Der globale Kreuzzug gegen das Opium und die Entstehung der Drogendiplomatie
Screenshot youtube.comDer Übergang vom freien Handel mit Rauschgiften zu einer streng regulierten internationalen Drogenpolitik markiert einen der bedeutendsten Wendepunkte in der Geschichte des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts und veränderte die geopolitischen Strukturen nachhaltig. Was heute als selbstverständliche Aufgabe internationaler Organisationen und staatlicher Behörden gilt, war einst das Ergebnis eines leidenschaftlichen und moralisch aufgeladenen Kampfes, der tief in die wirtschaftlichen Interessen der damaligen Großmächte eingriff und diese herausforderte. Diese Entwicklung begann nicht in den Sitzungssälen der Vereinten Nationen, sondern wurzelte in den religiösen und ethischen Überzeugungen von Privatpersonen, die sich gegen die etablierten Wirtschaftsstrukturen ihrer Zeit stellten und Veränderungen forderten. Die folgende Darstellung beleuchtet die komplexen Hintergründe dieser Bewegung, die von protestantischen Geistlichen angeführt wurde und schließlich zu den ersten völkerrechtlichen Verträgen zur Kontrolle von Suchtmitteln führte und neue Standards setzte. Es wird deutlich, wie moralische Ansprüche auf wirtschaftliche Interessen trafen und wie sich daraus ein neues System der globalen Governance entwickelte, das bis in die Gegenwart nachwirkt und die internationale Politik prägt.
Der Aufstieg der religiös motivierten Antiopiumbewegung im späten neunzehnten Jahrhundert
Im späten neunzehnten Jahrhundert rief der weitreichende Skandal des fernöstlichen Opiumhandels eine globale Antiopiumbewegung unter Führung protestantischer Geistlicher und Laien auf den Plan und mobilisierte viele Menschen. Diese engagierten Personen zwangen die westlichen Nationen zu einer neuartigen Drogendiplomatie, die primär auf die Unterdrückung des internationalen Rauschgifthandels zielte und diesen bekämpfen wollte. Seit der ersten Opiumkonferenz in Den Haag in den Jahren neunzehnhundertelf und zwölf kam es zu einer ganzen Reihe von Kontrollverträgen, die internationale Standards setzten. Zunächst im Jahre neunzehnhundertfünfundzwanzig unter Schirmherrschaft des Völkerbundes und später nach neunzehnhundertfünfundvierzig unter jener der Vereinten Nationen wurden weitere Abkommen geschlossen. Was heute als Routine und zuweilen als öde Diplomatie wahrgenommen wird, begann vor mehr als einem Jahrhundert als leidenschaftlicher religiöser Kreuzzug gegen das Laster und die Sucht.
Die frühen Aktivisten und ihre moralische Motivation
Die frühen Aktivisten sahen in dem Handel nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern eine fundamentale Sünde, die das Christentum befleckte und schändete. Sie betrachteten den Opiumhandel als eine Schande für die christlichen Nationen, die ihn betrieben und davon profitierten. Die Bewegung gewann schnell an Momentum und zog Unterstützer aus verschiedenen Schichten der Gesellschaft an und vereinte sie. Kirchenführer und Missionare arbeiteten zusammen, um den Druck auf die Regierungen zu erhöhen und Veränderungen zu erzwingen. Ihre moralische Überzeugung war stark genug, um gegen etablierte Wirtschaftsinteressen anzukämpfen und politische Veränderungen zu bewirken.
Die Gründung der Anglo-Orientalischen Gesellschaft zur Unterdrückung des Opiumhandels
Die frühe Antiopiumbewegung formierte sich als ein loses Bündnis zwischen britischen Protestanten, westlichen Missionaren in China und Vertretern des chinesischen Kaiserreichs. Großzügig von den britischen Quäkern ausgestattet, wurde im Jahre achtzehnhundertvierundsiebzig die Anglo-Orientalische Gesellschaft zur Unterdrückung des Opiumhandels gegründet und gewann bald die Patronage eines katholischen Kardinals sowie des Erzbischofs von Canterbury. In großen Massenversammlungen erklärte die Gesellschaft ihre feste Absicht, die britische Regierung zu drängen, sich gänzlich vom Opiumhandel zu trennen und Chinas vollständige Handlungsfreiheit beim Umgang mit Opium wiederherzustellen. Diese Freiheit hatte das Land in den beiden vorangegangenen Opiumkriegen verloren und die Aktivisten wollten dies korrigieren und wiedergutmachen. Ein Pfarrer namens Moule verkündete vor der Schanghai Missionskonferenz von achtzehnhundertsiebenundsiebzig, dass dieser Opiumhandel ein christliches Monopol sei und seine Geschichte eine christliche Sünde sowie eine christliche Schande darstelle.
