Der Alltag der Elternschaft im Spannungsfeld zwischen Unsicherheiten und Ratschlägen

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Das Elternsein ist eine Erfahrung, die tief in den Alltag und das Leben eines Menschen eingreift. Sobald das erste Kind auf die Welt kommt, beginnt eine Reise voller Unsicherheiten, Fragen und Herausforderungen. Diese Zeit ist geprägt von einem Gefühl der Überforderung, aber auch von großer Liebe und dem Wunsch, alles richtig zu machen. Gleichzeitig tauchen unaufhörlich Ratschläge, Meinungen und Meinungsverschiedenheiten auf, die das Ganze noch komplizierter machen. Der folgende Text beschreibt die typischen Situationen, das ständige Hin und Her zwischen eigenen Überzeugungen und den Meinungen der Umgebung, und wie Eltern versuchen, ihren Weg in diesem Dschungel aus Empfehlungen und Erwartungen zu finden.

Der ständige Begleiter: die gut gemeinten Ratschläge

Sobald das Kind auf der Welt ist, scheint es eine gewisse Beruhigung zu geben: Man macht sowieso alles falsch, alles, was man tut oder unterlässt, ist irgendwie verkehrt. Doch trotz dieses gedanklichen Schutzschildes ist man niemals wirklich allein mit seinen Fragen und Unsicherheiten. Es gibt eine Vielzahl von Menschen, die einem zur Seite stehen und mit gut gemeinten Ratschlägen und Tipps versuchen, den richtigen Weg zu weisen. Diese Helfer reichen von Bekannten, Freunden und Verwandten, die selbst Kinder haben, bis hin zu Menschen, die keine Kinder haben, aber trotzdem ihre Meinung aufdrängen. Sie sind bereitwillig mit Rat und Tat zur Stelle, egal, um welches Thema es sich handelt. Allerdings ist jedes dieser Themen gleichzeitig eine Minenfeldzone, voller emotionaler Fallstricke und unterschiedlicher Meinungen. Das Thema Stillen oder Fläschchen ist da nur ein Beispiel, das sofort für hitzige Diskussionen sorgt, denn jeder hat seine eigene Erfahrung und Überzeugung, die er vehement vertritt. Das Thema Abstillen, die Schlafgewohnheiten, Fremdbetreuung, Erziehung, der Wiedereinstieg in den Beruf oder die Impfung – überall lauern Meinungen, die sich gegenseitig in den Schatten stellen. Dabei verteidigt jeder seinen Standpunkt, basierend auf seinem Weltbild und seinen Erfahrungen, und es gibt ungefähr so viele Ansichten wie Menschen auf der Welt.

Unterschiedliche Meinungen – ein Minenfeld voller Überzeugungen

Was das Ganze noch komplizierter macht: Keine Meinung ist nur eine bloße Ansicht, sondern wird oft mit Überzeugung vertreten, als wäre sie die einzig wahre Wahrheit. Das Problem ist nur, dass kaum jemand sich wirklich aus der Situation heraushalten kann. Eltern müssen sich ständig auf Situationen einstellen und Entscheidungen treffen, über die sie sich im Nachhinein manchmal selbst fragen, ob sie alles richtig gemacht haben. Das heutige Wissen ist dabei nur eine Orientierungshilfe, denn selbst die damals hochgelobten Ratgeber von vor Jahrzehnten sind oft voll mit veralteten und teilweise sogar widersprüchlichen Empfehlungen. So galt es früher als richtig, Säuglinge möglichst wenig Nähe und Aufmerksamkeit zu geben, damit sie stark und unabhängig werden. Die Theorie war, Schreien und Weinen würden die Lungen stärken, und ein sattes, gewickeltes Baby könnte die Nacht problemlos allein verbringen. Viele Mütter, die damals noch keine andere Wahl hatten, mussten diese veralteten Ratschläge befolgen, obwohl sie insgeheim spürten, dass es auch anders geht. Meine eigene Mutter beispielsweise, die heute noch fast in Tränen ausbricht, wenn sie sieht, wie ich mit meinem Kind kuschle, weil sie sich damals verboten hat, ihre Babys zu verwöhnen. Für sie war es einfach nicht üblich, die Kleinen zu zärtlich zu behandeln, weil man es so gelernt hatte. Kurzum, es ist für Eltern eine große Herausforderung, sich eine eigene Meinung zu bilden, und die meisten bemühen sich, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Doch dann tauchen die sogenannten Schlauberger auf, die nur allzu gern ihr Wissen aus Büchern, Internetforen oder Ratschlägen zum Besten geben, und versuchen, ihre Sichtweise aufzuzwingen.

