Das Mühlberger Schloss – Geschichte, Wandel und Bedeutung eines Lausitzer Wahrzeichens

Lausitzer Geschichte – Das eindrucksvolle >>Mühlberger Schloss<< erhebt sich als markantes Wahrzeichen in der Stadt Mühlberg in der Lausitz und zeugt von einer bewegten und vielschichtigen Geschichte. Die Ursprünge dieses geschichtsträchtigen Bauwerks reichen weit zurück bis in das 8. oder 9. Jahrhundert, als an gleicher Stelle zunächst eine sorbische Verteidigungsanlage errichtet wurde. Diese frühe Befestigung diente dem Schutz der Siedlung und spiegelt die Anfänge der Besiedlung im Raum Mühlberg wider. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts wurde an der Stelle der alten sorbischen Anlage eine repräsentative Wasserburg erbaut, die fortan das Stadtbild prägte. Bereits in Dokumenten aus dem Jahr 1272 wird die Burg als Wasserburg mit steinernem Turm und verschiedenen Wohn- sowie Wirtschaftsgebäuden erwähnt. Der quadratische Grundriss, die mächtigen Wälle und die mit Wasser gefüllten Gräben zeugen von den Verteidigungsstrategien des Mittelalters und von der Bedeutung des Ortes als regionales Machtzentrum.
Zerstörung, Wiederaufbau und Renaissance-Architektur
Ein folgenschwerer Brand im Jahr 1535 setzte der mittelalterlichen Wasserburg ein abruptes Ende und zerstörte große Teile der Anlage. Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1545 entstand auf den alten Fundamenten ein prächtiges Renaissanceschloss, das unter Herzog Moritz als Wirtschafts- und Jagdschloss neu errichtet wurde. Die Bauarbeiten dauerten einige Jahre, bis schließlich unter Kurfürst August das Schloss seine heutige Gestalt als imposanter Vierflügelbau mit einer spätgotischen Schlosskapelle erhielt. Besonders hervorzuheben sind die schlichten, aber dennoch eleganten Giebel im Stil der Renaissance, die das Bauwerk schmücken. Eine kunstvolle Sonnenuhr über dem Tor zum Schlosshof verleiht dem Ensemble einen zusätzlichen, historischen Charme. Der Zugang zum Schloss führt heute über einen gepflasterten Weg, an dessen Stelle sich einst eine Zugbrücke befand. Ein markantes Holztor bildet den Eingang zu dem weitläufigen Schlosshof und erinnert an vergangene Zeiten.
Das Schloss im Wandel der Zeiten: Nutzung und bauliche Veränderungen
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts veränderte sich das Erscheinungsbild des Schlosses erneut grundlegend. Die wasserführenden Gräben wurden trockengelegt, wodurch das Verteidigungskonzept seine einstige Funktion verlor und das Schloss in eine neue Epoche eintrat. In den darauffolgenden Jahrzehnten war das Bauwerk zahlreichen Nutzungsänderungen und baulichen Anpassungen unterworfen. Neben mehreren Wohnungen beherbergte das Schloss unter anderem das Amtsgericht, ein Gefängnis und ab dem Jahr 1859 das Hauptzollamt, was die Vielseitigkeit des Gebäudes unterstreicht. Im 19. Jahrhundert wurden die Fassade und die Gebäudeteile des Schlosses grundlegend überarbeitet: Die zwei- und dreigeschossigen Flügel wurden schlicht und schmucklos verputzt, wobei die das Gebäude ursprünglich gliedernden Pilaster entfernt wurden. Die charakteristischen Zwerchhäuser, die einst die steilen Satteldächer schmückten, wurden größtenteils abgetragen. Lediglich das zentrale Zwerchhaus an der Südfassade, das direkt über dem Haupttor thront, blieb als Relikt vergangener Baukunst erhalten.
Architektonische Besonderheiten und neue Nutzungen im 20. Jahrhundert
Ein besonders auffälliges Element des Schlosses ist der achteckige Dachreiter, der sich seit 1773 aus dem Zwerchhaus erhebt. Mit einer eleganten Glockenhaube versehen und mit Schiefer gedeckt, prägt er das äußere Erscheinungsbild des Bauwerks maßgeblich. Die historische Schlosskapelle, die einst eigenständig war, wurde in den Ostflügel integriert, wobei ihre Apsis im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts zu einem markanten Turm aufgestockt wurde. In der nordöstlichen Ecke des Hofes erhebt sich ein polygonaler Treppenturm, der als weiteres charakteristisches Detail der Anlage gilt. In jüngerer Vergangenheit wurden die Räumlichkeiten des Schlosses zudem für verschiedene städtische Zwecke genutzt: Es fanden hier Schulräume, ein Jugendclub, die Stadtbibliothek und später auch das Stadtarchiv Platz. Diese vielfältigen Nutzungen unterstreichen die Bedeutung des Schlosses als kulturelles und gesellschaftliches Zentrum der Stadt.
Das Mühlberger Schloss heute: Erhaltung, Privatisierung und Zukunft
Auch heute noch ist das Mühlberger Schloss ein beeindruckendes Zeugnis der Geschichte und Architektur der Region. Das traditionsreiche Gebäude beherbergt mittlerweile mehrere Wohnungen und bildet mit seinem historischen Ambiente einen beliebten Anlaufpunkt für Besucher und Einheimische. Im Jahr 1999 wurde das Schloss schließlich privatisiert – allerdings unter der strengen Auflage, sämtliche Sanierungs- und Umbauarbeiten sensibel und denkmalgerecht auszuführen. Damit wurde der Erhalt und die behutsame Pflege dieses einzigartigen Kulturdenkmals für die Zukunft sichergestellt. Die gelungene Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart macht das Mühlberger Schloss zu einem faszinierenden Ort, der die wechselvolle Geschichte der Lausitz anschaulich erlebbar macht und als lebendiges Symbol städtischer Identität und regionalen Selbstbewusstseins gilt.

