Der moralische Anspruch gegenüber den fiskalischen Interessen der Kolonialmächte
Er forderte die Beseitigung dieses abartigen und unnatürlichen Verbündeten des Heidentums, damit man dem Feind ohne Zweifel am Endergebnis gegenübertreten könne und siegen würde. Chinas führender Mandarin Li Hung-chang erklärte seine Unterstützung für die Antiopiumbewegung und informierte die Gesellschaft, dass China die Frage von einem moralischen Standpunkt aus betrachte, während England dies von einem fiskalischen Standpunkt aus tue und handle. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, im Verein mit vielen seiner Standesgenossen auf seinen Erblanden eine beträchtliche Opiumernte einzufahren und zu verkaufen und Profite zu erzielen. Dieser Widerspruch nährte bei der britischen Kolonialverwaltung den Verdacht, dass China lediglich die Konkurrenz indischer Importe loswerden wollte und eigene Profite suchte und schützen wollte. Die moralische Haltung diente somit auch als Deckmantel für wirtschaftliche Interessen auf beiden Seiten der Konfrontation und des Konflikts.
Der dreißigjährige Feldzug der britischen Missionare und Moralisten
Dreißig Jahre lang führten britische Missionare und Moralisten mit immer neuen Versammlungen und Petitionen einen erbitterten Feldzug gegen den etablierten Handel und die bestehenden Strukturen. Dieser erreichte seinen Höhepunkt im Jahre neunzehnhundertsechs, als das britische Parlament einen Antrag billigte, den indischen Opiumhandel zu beenden und zu stoppen und zu regulieren. Zu guter Letzt triumphierend, marschierten die britischen Kreuzzügler untergehakt und Hymnen singend aus dem Parlament hinaus und feierten ihren Sieg und Erfolg. Britische und chinesische Diplomaten einigten sich, ausgestattet mit umfassenden Mandaten, auf eine zehnjährige, Schritt für Schritt erfolgende Reduktion der indischen Importe und des chinesischen Anbaus. Als die indischen Opiumlieferungen abnahmen, führte China rigorose Antiopiumkampagnen durch, die das Rauchen in Beijing unterbanden und den Anbau in Provinzen wie Sichuan reduzierten und einschränkten.
Das Scheitern der republikanischen Kampagne zur Unterdrückung des Opiums in China
Die neue republikanische Regierung erwies sich nach der Revolution von neunzehnhundertelf jedoch als korrupt und ihre Kampagne zur Unterdrückung des Opiums schlug fehl und endete ohne durchschlagenden Erfolg. Chinas Mohnanbau lebte wieder auf und Morphium sowie Heroinpillen tauchten als Ersatz für das Opiumrauchen auf und veränderten den Markt und die Nachfrage. Das neue republikanische Kabinett wurde dabei ertappt, Bestechungsgelder des Opiumsyndikats anzunehmen und sich bereichern zu lassen und zu profitieren. Immerhin verbrannte die Republik im Januar neunzehnhundertneunzehn in einem öffentlichen Ritual vor geladenen Gästen in Schanghai die letzten Kisten indischen Opiums und symbolisierte das Ende. Nach dreihundert Jahren war der indisch-chinesische Opiumhandel damit zu Ende gebracht und offiziell beendet worden und gehörte der Vergangenheit an.
Die fortbestehende Opiumproduktion trotz des offiziellen Endes des Handels
Es war freilich kein Ereignis von historischer Bedeutung, da Indien sein Opium nun in andere Länder exportierte und neue Märkte erschloss und bediente. China baute selbst genug an, um seine Süchtigen zu versorgen und die Nachfrage im eigenen Land zu befriedigen und zu bedienen. Der Handel hatte sich lediglich verlagert und neue Wege gefunden, um weiterzubestehen und Profite zu generieren. Die offiziellen Verbote konnten die tatsächliche Produktion und den Konsum nicht vollständig unterbinden und kontrollieren. Die Wurzeln der Sucht waren zu tief in der Gesellschaft verankert, um sie mit politischen Dekreten vollständig zu beseitigen.
