Geschichte – Der Krieg und das Rauschgift im Vietnam
Screenshot youtube.comDer Vietnamkrieg schuf nicht nur militärische Fronten, sondern auch Räume für illegale Geschäfte. Als südvietnamesische Truppen nach Kambodscha vorrückten, nutzte die Marine die neuen Wege für den Transport von Opium und Heroin. Was offiziell als erfolgreicher Einsatz galt, entwickelte sich nach Erkenntnissen aus Marinekreisen zu einem weitreichenden Schmuggelunternehmen. Später flogen Teile dieses Netzwerks auf und führten zu heiklen Ermittlungen. Die Ereignisse zeigen, wie Krieg, Machtbeziehungen und Drogenhandel ineinandergriffen.
Neue Routen durch die Invasion
Die vietnamesische Marine nutzte den Einmarsch in Kambodscha, um ihre Rolle im Rauschgifthandel auszubauen. Damit öffnete sie einen Kanal, der ihr zuvor nicht zur Verfügung gestanden hatte. Am 9. Mai 1970 bewegte sich ein großer Flottenverband den Mekong hinauf. Er bestand aus 110 vietnamesischen und 30 amerikanischen Schiffen. Das Kommando führte Flottenkommandeur Kapitän Nguyen Thanh Chau.
Vormarsch über die Grenze
Der Verband fuhr in einer auffälligen Formation und überquerte die Grenze nach Kambodscha. Am folgenden Tag setzte Kapitän Nguyen Van Thong, der Kommandant der Flusseinheit 211, mehrere 100 vietnamesische Soldaten ab. Die Landung erfolgte etwa 30 Kilometer flussaufwärts bei Neak Luong. Diese Fährstation lag an der Hauptstraße 1. Die Straße verband Phnom Penh mit Saigon.
Ankunft in Phnom Penh
Die vietnamesischen Kräfte ließen ihre amerikanischen Berater an diesem Ort zurück. Anschließend setzten sie ihren Weg fort. Am 11. Mai erreichten sie Phnom Penh. Am folgenden Tag rückten sie bis Kampong Cham vor. Der Ort lag etwa 100 Kilometer nördlich der kambodschanischen Hauptstadt.
Lob und dunkle Kehrseite
Durch die Sicherung des Wasserwegs konnte die Marine ihn für eigene Zwecke nutzen. Die Fachpresse lobte die Aktion als taktischen Erfolg. Der Verband wurde als humanitäre und militärische Flotte dargestellt. Vietnamesische Marinequellen zeichneten jedoch ein anderes Bild. Danach war der Verband auch daran beteiligt, große Mengen Opium und Heroin nach Südvietnam zu bringen.
Ein Admiral im Rampenlicht
Während der Kambodscha-Invasion rückte ein Partner von General Quang in die öffentliche Aufmerksamkeit. Es handelte sich um Konteradmiral Chung Tang Cang, einen ehemaligen Marinekommandanten. Cang war seit den gemeinsamen Studententagen an der Saigoner Handelsmarineakademie eng mit Präsident Thieu verbunden. Beide gehörten dem Jahrgang 1947 an. Diese Verbindung prägte später auch seine Karriere.
Alte Vorwürfe und politische Hilfe
Im Jahr 1965 war Cang vom Kommando der Marine entfernt worden. Man hatte ihm vorgeworfen, Lebensmittelhilfe auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben. Diese Hilfe war für die Opfer einer Flutkatastrophe bestimmt gewesen. Präsident Thieu griff ein, um eine Anklage zu verhindern. Er verschaffte Cang eine einflusslose, aber angesehene Stellung, die ihm das Gesicht wahren half.
Aufbau des Schmuggelnetzes
Nach vietnamesischen Marinequellen entstand kurz nach der Ankunft in Phnom Penh ein neues Schmuggelnetz. Hochrangige Offiziere sollen es organisiert haben. Sie verschifften Heroin und Opium von Kambodscha nach Südvietnam. Die Lieferungen liefen über mehrere Zwischenstationen. Auf diesem Weg erreichten die Drogen schließlich Saigon.
Die Route über den Fluss
Die Route begann in Phnom Penh und führte nach Neak Luong. Von dort ging es weiter nach Tan Chau, das kurz hinter der vietnamesischen Grenze lag. Danach folgte die Station Binh Thuy. Anschließend wurden die Drogen auf verschiedenen Marinebooten und Zivilbooten nach Saigon gebracht. So entstand ein schwer zu überblickender Transportweg.
