Der Weg zu erfolgreichem Investieren: Warum Einfachheit, Kontinuität und Beherrschbarkeit entscheidend sind

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In der Welt der Geldanlage herrscht oft der Eindruck, dass nur die perfekte, höchst komplexe Strategie den gewünschten Erfolg bringen kann. Viele Anleger suchen nach der ultimativen Lösung, die alle Risiken ausschaltet und maximale Renditen verspricht. Doch die Realität sieht anders aus: Erfolg beim Investieren hängt viel mehr von einer klaren, umsetzbaren Strategie ab, die auf Einfachheit, Kontinuität und Kontrolle basiert. Es geht weniger darum, das komplexeste Produkt zu besitzen, sondern vielmehr darum, eine Strategie zu entwickeln, die dauerhaft zu managen ist und sich an den eigenen Zielen orientiert. Dieser Artikel zeigt auf, warum gerade diese Faktoren der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg sind und wie man sie optimal für die eigene Kapitalanlage nutzt.

Die Bedeutung der Einfachheit in der Anlagestrategie

Viele glauben, dass nur hochkomplexe Anlagen, ausgeklügelte Produkte und schwer verständliche Konzepte den Unterschied machen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Je einfacher eine Strategie ist, desto besser lässt sie sich umsetzen und langfristig durchhalten. Komplexität bringt nicht nur Schwierigkeiten in der Kontrolle mit sich, sondern erhöht auch das Risiko, Fehler zu machen. Eine klare, verständliche Strategie, die auf den eigenen Zielen basiert, ist wesentlich leichter im Alltag zu integrieren und zu pflegen.

Ein bewährtes Prinzip in der Welt der Investitionen ist, dass man mit einem vergleichsweise kleinen Teil des Aufwandes einen Großteil der Ergebnisse erzielen kann. Dieses Prinzip lässt sich auf die Kapitalanlage übertragen: Mit einer einfachen, gut durchdachten Strategie, die auf klaren Regeln basiert, lässt sich ein großer Teil des möglichen Erfolgs erzielen. Es ist nicht notwendig, die teuersten oder ausgefeiltesten Produkte zu besitzen. Vielmehr ist es entscheidend, die Komplexität so aufzuschlüsseln, dass sie überschaubar bleibt.

Kontinuität: Das unterschätzte Erfolgsgeheimnis

Neben der simplen Struktur ist die Kontinuität in der Umsetzung einer Anlagestrategie von großer Bedeutung. Die Finanzindustrie ist eine Welt voller kurzfristiger Hypes, ständig wechselnder Trends und sensationalistischer Berichterstattung. Immer wieder tauchen neue Produkte, neue Ansätze oder vermeintlich bessere Wege auf, um das Kapital zu vermehren. Diese ständigen Veränderungen verleiten viele Anleger dazu, ihre Strategie immer wieder anzupassen, umzuschichten oder neu zu starten.

Doch eine nachhaltige Strategie sollte Sie nach einer gewissen Zeit eher langweilen. Sie sollte so gestaltet sein, dass Sie ihr treu bleiben können, auch wenn die Märkte schwanken. Ein erfahrener Vermögensverwalter hat einmal erklärt, dass das Wesentliche an einer erfolgreichen Investmentphilosophie darin besteht, eine Haltung zu haben, die Sie durch alle Marktphasen hindurch konsequent einhalten können.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten langfristig ein bestimmtes Ziel erreichen, etwa den Vermögensaufbau für die Altersvorsorge. Was ist wahrscheinlicher, um dieses Ziel zu erreichen: Das ständige Testen neuer, kurzfristiger Trends oder das Festhalten an einer bewährten, kontinuierlichen Strategie? Die Antwort liegt auf der Hand: Kontinuität und das Festhalten an bewährten Prinzipien sind der Schlüssel.

Das Beispiel des Abnehmens verdeutlicht diese Logik: Wer dauerhaft eine gesunde Ernährung umstellt, weniger Fett und Zucker konsumiert, mehr Obst und Gemüse isst und regelmäßig Sport treibt, erzielt langfristig bessere Ergebnisse, als ständig neue Diäten auszuprobieren. Beim Investieren ist es ähnlich: Eine klare, einfache Regel, die konsequent befolgt wird, bringt auf lange Sicht den größten Erfolg. Es ist die Disziplin, die den Unterschied macht – nicht die ständig wechselnden kurzfristigen Trends.

Die richtige Produktwahl: ETFs als solides Fundament

Bevor man überhaupt mit dem Investieren beginnt, ist es wichtig, das passende Produkt zu wählen. Hierbei empfiehlt sich häufig eine passive Investmentform, nämlich ETFs – Exchange Traded Funds. Diese Fonds bilden einen Index nach, also eine breite Gruppe von Unternehmen, ohne aktiv durch einen Fondsmanager ausgewählt oder gesteuert zu werden. Das bedeutet, dass man mit ETFs eine marktgerechte, kostengünstige und vor allem transparente Lösung erhält.