Der Umgang mit gut gemeinten Ratschlägen

Damit die eigenen Nerven nicht völlig zerfetzt werden, weil einem die Augen vor lauter Augenrollen in den Kopf springen oder man sogar einen Groll gegen die Ratgeber entwickelt, hilft es, sich stets vor Augen zu führen, dass die meisten Menschen es gut meinen. Ihre gut gemeinten Ratschläge sind oft Ausdruck einer hilflosen Freundlichkeit, weil sie nicht wissen, wie sie sonst ihre Anteilnahme, ihre Liebe oder ihre Unterstützung zeigen können. Es ist nicht immer nur Besserwisserei oder mangelndes Vertrauen in die Fähigkeiten der jungen Eltern, sondern manchmal einfach eine Form der Unsicherheit, die sich in gut gemeinten Tipps manifestiert. Um sich vor den Übertreibungen der Ratgeber zu schützen, empfiehlt es sich, den Moment zu nutzen, um konkrete Fragen zu stellen, die einem tatsächlich Schwierigkeiten bereiten. Wenn das Baby beispielsweise eine verstopfte Nase hat und nicht schlafen kann, oder es beim Anziehen schreit, dann kann man gezielt nach Tipps fragen. Vielleicht ist ja ein hilfreicher Ratschlag dabei, der wirklich weiterhilft. Eine meiner Lieblingsmethoden ist aber immer noch: „Hier, halt mal!“ – denn wenn man ein Baby auf dem Schoß hat, hört man sofort auf, sich mit theoretischen Vorträgen zu beschäftigen, und macht stattdessen liebevoll „Gutzigutziguuuu“. Das ist das niedlichste Gegenmittel gegen die Flut der Ratgeber, das es gibt.

Die Gruppe, die man getrost ignorieren kann

Es gibt allerdings auch eine Gruppe von Menschen, die ich bewusst und mit einem gewissen Mitleid vorbeiziehen lasse: jene, die sagen, „Hatten wir damals nicht, brauchst du auch nicht.“ Was für ein Argument! Ich verstehe einfach nicht, wie man nur auf so eine Idee kommen kann. Das erste Mal habe ich ihn gehört, als ich mir einen Windeleimer gekauft habe. Dieses Gerät hat einen Klapp-Mechanismus, der verhindern soll, dass man schon beim Betreten der Wohnung riechen kann, ob das Kind heute schon gekackt hat oder nicht. Für mich eine geniale Erfindung, ehrlich gesagt. Doch beim ersten Besuch von Tante Marta, die sich das Ganze ansah, kam der Satz: „So einen Schmarrn gab’s früher auch nicht, und es ging auch.“ Da war ich erst mal sprachlos. Wie kann man nur auf so eine Idee kommen? Wäre Tante Marta wohl dabei gewesen, als jemand damals das Rad erfand, hätte sie vermutlich gesagt: „So schnell waren wir nicht, für den ganzen Kram braucht doch kein Mensch eine neue Erfindung!“ Oder: „Rollen! Als wenn Tragen so schlimm wäre!“ Und dann noch: „Wie sollen sich denn da jetzt die ganzen Vierecke vorkommen?“ Ich verstand nichts. Für mich war klar: Es gibt keinen Grund, sich über den Duft der Windel zu streiten, solange das Baby gesund ist. Doch Marta ließ nicht locker und erzählte stolz von ihrer Hüftoperation. Sie hatte eine neue Hüfte, weil die alte durch war, und sprach dabei von einem speziellen Material, das aus doppelt gehärtetem Kobalt-Chrom besteht. Gerade in diesem Moment trank ich einen Schluck Kaffee und sagte dann ganz ruhig: „So einen Schmarrn gab’s früher auch nicht, und es ging auch.“ Damit war vermutlich meine Tante etwas vor den Kopf gestoßen. Aber ehrlich gesagt, höre ich mir so einen Quatsch doch nicht an, nur weil jemand meint, er wüsste alles besser.

Technik und Tradition im Wandel der Zeit

Vor wenigen Wochen traf ich eine ehemalige Klassenkameradin, die mittlerweile im vierten Monat schwanger ist. Sie hat sich kürzlich einen sogenannten „Angelsound“ gekauft, ein Ultraschall-Fetaldoppler-Gerät, das man zu Hause benutzen kann, um die Herztöne des ungeborenen Babys zu hören. Als sie mir davon erzählte, konnte ich kaum anders, als zu sagen: „Also sowas gab’s bei mir damals auch nicht.“ Das war mein erster Fehler. Denn dabei wurde mir wieder einmal bewusst, wie rasant sich die Technik in der Elternschaft weiterentwickelt hat. Früher wartete man auf die Ultraschallbilder beim Arzt, hörte den Herzschlag und war glücklich. Heute können Eltern das alles selbst in den eigenen vier Wänden machen und sich dabei noch sicherer fühlen. Doch trotz aller technischen Spielereien sollte man sich immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass diese Geräte nur eine Ergänzung sind. Sie können niemals die Erfahrung ersetzen, wenn man sein Kind in den Armen hält und es liebt. Die Verbindung zwischen Tradition und Innovation ist spannend zu beobachten, und es zeigt, wie sehr sich die Vorstellungen vom Elternsein in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Dennoch bleibt die wichtigste Erfahrung die Liebe, die man seinem Kind schenkt, egal, ob mit oder ohne technische Unterstützung.

 

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