Das Christentum im Spannungsfeld der hellenistisch-römischen Welt
Screenshot youtube.comDas Aufkommen des Christentums fand in einer historisch einzigartigen Phase statt, in der das römische Reich eine immense kulturelle und religiöse Vielfalt aufwies und prägte. Diese Epoche war gekennzeichnet durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Glaubenssysteme, philosophischer Strömungen und staatlicher Ordnungsprinzipien, die das Leben bestimmten. Das Verständnis dieser Umgebung ist entscheidend, um die Herausforderungen und Chancen der frühen christlichen Bewegung nachvollziehen und begreifen zu können. Die damalige Welt bot einen Rahmen, der sowohl Offenheit als auch strenge traditionelle Bindungen beinhaltete und das Denken formte. Innerhalb dieses Spannungsfeldes musste sich die neue Religion behaupten und ihren Platz in der Gesellschaft finden.
Die religiöse Vielfalt und Toleranz im Hellenismus
Die religiöse und geistige Welt des Hellenismus, in die das Christentum eintrat, war durch die Vielfalt der Möglichkeiten, durch weitgehende Toleranz, in Grenzen durch religiöse und geistige Freiheit, durch Neugier und Suche nach der Wahrheit charakterisiert. Aus den zahlreichen Votiv und Grabinschriften erhält man einen lebendigen Eindruck von der religiösen Haltung breiter Volksschichten innerhalb des Reiches und ihrer Praxis. Hier finden wir eine lebendige Religion, eine geordnete Göttervielfalt, Zuständigkeiten für bestimmte menschliche Nöte und Anliegen sowie Hilfe für die verschiedensten Berufsgruppen. Es gab Ahnenkulte und Heilungskulte neben Wallfahrten und religiös politischen Vereinigungen, die das soziale Leben strukturierten und zusammenhielten. Kurz, jeder konnte eine für seine Zwecke geeignete Hilfe finden und sich einer Gemeinschaft anschließen.
Die Verbreitung orientalischer Kultformen
Nur eine sehr dünne Schicht von Philosophen, Literaten und Intellektuellen gefiel sich in Skepsis und Distanz zu den gängigen Glaubensvorstellungen und Ritualen. Orientalische Religionen fanden Zulauf, da sie dem Bedürfnis nach Mysterien, Weihen, Kulten, Riten und religiöser Begeisterung entgegenkamen und Exklusivität boten. Sie waren nicht flächendeckend vertreten, aber doch in Rom und meist in den Handelszentren und Hafenstädten verbreitet und bekannt. Einige waren schon in vorchristlicher Zeit in das römische Reich eingedrungen und hatten dort Fuß gefasst und Anhänger gewonnen. Hier seien nur einige besonders wichtige genannt, wie die Mutter und Vegetationsgottheiten Magna Mater und Attis, die aus Phrygien stammten und verehrt wurden.
Wichtige Gottheiten aus dem Osten
Astarte und Adonis kamen aus Phönizien, während Isis und Osiris ihre Wurzeln in Ägypten hatten und dort verehrt wurden und Einfluss nahmen. Dea Syria stammte aus Nordsyrien und die kosmischen Heilsgötter Sarapis aus Ägypten sowie Mithras aus Persien ergänzten das Angebot und die Vielfalt. Dessen Kult war seit dem Ende des ersten Jahrhunderts in Rom bekannt und im zweiten und dritten Jahrhundert besonders unter niederen Beamten, Händlern und Soldaten verbreitet. Unter dem Kaiser Commodus und den Severern von einhundertachtzig bis zum Ende des ersten Drittels des dritten Jahrhunderts und dann wiederum unter Diokletian und Galerius wurde er offiziell gefördert. Diese Förderung erstreckte sich von zweihundertvierundachtzig bis dreihundertelf und zeigte die politische Relevanz des Kultes für das Reich.