Im Vergleich dazu stehen aktiv gemanagte Fonds, die versuchen, durch Analyse und Marktprognosen den Index zu schlagen. Diese Strategie ist zwar verführerisch, aber in der Praxis meist teuer und ineffizient. Sie gehen höhere Risiken ein, weil sie versuchen, den Markt zu „timen“ und einzelne Titel auszuwählen. Das ist vergleichbar mit einem Wurfgeschoss, das manchmal trifft, meistens aber nur Schaden anrichtet.

ETFs hingegen kaufen einfach alle Werte, die im jeweiligen Index enthalten sind, und spiegeln diesen exakt wider. Dadurch werden die meisten unsystematischen Risiken vermieden. Zudem sind ETFs deutlich günstiger in der Verwaltung, da kein teures Management notwendig ist. Die Kosten sind oft nur ein Bruchteil der Gebühren, die bei aktiv gemanagten Fonds anfallen.

Ein weiterer wichtiger Vorteil: ETFs sind sogenannte Sondervermögen. Im Falle einer Insolvenz des Produktanbieters bleibt das Geld der Anleger geschützt und ist getrennt vom Vermögen des Emittenten. Das bedeutet, dass das investierte Kapital auch dann sicher ist, wenn der Anbieter zahlungsunfähig wird.

ETFs sind nur das Werkzeug – nicht das Ziel

Doch an dieser Stelle eine wichtige Warnung: Ein ETF ist nur ein Werkzeug, kein Allheilmittel. Es ist vergleichbar mit Steinen: Richtig eingesetzt, kann man daraus ein Haus bauen. Falsch benutzt, kann man sich mit ihnen auch verletzen.

Der erste Nachteil: Es gibt eine Vielzahl von ETFs auf dem Markt, von denen die meisten ungeeignet oder sogar schädlich sind. Es ist kaum zu glauben, aber es gibt inzwischen Tausende von Produkten, die auf Nischenregionen, Modethemen oder spekulative Strategien setzen. Einige wetten auf fallende Märkte, andere versuchen, mit exotischen Strategien Gewinne zu erzielen – oft sind diese Produkte instabil, wenig transparent und kaum geeignet für den langfristigen Vermögensaufbau.

Noch problematischer ist, dass viele Privatanleger ETFs dazu nutzen, ständig umzuschichten, um den vermeintlich besten Zeitpunkt am Markt zu erwischen. Das ständige Hin- und Her-Schichten im Portfolio führt allerdings meist zu suboptimalen Ergebnissen, weil man dadurch häufig falsche Entscheidungen trifft und die Kosten unnötig in die Höhe treibt. Trotz der Nutzung einer vermeintlich sicheren Produktkategorie erzielen diese Anleger oft schlechtere Renditen als jene, die eine stabilere, langfristige Strategie verfolgen.

So baut man ein sinnvolles Portfolio mit ETFs auf

Wie kann man also mit ETFs ein nachhaltiges und stabiles Portfolio aufbauen? Die Lösung liegt in einer klaren, bewährten Aufteilung: Ein risikoarmer Anteil, der das Vermögen schützt, und ein risikobehafteter Anteil, der für die langfristige Rendite sorgt.

Der risikoarme Anteil sollte aus kurzlaufenden Anleihen bestehen, die von hochklassigen Staaten oder Unternehmen ausgegeben werden. Das Ziel ist hier, das Kapital so sicher wie möglich anzulegen, um in Krisenzeiten eine stabile Basis zu haben. Dabei ist die Laufzeit kurz gehalten, maximal drei Jahre, um Kursschwankungen zu minimieren. Es ist wichtig, diesen Baustein auch in guten Zeiten nicht zu vernachlässigen, denn er dient dem Schutz in schlechten Phasen.

In der Vergangenheit haben sich langfristige Staatsanleihen bei niedrigen Zinsen kaum gelohnt – die Renditen waren gering und oft sogar negativ nach Steuern. Das zeigt, dass ein sicherer Anleihenanteil vor allem in Krisenzeiten seinen Wert beweist. Es geht nicht um kurzfristige Gewinne, sondern um Stabilität und Sicherheit.

Die Grenzen bei Bonität und Laufzeit

Mögliche Strategien zur Ertragssteigerung bei Anleihen sind die Investition in schlechtere Bonitäten oder in längere Laufzeiten. Beides erhöht die potenzielle Rendite, allerdings auch das Risiko. Bei schlechteren Bonitäten, etwa bei Staaten oder Unternehmen mit niedrigerem Rating, erhält man höhere Zinsen, weil das Risiko steigt, dass man sein Geld nicht zurückbekommt.

