Tradition und Wandel der Weidetierhaltung in der Lausitz
Screenshot youtube.comDie Weidetierhaltung prägt seit Jahrhunderten das Landschaftsbild der Lausitz und ist fest in der Kultur der Region verankert. Über Generationen hinweg haben bäuerliche Familien und Zuchtgemeinschaften das Wissen um artgerechte Haltung und die Nutzung der natürlichen Ressourcen weitergegeben. Diese Tradition ist eng mit der Geschichte des ländlichen Raums verbunden, in dem Weidetiere wie Schafe, Rinder und Ziegen auf Magerrasen, Halbtrockenrasen und extensiv genutzten Wiesen gehalten wurden. Durch die Beweidung dieser Flächen entstand eine offene Kulturlandschaft, in der sich charakteristische Lebensräume für viele seltene Pflanzen und Tiere entwickeln konnten. Die Weidetierhaltung verhindert das Zuwachsen und die Verbuschung dieser Flächen und erhält so das typische Landschaftsbild der Lausitz mit seinen weiten Blicken, blütenreichen Wiesen und strukturreichen Übergängen zwischen Wald, Feld und Wasser.
Erhaltungsarbeit für seltene Nutztierrassen
Ein zentrales Element der Lausitzer Weidetierhaltung ist das gezielte Bewahren alter und seltener Nutztierrassen. Regionale Züchter setzen sich für die Erhaltung von Schafrassen, Rindern und anderen Weidetieren ein, die oft an die speziellen Bedingungen der Lausitzer Landschaft angepasst sind. Diese genetische Vielfalt wird als wertvolles Kulturgut betrachtet, das nicht nur historische Wirtschaftsweisen repräsentiert, sondern auch eine wichtige Ressource für zukünftiges Wissen und Zuchtfortschritte darstellt. Die Haltung bedrohter Rassen trägt zur Sicherung der Biodiversität bei und sorgt dafür, dass das Wissen um ihre Eigenschaften, Haltungsbedingungen und Nutzungsmöglichkeiten nicht verloren geht. Alte Rassen sind oft widerstandsfähig, genügsam und in der Lage, auch auf kargen Standorten zu gedeihen, was sie besonders für die Pflege schwer nutzbarer Flächen prädestiniert.
Landschaftspflege durch gezielte Beweidung
Weidetiere werden in der Lausitz gezielt auf Flächen eingesetzt, die für den Ackerbau oder intensive Landwirtschaft weniger geeignet sind. Durch selektive Beweidung fördern sie die Artenvielfalt, schaffen durch Tritt und Fraß neue Nischen für seltene Pflanzen, Moose und Insekten und halten die Konkurrenz starker Gräser oder Gehölze im Zaum. Diese Form der extensiven Nutzung erhält nicht nur den ökologischen Wert der Flächen, sondern leistet auch einen Beitrag zum Schutz gefährdeter Lebensräume wie Trockenrasen, Feuchtwiesen oder Moorstandorte. Die Bewegung der Herden über die Landschaft trägt zur Vernetzung verschiedener Biotope bei und unterstützt damit die ökologische Stabilität der Region.
Kulturelle Identität und generationenübergreifendes Wissen
Die Weidetierhaltung ist in der Lausitz mehr als nur eine landwirtschaftliche Praxis. Sie ist Ausdruck ländlicher Identität und ein Bindeglied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Lokale Herdentriebe, saisonale Wanderungen mit Schafherden oder traditionelle Weidefeste sind Ausdruck lebendigen Brauchtums und fest im Jahreslauf der Region verankert. Das Wissen um die Pflege von Weideflächen, die Versorgung der Tiere und die Nutzung der Produkte wurde von einer Generation zur nächsten weitergegeben und bildet heute die Grundlage für zahlreiche Bildungs- und Erlebnisangebote, die Einheimische und Gäste gleichermaßen ansprechen. Die Verbindung von bäuerlicher Arbeit, Naturschutz und kultureller Überlieferung stärkt das Bewusstsein für die Bedeutung der Weidetierhaltung als Teil der regionalen Identität.
Netzwerke und Gemeinschaften für den Erhalt der Weidewirtschaft
Die Haltung seltener Rassen und die Pflege der Kulturlandschaft sind heute oft nur im Zusammenspiel engagierter Landwirtinnen, Bauern, Zuchtverbände und Schutzprojekte möglich. Überregionale Netzwerke dokumentieren und fördern die Bestände, organisieren Zuchtprogramme und unterstützen die öffentliche Sichtbarkeit der Weidetierhaltung. Diese Zusammenarbeit ermöglicht einen lebendigen Austausch von Erfahrungen, Wissen und Innovationen, die für die Zukunft der Weidewirtschaft von großer Bedeutung sind. Förderprogramme, Anerkennungsinitiativen und gemeinsame Projekte mit Naturschutzorganisationen sorgen dafür, dass die Erhaltungsarbeit als gesellschaftliche Aufgabe verstanden und langfristig gesichert wird.
Wirtschaftliche Impulse und touristische Chancen
Die Pflege der Kulturlandschaft durch Weidetierhaltung bringt auch ökonomische Vorteile für die Lausitz. Direktvermarktung von Fleisch, Wolle und Milchprodukten, Landschaftstouren zu extensiv genutzten Flächen oder Veranstaltungen rund um die Weidetiere locken Gäste in die Region und schaffen zusätzliche Einnahmequellen für Landwirte. Die Verbindung von Landwirtschaft und Tourismus eröffnet neue Perspektiven für die Entwicklung des ländlichen Raums und trägt dazu bei, junge Menschen für eine Zukunft in der Landwirtschaft zu begeistern. Die Vermarktung regionaler Produkte stärkt das Bewusstsein für Herkunft und Qualität und bindet verschiedene Bevölkerungsschichten an die Kulturlandschaft.
Zukunftsperspektiven für die Lausitzer Weidelandschaft
Die Lausitzer Weidetierhaltung steht vor der Herausforderung, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden. Der Erhalt bedrohter Nutztierrassen, die Pflege wertvoller Offenlandschaften und die Sicherung wirtschaftlicher Grundlagen sind zentrale Aufgaben, die nur im Miteinander von Landwirtschaft, Naturschutz und Gesellschaft gelingen können. Öffentliche Förderprogramme und die Anerkennung agrobiodiverser Praktiken tragen dazu bei, die Weidewirtschaft als Teil des kulturellen und ökologischen Erbes der Lausitz zu erhalten. Die Pflege der Kulturlandschaft durch Weidetiere bleibt ein lebendiges Beispiel dafür, wie regionale Identität, ökologisches Verantwortungsbewusstsein und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verknüpft werden können und so die Zukunft der Lausitz nachhaltig gestalten.
















