd passende physikalische Eigenschaften hat. Haben diese Scheine Chance, sich als Zahlungsmittel oder sogar als Geld durchzusetzen?

Die Überlegenheit gegenüber dem alten Tauschgut

Teil der Antwort darauf liefert bereits die Tatsache, dass die neuen Scheine des Fürsten so konstruiert worden sind, dass sie sich besonders gut als Geld eignen. Dagegen ist das vorher im Einsatz befindliche Zahlungsmittel, die Zigaretten, in vielen Dimensionen schlechter geeignet. Für die Untertanen haben die umlaufenden Geldscheine genau die Eigenschaften, die allgemeines Tauschgut haben sollte. Sie sind nicht leicht vermehrbar, sie sind haltbar, stückelbar und so weiter. Mit anderen Worten, es ist ideales allgemeines Tauschmittel, das gute Chancen hat, sich als solches durchzusetzen und die Geldfunktionen zu übernehmen.

Die Selbststabilisierung des neuen Systems

Es fällt hier auch das Problem weg, dass sich die Menschen auf Gut als Geld einigen müssen, weil der Fürst als Koordinationsinstrument fungiert. Weil die Verwendung die bekannten Vorteile bringt, fällt die Koordination auf genau dieses Geld leicht. Aus Sicht der Marktteilnehmer spricht deshalb viel dafür, sich von dem bisherigen Tauschgut abzuwenden, obwohl es bereits weite Verbreitung gefunden hat. Wenn die neuen Scheine einmal in Verwendung sind, stabilisiert sich das System selbst, weil bekanntlich Liquidität weitere Liquidität anzieht. Durch die berechtigte Erwartung, dass die Geldscheine von anderen akzeptiert werden, lohnt es sich, sie selbst auch zu akzeptieren.

Die ökonomischen Konsequenzen des Währungswechsels

Selbst wenn beide Währungen Zeit lang parallel betrieben werden sollten, was wahrscheinlich ist, werden die Zigaretten mit großer Wahrscheinlichkeit immer mehr ins Hintertreffen geraten. Durch die Umstellung des Bezugsgutes sollten alle Tauschverhältnisse zwischen den realen Gütern konstant bleiben. Nur die Zigarettenbesitzer, die über den unmittelbaren Liquiditätsbedarf hinaus Zigaretten gehortet haben, um Werte zu speichern, werden aller Voraussicht nach Tauschwert verlieren. Dieser Übergang von naturalen Tauschmitteln zu reinen Zeichengeldern demonstriert eindrucksvoll, wie sehr die Akzeptanz der Währung von ihrer praktischen Tauglichkeit und der koordinierenden Kraft des Staates abhängt. Letztlich zeigt dieses Gedankenexperiment, dass Geld weit mehr ist als nur physisches Objekt, sondern vielmehr soziales Konstrukt, das auf Vertrauen, Koordination und der optimalen Erfüllung seiner ökonomischen Funktionen basiert.

 

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