Die Etablierung von Sonnenkulten
Unter Kaiser Elagabal wurde in Rom der Kult des Sonnengottes Elagabal aus Syrien etabliert und offiziell eingeführt und gefeiert. Schließlich installierte Kaiser Aurelian den Kult des synkretistischen Sonnengottes Sol Invictus, um dem Reich wieder einen einigenden Kult zu geben und zu stärken. Über diesen Kult hatte sich auch Kaiser Konstantin dem Christentum genähert und eine Verbindung hergestellt und geprüft. Die seit Alexander dem Großen entstandene kultische Verehrung der Herrscher als göttergleich oder ähnlich fand bei den Römern nur widerstrebend Eingang und Akzeptanz. Seit Augustus wurde jeder Kaiser, der nicht gestürzt wurde, nach seinem Tode zum Divus erhoben und somit vergöttlicht und geehrt.
Die Entwicklung des Herrscherkultes
Die schon von Domitian beanspruchten Titel Herr und Gott wurden erst seit Aurelian üblich und allgemein verwendet und akzeptiert. Doch wurde schon durch Augustus eine enge Verbindung von Kult und Staat geschaffen, die große Konsequenzen für die Entwicklung des Christentums hatte und den Rahmen setzte. Das römische Religionsverständnis dieser Zeit war vor allem einerseits durch den Öffentlichkeitscharakter der Religion und andererseits durch das Prinzip des Gegendienstes bestimmt. Die entsprechende öffentliche Verehrung war die Bedingung für den Schutz der Götter und sicherte das Wohl des Staates und der Bürger. Dieser konnte dann aber auch erwartet werden und galt als vertragliche Verpflichtung der göttlichen Mächte gegenüber den Menschen und dem Reich.
Die Verbindung von Staat und Kult
Daß es sich dabei um echte Religiosität handelte, betont kein Geringerer als Cicero in seinen philosophischen Betrachtungen und Schriften und Aussagen. Die Römer überträfen alle anderen Völker durch die Einsicht, dass alles der Regierung und Lenkung durch die Götter unterstellt sei und nichts dem Zufall überlassen werde. Die christliche Religionsauffassung einer persönlichen Beziehung zu Gott als einem Vater führte aber noch weit über solche Prinzipien hinaus und veränderte das Verständnis von Frömmigkeit. Seit der Zeit der hellenistischen Philosophie versuchte man, die religiöse Vielfalt in einem Dreierschema zu erfassen und systematisch zu ordnen und zu gliedern. Dies umfasste die mythische Theologie der Dichter, die spekulative Theologie der Philosophen und die durch Gesetze gegebene Theologie des Staates und seiner Organe.
Die Grenzen der philosophischen Einteilung
So sehr diese Einteilung auch unter terminologischem Schematismus leidet, läßt sie doch die Vielschichtigkeit der religiösen Situation erkennen und verstehen und deuten. Von den philosophischen Schulen waren für die Entwicklung der christlichen Theologie besonders die Stoa, der Platonismus und der Aristotelismus bedeutsam und einflussreich. Diese Schulen lieferten das intellektuelle Rüstzeug für die spätere Ausformung christlicher Dogmatik und Lehre und prägten das Denken. Fremdartig wirkte in solchem Rahmen das Christentum, sobald es aus dem Schutze des Judentums heraustrat, fremdartig in seiner Lehre und in seinem ganzen Erscheinungsbild und Auftreten. Es stieß deshalb einerseits auf Neugier, da die Gebildeten und ein großer Teil der städtischen Bevölkerung für neue Reize, für neue religiöse Bräuche und Kulte sowie für neue Erkenntnisse und philosophische Anregungen durchaus offen waren.
Das Fremdartige des Christentums
Andererseits jedoch stieß es auch auf Ablehnung und Widerstand in weiten Teilen der Gesellschaft und bei den traditionalistischen Kräften. Lukas hat diese Situation in der Apostelgeschichte gut erfaßt, als er den Apostel Paulus auf dem Areopag in Athen eine Ansprache halten ließ und die Reaktion schilderte. Paulus redete in der Synagoge mit den Juden und Gottesfürchtigen sowie Tag für Tag auf dem Marktplatz mit den Passanten und suchte das Gespräch. Gelegentlich führten auch einige Philosophen, Epikureer und Stoiker, Gespräche mit ihnen und diskutierten die neuen Ideen und Lehren. Einige meinten, was dieser Schwätzer wohl zu sagen habe, während andere dagegen meinten, er scheine ein Herold fremder Götter zu sein, weil er nämlich von Jesus und der Auferstehung predigte.