Die Rolle der Vereinigten Staaten bei der Entwicklung einer globalen Drogendiplomatie
Während Großbritannien bilaterale Verhandlungen mit China führte, suchten die Vereinigten Staaten eine Lösung durch globale Drogendiplomatie und internationale Zusammenarbeit und Koordination. Nachdem sie im Jahre achtzehnhundertachtundneunzig die Philippinen besetzt hatten, entdeckten die USA, dass ihnen ein staatliches Opiummonopol zugefallen war, das denen in anderen Teilen Südostasiens glich und ähnelte. Im Jahre neunzehnhundertdrei zum Beispiel gab es in Manila einhundertneunzig Opiumhöhlen mit einem Umsatz von insgesamt einhundertdreißig Tonnen Opium und erheblichen Einnahmen für die Kolonialverwaltung. Der US-Gouverneur William Howard Taft, dem klar wurde, dass Opium beinahe vier Prozent der Kolonialeinnahmen lieferte, war geneigt, den Handel fortzusetzen bis ein Hagel von Protesten in den USA Washington zum Eingreifen zwang. Im Jahre neunzehnhundertdrei ernannte das Kolonialregime den Episkopalmissionar Charles Brent, vordem stellvertretender Priester in einer armen Bostoner Gemeinde, zum Leiter einer Kommission zur Untersuchung des Opiumproblems.
Die Untersuchungsreise von Bischof Brent durch Asien und seine Empfehlungen
Bischof Brent unternahm eine Reise durch Asien, um sich mit der Angelegenheit vertraut zu machen und die Situation vor Ort zu verstehen und zu analysieren. Er empfahl daraufhin ein endgültiges Verbot des Handels und Konsums und sprach sich für strenge Maßnahmen aus. Im Jahre neunzehnhundertsechs reagierte die US-Kolonialmacht auf den Philippinen mit der Beschränkung der Verkäufe auf erwachsene chinesische Männer und der amtlichen Registrierung aller zwölftausendsiebenhundert identifizierten Raucher. Zwei Jahre später reduzierte Manila die Importe drastisch auf nur neunzehn Kilo und trieb damit den illegalen Preis auf ein Niveau, das den Schmuggel profitabel machte und attraktiv machte für Kriminelle. Dennoch sank der Drogenmissbrauch auf den philippinischen Inseln auf ein Niveau, das weit unter dem anderer südostasiatischer Kolonien lag und als Erfolg gewertet wurde.
Der Ruhm von Bischof Brent und die Ermutigung für weitere drogendiplomatische Anstrengungen
Unabhängig von seinem faktischen Ergebnis verhalf das Opiumverbot auf den Philippinen Bischof Brent zu Ruhm und ermutigte die USA zu drogendiplomatischen Anstrengungen und Initiativen. Da er wusste, dass illegales chinesisches Opium das philippinische Verbot sabotierte, schrieb der Bischof an Präsident Theodore Roosevelt und schlug eine internationale Konferenz vor. Er wollte China bei seinem Kampf gegen den Opiumhandel beistehen und eine gemeinsame Front bilden und koordinierte Maßnahmen entwickeln. Roosevelt, ein enthusiastischer Amateurdiplomat, der für seine Rolle bei der Beilegung des russisch-japanischen Kriegs den Friedensnobelpreis erhalten hatte, gefiel die Idee des Bischofs sehr. Er warf das Gewicht der USA in die Waagschale, um die erste Internationale Opiumkommission einzuberufen und zu organisieren und zu leiten.
Die erste Internationale Opiumkommission in Schanghai im Jahre neunzehnhundertneun
Mit Bischof Brent als Vorsitzendem kamen Delegationen aus dreizehn Ländern, darunter Großbritannien, Frankreich, Persien, Siam und China, Anfang neunzehnhundertneun für einen Monat in Schanghai zusammen und berieten über Maßnahmen. Mit verblüffender Selbstgewissheit porträtierten die europäischen Kolonialmächte ihre profitorientierten Opiummonopole als Maßnahmen zur Drogenkontrolle und drängten der Kommission auf diese Weise einen Konsens auf. Dieser bestand in staatlicher Regulierung anstelle eines vollständigen Verbots und sicherte ihre Einnahmen und wirtschaftlichen Interessen. Der niederländische Delegierte de Jongh schlug mit Stolz auf das javanische Monopolsystem vor, den Opiumhandel den Händen privater Großhändler zu entreißen und ihn auf die Regierungen zu beschränken. Eben das taten die Kolonialregime bereits und sie wollten diesen Zustand erhalten und schützen und ihre Profite sichern.