Ausweitung nach der Operation
Mitte 1970 stand die kambodschanische Militäroperation kurz vor ihrem Abschluss. Zu diesem Zeitpunkt dehnte sich der Schmuggelring der Marine weiter aus. Die Marine hatte bereits seit 1968 begrenzte Mengen Gold, Opium und zollpflichtige Waren nach Vietnam gebracht. Nun wurden die Aktivitäten größer. Die politischen Umstände begünstigten diese Entwicklung.
Ein alter Jahrgangskamerad steigt auf
Im August 1970 wurde Flottillenadmiral Lam Nguon Thanh zum Vizechef des Admiralstabs ernannt. Auch er gehörte derselben Klasse an der Handelsmarineakademie an wie Präsident Thieu. Im Jahr 1966 war er überraschend von seinem Posten als Marinestabschef abberufen worden. Diese Abberufung hatte seiner Laufbahn jedoch nicht dauerhaft geschadet. Seine Ernennung stärkte alte Verbindungen.
Basen im Mekongdelta
Einschlägigen Quellen zufolge nutzten hochrangige Marineoffiziere mehrere Marinestützpunkte im Mekongdelta. Diese Stützpunkte standen unter dem Kommando von Flottillenadmiral Thanh. Genannt wurden Rach Soi, Long Xuyen und Tan Chau. Sie dienten als Anlaufstationen für Rauschgift. Die Ware wurde auf thailändischen Fischerbooten oder kambodschanischen Flusssampans nach Vietnam geschleust.
Druck aus dem Ausland und neue Ämter
Im Sommer 1971 flogen einige dieser Schmuggeloperationen auf. Kurz zuvor hatte die Regierung der Vereinigten Staaten begonnen, Druck auf Südvietnam auszuüben. Sie verlangte ein stärkeres Vorgehen gegen den Drogenschmuggel. Diese Entwicklung brachte General Quang und Admiral Cang offenbar in Schwierigkeiten. Quang sorgte daraufhin dafür, dass Cang den Vorsitz eines nationalen Ausschusses zur Drogenbekämpfung übernahm.
Ein Komitee für die Marine
Auch Flottillenadmiral Thanh erhielt eine neue Aufgabe. Er wurde Vorsitzender eines Marinekomitees zur Drogenbekämpfung. Diese Ernennung sollte nach außen Handlungsfähigkeit zeigen. Tatsächlich war sie jedoch Teil eines Geflechts aus Abhängigkeiten. Die Ernennungen sollten die heikle Lage beruhigen.
Eine Razzia mit Folgen
Diese Vorkehrungen hätten eigentlich ausreichen können. Doch mehrere Ereignisse entzogen sich dem Einfluss von General Quang. Am 25. Juli 1971 zerschlug die vietnamesische Drogenpolizei ein großes Syndikat von Teochiu-Chinesen in Cholon. Dabei halfen thailändische und amerikanische Agenten. Die Polizei nahm 60 Drogenhändler fest.
Große Beschlagnahmung
Den Ermittlern gelang eine der größten Beschlagnahmungen in der vietnamesischen Geschichte. Sie stellten 51 Kilo Heroin sicher. Zudem fanden sie 334 Kilo Opium. Die Presse feierte die Razzien als Sieg der Regierung Thieu im Kampf gegen die Drogen. In Wirklichkeit waren die Aktionen jedoch peinlich, weil sie zugleich den Schmuggelring der Marine aufdeckten.
Die Entstehung des Teochiu-Syndikats
Das Teochiu-Syndikat aus Cholon war Mitte 1970 organisiert worden. Ein führender Finanzier in Bangkok hatte beschlossen, in den südvietnamesischen Drogenhandel einzusteigen. Er war Teochiu-Chinese und gehörte zu den großen Geldgebern in Südostasien. Er nahm Kontakt zu Tran Minh auf. Dieser war ein angesehener Teochiu-Plastikfabrikant in Cholon.
Auftakt auf See
Die beiden Männer wurden sich schnell einig. Kurz darauf traf ein thailändisches Fischerboot vor der Küste von Puolo Dama ein. Die kleine Insel liegt im Golf von Thailand. Dort wartete bereits ein vietnamesischer Fischkutter unter dem Kommando von Tang Hai. Tang Hai war von Tran Minh angeworben worden und verband die Akteure in Bangkok und Cholon.