Die Situation in Athen gemäß der Apostelgeschichte
Da nahmen sie ihn und führten ihn zum Areopag und sagten, sie möchten erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die er da verkündige. Denn so manches, was er hören ließ, klang recht befremdlich in ihren Ohren und erforderte eine Erklärung und Klärung. Alle Athener und die Fremden, die in der Stadt leben, haben ja für nichts anderes Zeit, als jeweils das Neueste zu sagen oder zu hören und sich auszutauschen. Paulus hielt eine Rede, die er mit den Worten beschloß, Gott habe einen Tag festgesetzt, an dem er alle Welt richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestellt hat. Den hat er vor aller Augen dadurch beglaubigt, daß er ihn von den Toten auferweckt hat und somit seine Macht zeigte und bewies.
Die Reaktion der Athener Bevölkerung
Als sie Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, die anderen aber sagten, sie möchten ihn darüber noch ein weiteres Mal reden hören und mehr erfahren. So ging Paulus aus ihrer Mitte fort und setzte seine Reise fort, während einige Männer sich ihm anschlossen und zum Glauben kamen und ihn begleiteten. Darunter waren Dionysius, ein Mitglied des Areopag, sowie eine Frau mit Namen Damaris und einige andere aus ihrem Kreis und Umfeld. Die Abwehr, auf die die christliche Verkündigung stieß, war beträchtlich und weit verbreitet in verschiedenen Schichten der Bevölkerung und den Städten. Auf die im Volk verbreiteten Vorbehalte wurde bereits hingewiesen und diese spielten eine wichtige Rolle bei der Ablehnung und dem Widerstand.
Das Interesse an Neuem in Athen
Die Angriffe aus den Kreisen der Intelligenz machten den Christen stärker zu schaffen, da der Finger auf Schwachstellen des Christentums gelegt wurde und da diese Vorwürfe auf gründlichen Kenntnissen beruhten. Sie sind aber auch ein Zeichen dafür, daß man sich mit dem Christentum auseinandersetzte und es ernst nahm und nicht einfach ignorierte und übersah. Nur einige antichristliche Schriften sind inhaltlich zu erschließen und geben Einblick in die Argumentation der Gegner und Kritiker. Leider ist die Rede wider die Christen des Rhetors Fronte aus Cirta, des Lehrers des Kaisers Mark Aurel, der als größter Redner nach Cicero galt, nicht erhalten. Auf uns gekommen ist aus dieser Zeit aber eine Satire Der Tod des Peregrinus des Lukian von Samosata, der um einhundertzwanzig bis einhundertachtzig lebte und schrieb.
Die gespaltene Reaktion auf die Auferstehung
Lukian, ein Schriftsteller, der seinen Spott über Religionen und Philosophien ausgoß und Mißstände geißelte, charakterisierte in dieser Posse die Christen so und beschrieb ihre Haltung. Diese armen Leute haben sich in den Kopf gesetzt, daß sie mit Leib und Seele unsterblich werden und in alle Ewigkeit leben würden und hofften. Daher kommt es dann, daß sie den Tod verachten und daß viele von ihnen ihm sogar freiwillig in die Hände laufen und das Martyrium suchen. Überdies hat ihnen ihr erster Gesetzgeber beigebracht, daß sie alle untereinander Brüder würden, sobald sie den großen Schritt getan hätten, die griechischen Götter zu verleugnen. Sie sollten ihre Knie vor jenem gekreuzigten Sophisten beugen und nach seinen Gesetzen leben und sich anpassen und unterordnen.
Das Ausmaß der Abwehr gegen das Christentum
Alles andere verachten sie durch die Bank, und sie halten es für eitel und nichtswürdig, ohne irgendeinen tüchtigen Grund zu haben, warum sie diesen Meinungen zugetan sind und folgen. Sobald also irgendein verschmitzter Betrüger an sie gerät, der die rechten Schliche weiß, so ist es ihm ein leichtes, die einfältigen Leute an der Nase zu führen. Gar bald kann er auf ihre Unkosten ein reicher Mann werden und sich bereichern und profitieren. Lukian stellte Peregrinus als einen solchen Betrüger in einer christlichen Gemeinde dar und nutzte ihn für seine Kritik am Glaubenssystem. Der schon in der Einleitung genannte Philosoph Kelsos legte mit seiner um das Jahr einhundertachtundsiebzig verfaßten Schrift Der wahre Logos eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Christentum vor.