Allerdings sind diese höheren Zinsen momentan kaum vorhanden, und in Krisenzeiten steigen die Risiken stark an. Besonders bei längeren Laufzeiten kann eine Zinssteigerung von nur einem Prozent Kursverluste in der Größenordnung von zehn Prozent verursachen. Das bedeutet, dass eine Investition in langfristige Anleihen in Phasen steigender Zinsen mit erheblichen Verlusten verbunden sein kann.

Des Weiteren steigen in Krisenzeiten die Risiken bei Anleihen von Unternehmen oder Ländern, die bereits finanziell angeschlagen sind. Solche Papiere reagieren oft ähnlich heftig wie Aktien, was sie für den sicheren Teil des Portfolios ungeeignet macht.

Diversifikation im risikobehafteten Anteil

Der risikoreiche Teil des Portfolios sollte breit gestreut sein. Statt auf einzelne Unternehmen, Branchen oder Regionen zu setzen, empfiehlt sich eine globale Diversifikation. Ein Index, der eine Vielzahl von Ländern, Branchen und Unternehmensgrößen abbildet, ist hier ideal.

Ein Beispiel ist ein Index, der die wichtigsten Märkte weltweit umfasst, inklusive Schwellenländern und kleinen Firmen. Ein ETF auf einen solchen Index bietet eine breite Streuung, minimiert das Risiko und erhöht die Chancen auf eine vernünftige Rendite. Diese Strategie ist einfach, transparent und auf lange Sicht stabil.

Einfachheit ist die beste Strategie

Sie mögen jetzt denken, dass diese Herangehensweise zu simpel ist, um erfolgreich zu sein. Doch genau diese Einfachheit macht sie so robust. Als Vermögensverwalter sehe ich täglich, wie schwer es ist, eine komplexe Strategie über Jahre hinweg konsequent durchzuhalten. Viele Anleger lassen sich von kurzfristigen Trends verführen und ändern ständig ihr Portfolio. Das führt fast immer zu schlechteren Ergebnissen.

Wenn Sie wirklich eine langfristige Strategie verfolgen wollen, dann setzen Sie auf wenige gut ausgewählte Bausteine. Für den risikobehafteten Anteil eignen sich drei ETFs: Einer für große Unternehmen in Industrieländern, einer für Schwellenländer und einer für kleinere Firmen weltweit. Die Gewichtung könnte so aussehen: den Großteil in den globalen Aktienindex, eine kleinere Position in Schwellenländer und eine weitere in Small Caps.

Vorsicht vor vermeintlich besseren Lösungen

Natürlich gibt es noch viel komplexere Ansätze, etwa das sogenannte Faktor- oder Smart-Beta-Investieren. Dabei werden Aktien nach bestimmten Kriterien gewichtet, die angeblich höhere Renditen versprechen. Doch hier gilt größte Vorsicht: Viele Faktoren sind nur kurzfristig relevant, und die Ergebnisse variieren stark. Es besteht die Gefahr, dass man auf Trends setzt, die sich schnell wieder umkehren, oder dass man eigene falsche Annahmen trifft.

Zudem haben empirische Studien gezeigt, dass die versprochenen Prämien für bestimmte Faktoren oft nur temporär auftreten. Es gibt Phasen, in denen diese Prämien ausbleiben oder sogar negativ sind. Das sogenannte Referenzrahmen-Risiko beschreibt die Gefahr, dass die erwartete zusätzliche Rendite nie eintritt oder zeitweise sogar ins Negative rutschen kann.

Die Essenz erfolgreicher Investitionen

Mein abschließender Rat lautet: Halten Sie es einfach und konsequent. Vermeiden Sie es, ständig an Ihrem Portfolio herumzuschrauben. Setzen Sie auf bewährte, breite Bausteine, die Sie regelmäßig bespart und langfristig verfolgen können. Komplexe Strategien mögen verlockend sein, sind aber in der Praxis schwer durchzuhalten und oft teurer.

Wenn Sie den Wunsch haben, mehr Zeit und Energie in die Optimierung zu investieren, tun Sie das nur, wenn Sie wirklich Freude daran haben und dauerhaft diszipliniert bleiben können. Für die meisten Anleger ist jedoch die beste Strategie, auf einfache, verständliche Prinzipien zu setzen, die langfristig stabil sind. Kontinuität, Disziplin und die Fähigkeit, die Strategie durch alle Marktphasen hindurch zu verfolgen, sind letztlich die entscheidenden Faktoren für den nachhaltigen Erfolg Ihrer Kapitalanlage.