Übergabe und Transport nach Rach Gia
Auf hoher See wurden 200 Kilo Opium übergeben. Danach nahm das vietnamesische Boot Kurs auf seinen Heimathafen Rach Gia. Der Hafen lag etwa 75 Kilometer nordöstlich. In Rach Gia wurden die Opiumbündel auf ein Flusssampan verladen. Das Boot sollte die Ware nach Saigon bringen.
Versteckt unter Kokosnussschalen
Die Schmuggler verbargen das Opium unter einer Schicht Kokosnussschalen. Dadurch wirkte die Ladung wie eine gewöhnliche Ware. Das Sampan bewegte sich durch das Labyrinth der Kanäle zu den Anlegestellen von Cholon. Dort wurde die Ladung in einen Kleinbus umgeladen. Anschließend brachte man sie in das Lagerhaus von Tran Minh.
Verteilung in Cholon
Das Lagerhaus lag im 6. Distrikt. Von dort aus wurde das Opium an die Opiumhöhlen in Saigon-Cholon verteilt. Der Verkehr auf den Wasserwegen wurde von der Polizei überwacht. Die vietnamesische Marine schützte die Transporte. Auf diese Weise blühte das Geschäft von Tran Minh.
Expansion zum Markt amerikanischer Soldaten
Nach mehreren Lieferungen beschloss Tran Minh, sein Geschäft auszuweiten. Er wollte auch den Markt amerikanischer Soldaten bedienen. Deshalb bestellte er neben den üblichen 200 Kilo Opium zusätzlich zehn Kilo Heroin. Es handelte sich um eine bekannte Heroinsorte. Diese Entscheidung veränderte die Dimension des Schmuggels.
Neue Übergabeorte aus Angst
Bei einer späteren Lieferung fürchtete Tran Minh, entdeckt zu werden. Deshalb bestimmte er einen neuen Übergabeort. Die Wahl fiel auf Hon Panjang. Diese Insel lag 170 Kilometer südwestlich von Rach Gia. Der Ortswechsel sollte die Spur der Ermittler erschweren.
Eine große Bestellung und eine große Versuchung
Bis Mitte 1971 entwickelte sich das Geschäft so gut, dass der Anführer des Cholon-Syndikats eine deutlich größere Menge bestellte. Er orderte 400 Kilo Opium und 60 Kilo Heroin. Allein das Heroin hatte einen Einzelhandelswert von 720 000 Dollar. Für den Fischerkapitän Tang Hai und seine Beschützer von der Marinebasis Rach Soi war diese Summe eine enorme Versuchung. Die große Ladung wurde zum Wendepunkt.
Tang Hai schlägt selbst zu
Anfang Juli 1971 traf sich Tang Hai erneut mit dem thailändischen Fischerboot. Er nahm die Ladung vor der Küste von Hon Panjang auf. Statt nach Rach Gia zurückzukehren, segelte er 90 Kilometer nach Westen zur Insel Phu Quoc. Dort vergrub er das Opium und verbarg das Heroin im Unterholz. Danach kehrte er nach Rach Gia zurück und meldete, die Lieferung sei von der vietnamesischen Marine gestohlen worden.
Ein vorgetäuschter Diebstahl
Diese Erklärung wirkte offenbar überzeugend. Der Kontaktmann gab die Nachricht nach Cholon weiter. Tran Minh war bereit, die Hälfte der Sendung für 25 000 Dollar von der Marine zurückzukaufen. Tang Hai kehrte daraufhin zur Insel Phu Quoc zurück. Er grub einen Großteil des Vorrats aus und lieferte die Hälfte der ursprünglichen Ladung an den Kontaktmann in Rach Gia.
Der Rest wird versteckt
Den Rest der Lieferung verbarg Tang Hai in der Nähe seines Hauses. Der Kontaktmann heuerte anschließend den üblichen Besitzer eines Flusssampans an. Dieser sollte die Drogen nach Cholon schmuggeln. Doch nur 15 Kilometer von Rach Gia entfernt wurde das Boot geraubt. Die Täter waren drei Unteroffiziere der vietnamesischen Armee.