Die ambivalente Haltung der Kommission gegenüber verschiedenen Drogen
In einhelligen, nichtbindenden Resolutionen verteidigte die Kommission die Kolonialinteressen, indem sie die graduelle Unterdrückung des Opiums anriet, jener Droge, die ihre Mitglieder verkauften und von der sie profitierten. Gleichzeitig drängte sie auf drastische Maßnahmen gegen die gravierende Gefahr von Morphium, jener Droge, die ihre Mitglieder nicht verkauften und konkurrierte und bedrohte. So verkündete die Kommission eine ambivalente Botschaft und verteidigte Asiens kolonialen Opiumhandel, während sie gleichzeitig eine globale Antidrogendiplomatie auf den Weg brachte und initiierte. Zwei Jahre später nutzten die USA ihren Einfluss, um eine zweite Runde der Drogendiplomatie einzuberufen, die Internationale Opiumkonferenz in Den Haag und zu organisieren. Mit Unterstützung von William Taft, dem ehemaligen philippinischen Gouverneur und jetzigen Präsidenten der USA, führte erneut Bischof Brent den Vorsitz der Konferenz und leitete die Verhandlungen.
Das Haager Opiumabkommen und die Verpflichtung zu nationalen Betäubungsmittelgesetzen
Er hielt ihren moralischen Schwung gegen die Kolonialinteressen aufrecht und drängte auf verbindliche Regeln und internationale Standards und Normen. In diesen Sitzungen ging man über die bloßen Empfehlungen der Schanghaier Kommission hinaus und entwarf das Haager Opiumabkommen, das jede unterzeichnende Nation verpflichtete und band. Jede Nation musste eigene Betäubungsmittelgesetze erlassen und die Kontrolle im eigenen Land sicherstellen und durchsetzen und implementieren. Als beteiligte Nation waren die USA auf diese Weise verpflichtet, ihre eigenen Bundesdrogengesetze zu verabschieden, was einen diplomatischen Druck erzeugte und ausübte. Dieser führte schließlich im Jahre neunzehnhundertvierzehn zur Verabschiedung des Harrison Narcotics Act durch den US-Kongress und schuf nationales Recht und Regelungen.
Die Verzögerung der Drogendiplomatie durch den Ersten Weltkrieg
Bevor jedoch die Haager Konvention Wirkung zeigen konnte, brach der Erste Weltkrieg aus und verzögerte weitere Bemühungen der Drogendiplomatie erheblich und unterbrach den Prozess. Erst als der Völkerbund im Jahre neunzehnhundertfünfundzwanzig die Genfer Opiumkonferenz einberief, begann eine neue rigorose Verhandlungsrunde und setzte den Prozess fort. Mit dem dort erzielten Genfer Abkommen und seinen späteren Protokollen wandelte sich die Drogenkontrolle von freiwilligen nationalen Gesetzen zu bindenden internationalen Kontrollen. Dies betraf die Drogenproduktion und den Verkauf und schränkte die Souveränität der Staaten ein und begrenzte ihre Handlungsfreiheit. Der Einfluss der europäischen Koloniallobby hinderte jedoch diese vorsichtige Diplomatie an der völligen Lösung der Probleme des Drogenanbaus und des Handels.
Die begrenzten Erfolge der internationalen Drogenkontrolle trotz Kolonialinteressen
Die Antiopiumbewegung hatte sich diese Lösung auf die Fahnen geschrieben, konnte sie aber nicht vollständig durchsetzen und realisieren. Obwohl sich die Diplomatie mit einer Langsamkeit bewegte, die moralisch gesonnene Reformer auf die Palme brachte und frustrierte, gelang es ihr, internationale Verträge zu Wege zu bringen. Diese Verträge beschnitten den einzelnen Staaten Schritt für Schritt das Recht, mit Narkotika zu handeln und Profite zu erzielen und zu maximieren. Das Ergebnis war eine zweiundachtzigprozentige Abnahme des Weltopiumangebots von zweiundvierzigtausend Tonnen im Jahre neunzehnhundertsechs auf achttausend Tonnen im Jahre neunzehnhundertvierunddreißig. Obwohl keiner der südostasiatischen Staaten tatsächlich sein Opiummonopol abschaffte, ergriffen alle echte oder kosmetische Maßnahmen zur Reduktion und Kontrolle.