Die Bedeutung der intellektuellen Kritik
Er hatte die Lage des Christentums seiner Zeit und seine Schriften gründlich studiert und kannte die Quellen genau und detailliert. Seine Kritik war deshalb teils wohlbegründet, aber teils auch durch unsachliche Polemik für die Aufnahme eines Dialogs wenig geeignet und konstruktiv. Der Maßstab für Kelsos war nämlich die Lehre der alten griechischen Philosophen einerseits und andererseits der moralische Maßstab der obersten Schichten der römischen Gesellschaft. Kelsos erhob drei Hauptvorwürfe gegen das Christentum, die alle drei für seine Zeit verdammenswerte Übel darstellten und anprangerte und kritisierte. Charakteristisch für das Christentum sei sein aufrührerisches Wesen, denn es sei eine im Aufruhr begründete Abspaltung vom Judentum und somit instabil und gefährlich.
Lukians Satire über die Christen
Kelsos betonte deshalb bei vielen Aspekten die Einheit von Judentum und Christentum und sah keine wesentlichen Unterschiede im Ursprung und der Wurzel. Das Judentum sei zur Zeit des Mose wiederum selbst von den alten Ägyptern abgefallen und also auch keineswegs die älteste Religion und Tradition. Daß Aufruhr ein Wesensmerkmal der Christen sei, bewiesen auch die Abspaltungen christlicher Sekten und die interne Zersplitterung der Bewegung und Gruppe. Des weiteren sei das Christentum erst spät entstanden, also eine Neuerung, ein Bruch mit den alten und bewährten Traditionen und Sitten der Vorfahren. Das Christentum sei in seinen Glaubensinhalten weder originell noch überzeugend, sondern in jeder Hinsicht den Lehren der großen griechischen Philosophen unterlegen und schwächer.
Die Verachtung des Todes bei den Christen
Die Götterpolemik finde sich schon bei diesen, doch sei der christliche Monotheismus und der Gedanke der alleinigen Auserwähltheit durch Gott anmaßend und arrogant und hochmütig. Kelsos war ein Vertreter der stoischen Naturlehre und des platonischen Dualismus, folglich mußte ihm die christliche Bindung an die Geschichte suspekt sein und fremd. Also die biblische Schöpfungslehre, die Menschwerdung Gottes in einer historischen Person, der Glaube an eine ständige Gottesoffenbarung in der Geschichte und die Hoffnung auf eine Überwindung des Todes. Die Geburts, Wirkungs und Leidensgeschichte Jesu sei nichts Außergewöhnliches, habe vielmehr ihre Vorbilder in griechischen Sagen und Mythen und sei nicht einzigartig. Auch habe es größere Wundermänner als Jesus gegeben und die Evangelien enthielten Unklarheiten, Widersprüchliches und Unglaubwürdiges in der Darstellung und den Berichten.
Die Kritik an der Leichtgläubigkeit
Gänzlich unverständlich sei auch die völlige Ablehnung des Kaiserkultes seitens der Christen und ihre Weigerung zu opfern und zu ehren. Da Kelsos von einer geordneten Götterhierarchie ausging, schadete es seiner Meinung nach dem höchsten Gott nicht, wenn dem Kaiser, dem die Macht auf Erden übertragen sei, geopfert würde. Schließlich nähmen auch die Christen Zwischenwesen wie Engel und Dämonen an und akzeptierten somit eine Hierarchie im Geistigen und Übernatürlichen. Das Christentum sei in den untersten und ungebildetsten Schichten verankert und habe dort seine Basis und Verbreitung und seinen Ursprung. Schon die Apostel seien einfache Leute, Fischer und Zöllner, gewesen und so sei es auch geblieben bis in die Gegenwart des Kelsos und seiner Zeit.
Peregrinus als Beispiel eines Betrügers
Auch in Privathäusern sehen wir Wollarbeiter, Schuster, Wäscherinnen und die ungebildetsten Bauerntölpel, die es nicht wagen würden, vor älteren Personen und vor ihren Herren überhaupt etwas zu sagen. Doch wenn sie Kinder und einige törichte Frauen im Vertrauen um sich versammeln können, geben sie erstaunliche Äußerungen von sich und lehren und unterweisen. Sie lehren, daß diese nicht auf ihre Väter und Lehrer hören sollten, sondern sie müßten ihnen gehorchen und ihre Autorität anerkennen und respektieren. Sie sagen, daß ihre Väter und Lehrer Unsinn reden und keinen Verstand haben und daß sie in Wirklichkeit Gutes weder wissen noch zu tun vermögen. Sondern sie geben sich mit leerem Geschwätz ab und haben kein wahres Wissen und keine echte Einsicht und Weisheit.
Die Maßstäbe des Kelsos
Nur sie allein, sagen sie, kennen die richtige Lebensweise und den Weg zum Heil und zur Rettung und zum ewigen Leben. Würden die Menschen ihnen Glauben schenken, dann würden sie glücklich werden und auch ihre ganze Familie glücklich machen und erlösen und befreien. Dem entsprechend fordere das Christentum blinden Gehorsam und liefere keine vernunftgemäßen Beweise für seine Behauptungen und Lehren und Dogmen. Leichtgläubigkeit charakterisiere ja die unteren Volksschichten und mache sie anfällig für solche Lehren und Versprechungen und Hoffnungen. Deshalb seien hier auch die vulgärsten Glaubensvorstellungen und der Glaube an die Zauberei verbreitet und akzeptiert und geglaubt.
Der Vorwurf des Aufruhrs
Die Wunder Jesu seien die eines Zauberers, wie man sie hinreichend kenne und aus anderen Zusammenhängen kenne und deute. Kurz, das Christentum stehe auf dem Niveau der primitivsten Kulte und habe keinen philosophischen Wert und keine höhere Bedeutung. Porphyrios, ein Schüler Plotins, des Begründers des Neuplatonismus, einer der bedeutendsten Philosophen seiner Zeit, schrieb etwa einhundert Jahre nach Kelsos seine Widerlegung des Christentums in fünfzehn Büchern. Diese waren an Kenntnissen dem Werk seines Vorgängers weit überlegen und zeugten von großer Belesenheit und profundem Wissen. Leider ist davon nur wenig rekonstruierbar und erhalten geblieben für die Nachwelt und die Forschung und die Wissenschaft.
Der Vorwurf der Neuerung
Soweit wir erkennen können, decken sich seine Grundargumente mit denen des Kelsos bezüglich Herkunft aus dem Judentum, Aufruhr, Neuerung und Unbildung und Mangel. Doch ist er viel geschickter und informierter und legt den Finger gerade auf die Widersprüche und Unklarheiten in der Bibel und den Schriften und Texten. Neben den unteren Schichten sind es ihm zufolge vor allem die Frauen, die das Christentum tragen, da sie besonders leichtgläubig seien und sich beeinflussen lassen. Von den christlichen Lehren lehnte er besonders den absoluten Monotheismus, die Auferstehung des Fleisches und die Erscheinung Gottes gerade zu diesem späten Zeitpunkt der Geschichte ab. Woraus ja die Verdammung aller vorhergehenden Generationen folge und diese ungerecht erscheine und nicht nachvollziehbar sei.
Der Vorwurf der mangelnden Originalität
Porphyrios bekämpfte jedoch nicht nur das Christentum, sondern polemisierte in anderen Schriften auch gegen den populären Dämonenglauben und Aberglauben und die Irrtümer. Dagegen finden wir bei dem berühmten medizinischen Schriftsteller, Arzt und Philosophen Galen eine positivere Beurteilung der Christen und ihrer Haltung und ihres Wandels. Galen wirkte in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts und hatte Kontakt zu verschiedenen Strömungen und Denkrichtungen und Schulen. In dieser Zeit gab es besonders unter Kaiser Commodus Kontakte zwischen den höheren Schichten der Gesellschaft in Rom und der römischen christlichen Gemeinde und ihren Vertretern. So stellte Galen das Christentum anderen philosophischen Schulen gleich und nahm es entsprechend ernst und würdigte es und seine Anhänger.