Die Reduktion des Opiumkonsums in den südostasiatischen Kolonien
Durch diese Maßnahmen verminderten sich die Opiumverkäufe der Region in den fünfzehn Jahren nach dem Ersten Weltkrieg um fünfundsechzig Prozent und zeigten Wirkung. Niederländisch-Indien zum Beispiel, das seit dem siebzehnten Jahrhundert Opium verkauft hatte, senkte den Konsum der Kolonie um achtundachtzig Prozent und reduzierte erheblich. Der Verbrauch sank von einhundertsiebenundzwanzig auf fünfzehn Tonnen und zeigte die Wirkung der Regulierung und der Maßnahmen. Zwar verminderten diese Reformen die legalen Opiumverkäufe der Region, sie konnten jedoch die Massennachfrage nach der Droge nicht mit einem Federstrich aus der Welt schaffen. Die Nachfrage war in drei Jahrhunderten Kolonialherrschaft kultiviert worden und saß tief in der Gesellschaft und war fest verankert.
Das Aufkommen des Schmuggels und des illegalen Handels als Folge der Verbote
Die Kolonialregime konnten ihre fiskalische Abhängigkeit von Opiumsteuern per Dekret beenden, aber die kolonialisierten Gesellschaften waren nicht in der Lage, die Wurzeln der Sucht auszureißen. Sobald Regierungen ihre Importe drastisch senkten oder Opiumhöhlen schlossen, tauchten Schmuggler und illegale Händler auf und füllten die Lücke. Sie waren bereit, die unbefriedigte Nachfrage zu bedienen und profitierten von den hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt und verdienten gut. Auf den Inseln Südostasiens konnten koloniale Zollbehörden mit einiger Mühe die Seewege patrouillieren und das Verbot von Opiumimporten aus Indien und Persien durchsetzen. Auf dem Festland dagegen, etwa in Thailand und Französisch-Indochina, war es unmöglich, die gebirgigen Grenzen gegen den Karawanenhandel aus Yunnan und Birma abzuschotten und zu kontrollieren.
Die Entstehung der großen Opiummärkte in Bangkok und Saigon als Zentren des Konsums
Mit fünfzig Prozent der Raucher und siebzig Prozent der Opiumhöhlen waren Bangkok und Saigon Südostasiens erste Opiummärkte und Zentren des Konsums und des Handels. Diese Städte wurden zu Knotenpunkten, in denen sich legaler und illegaler Handel vermischten und die Nachfrage konzentrierte und bündelte. Die Geschichte zeigt, dass Verbote allein nicht ausreichen, wenn die zugrundeliegenden sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen nicht verändert werden und angepasst werden. Der Kampf gegen das Opium verwandelte sich von einem moralischen Kreuzzug in eine komplexe administrative Aufgabe der Staaten und Behörden. Die ursprünglichen Ziele der Missionare wurden dabei oft von politischen und fiskalischen Realitäten überlagert und verändert und angepasst.
Das Erbe der Antiopiumbewegung für das moderne System der internationalen Drogenkontrolle
Dennoch legte diese Bewegung den Grundstein für das moderne System der internationalen Drogenkontrolle, das bis heute besteht und wirkt und Einfluss hat. Die Verträge und Abkommen, die in dieser Zeit geschlossen wurden, bilden weiterhin die Basis für die globale Drogenpolitik und Regulierung. Die moralischen Argumente der frühen Aktivisten fanden ihren Niederschlag in den internationalen Konventionen und Gesetzen. Der Wandel vom freien Handel zur strikten Kontrolle markiert einen fundamentalen Wechsel in der Haltung der Staaten gegenüber Rauschgiften. Diese Entwicklung prägt bis heute die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Drogenbekämpfung und -kontrolle.