Der Vorwurf der sozialen Verankerung
Er achtete es im großen und ganzen und diffamierte es nicht wie andere Kritiker seiner Zeit und seiner Umgebung und seines Standes. Die Tendenz, den Glauben den Beweisen vorzuordnen, war für ihn ein Charakteristikum, das man in allen philosophischen Schulen finden könne und akzeptieren müsse. Auch diese zeigten Züge religiöser Art und waren nicht rein rationalistisch in ihrem Ansatz und ihrer Methode und ihrem Vorgehen. Allerdings fand er den christlichen Glauben wenig überzeugend und nicht vollständig begründet und nicht logisch genug. Aus der Sicht des Mediziners schien ihm vor allem die Schöpfungslehre unvollkommen und nicht mit den anatomischen Gegebenheiten vereinbar und erklärbar.
Die soziale Zusammensetzung der Gemeinden
Im Blick darauf konnte er auch nicht zwischen Juden und Christen unterscheiden und sah sie als verwandt an und ähnlich. Nicht also die christlichen Lehren wirkten auf Galen anziehend, sondern die christliche Lebensführung und ihr praktisches Verhalten und ihre Ethik. Also das Bemühen um die Übereinstimmung von Lehre und Praxis fiel ihm positiv auf und unterschied sie von anderen und hob sie hervor. Die meisten Leute, so schreibt er an einer Stelle, deren Authentizität allerdings nicht unangezweifelt ist, können keiner zusammenhängenden Beweisführung folgen und brauchen Hilfe. Deshalb brauchen sie Gleichnisse, und sie ziehen daraus einen Nutzen und lernen daraus für ihr Leben und ihre Führung.
Die Kritik an der Unterordnung
Ebenso wie wir heutzutage Leute sehen, die man Christen nennt, wie sie aus Gleichnissen und Wundern ihren Glauben ziehen und stärken und festigen. Und doch handeln sie manchmal genauso wie diejenigen, die nach einer Philosophie leben und sich an ethische Regeln halten und richten. Denn ihre Verachtung des Todes und dessen Folge wird uns jeden Tag offenbar und ist sichtbar und erkennbar für alle. Ebenso ihre sexuelle Enthaltsamkeit und ihr Verzicht auf gewisse Gelüste fallen auf und werden beachtet und gewürdigt. Denn sie haben nicht nur Männer, sondern auch Frauen, die ihr ganzes Leben lang sexuell enthaltsam leben und dies durchhalten und bewahren.
Der Anspruch auf alleiniges Wissen
Zu ihnen zählen auch einzelne, die in ihrer Selbstdisziplin und Selbstbeherrschung in bezug auf Essen und Trinken sowie in ihrem Streben nach Gerechtigkeit einen Stand erreicht haben. Dieser Stand ist nicht geringer ist als der der echten Philosophen und kann sich mit ihnen messen lassen und vergleichen. Mit dem Beginn des dritten Jahrhunderts fand das Christentum in den Kreisen der Gebildeten zunehmend Interesse und Akzeptanz und Anerkennung. So wurde der alexandrinische christliche Gelehrte Origenes um zweihundertfünfzehn von dem Statthalter der Provinz Arabia offiziell über den Bischof und den kaiserlichen Präfekten Alexandreias zu Vorträgen eingeladen. In den Jahren zweihundertachtzehn oder zweihundert zweiundzwanzig weilte er am Hof der Kaiserinmutter Julia Mamaea in Antiocheia, um in die christliche Theologie einzuführen.
Leichtgläubigkeit und Zauberei
Der Verfasser der ersten wissenschaftlichen christlichen Chronographie Julius Africanus war vor zweihundertsechzehn Erzieher des Prinzen Mannos am Hof des Königs Abgar I. von Osrhoene. In Rom richtete er die Bibliothek in dem um zweihundertsiebenundzwanzig erbauten Pantheon bei den Alexanderthermen ein und förderte das Wissen und die Bildung.

