Verlust und Misstrauen in Bangkok
Der Bootseigner kehrte nach Rach Gia zurück und berichtete von dem Überfall. Der Kontaktmann leitete die Nachricht nach Cholon weiter. Tran Minh hatte nun 25 000 Dollar verloren. Er teilte Bangkok mit, dass er bei zwei Gelegenheiten ausgeraubt worden sei und nicht zahlen könne. Der Finanzier in Bangkok glaubte jedoch an einen Betrug.
Der Plan, das Syndikat auffliegen zu lassen
Der Finanzier beschloss, das gesamte vietnamesische Syndikat auffliegen zu lassen. Verabredungsgemäß wandte sich der thailändische Fischerkapitän an Oberst Pramual Vangibandhu. Dieser leitete die thailändische Drogenfahndung. Der Kapitän bot an, zwei Schlüsselmänner der Saigoner Operation zu nennen. Im Gegenzug verlangte er vollständige Immunität und Anonymität für das Bangkoker Syndikat.
Internationale Vorbereitung der Razzien
Oberst Pramual akzeptierte das Angebot. Er setzte sich mit einem Drogenfahnder der Vereinigten Staaten namens William Wanzeck in Verbindung. Die beiden Männer flogen nach Saigon. Dort trafen sie sich mit Ly Ky Hoang, dem Leiter der vietnamesischen Drogenpolizei, und einem weiteren Fahnder der Vereinigten Staaten namens Fred Dick. Die Gruppe vereinbarte zwei zeitgleiche Razzien.
Zwei Ziele, ein Zeitpunkt
Die vietnamesische Nationalpolizei sollte das Syndikat in Saigon zerschlagen. Gleichzeitig sollten Hoang, Pramual und Dick nach Rach Gia fliegen. Dort wollten sie Kapitän Tang Hai und seine Helfer festnehmen. Die Razzien waren für den 25. Juli um 9.30 Uhr geplant. Dieser Termin lag weniger als drei Wochen nach der Ankunft der Drogen vor Hon Panjang.
Erfolg in Saigon, Probleme in Rach Gia
Die Razzia in Saigon verlief reibungslos. In Rach Gia traf Hoang Kapitän Tang Hai jedoch nicht zu Hause an. Hoang trug keine Uniform. Er erklärte der Schwester von Tang Hai, der Fabrikant Tran Minh habe ihn geschickt, um über die fehlenden Drogen zu verhandeln. Nach 50 Minuten geschickter Überredung führte die Schwester ihn zu einem Restaurant.
Eine Feier in Rach Soi
Das Restaurant lag in Rach Soi, einem kleinen Fischerhafen sechs Kilometer südlich von Rach Gia. Tang Hai saß dort mit einigen Freunden zusammen. Er war Ehrengast einer ausgelassenen Feier. Der Kommandeur der nahe gelegenen Marinebasis hatte diese Feier veranstaltet. Rund 20 bewaffnete Marineoffiziere und Matrosen nahmen daran teil.
Hoangs List im Restaurant
Hoang erklärte, Tran Minh warte in Rach Gia. Er schlug vor, gemeinsam dorthin zu fahren und über den Rückkauf des Rauschgifts zu verhandeln. Tang Hai wollte jedoch lieber auf der Feier bleiben. Daraufhin sagte Hoang, der Fabrikant sei bereit, 25 000 Dollar für die restliche Hälfte der Lieferung zu zahlen. Nun mischte sich der Marinekommandeur von Rach Soi ein.
Der Kommandeur wird misstrauisch
Der Marinekommandeur bestand darauf, dass Hoang seinen eigenen Geländewagen samt Fahrer nehmen solle. Hoang sollte Tran Minh persönlich zur Feier bringen. Diese Forderung machte die Lage für Hoang schwieriger. Er konnte den Verdacht nicht zerstreuen. Die Situation drohte zu kippen.
Festnahme unter Zeitdruck
Eine Stunde später kehrte Hoang mit Oberst Pramual und Fred Dick in einem Polizeiwagen zurück. Die Begleiter warteten draußen. Hoang betrat das Restaurant allein. Er überredete Tang Hai, für ein vertrauliches Wort nach draußen zu gehen. Vor der Tür nahm er ihn fest und brachte ihn in das wartende Polizeiauto.
Flucht vor den Marineoffizieren
Hoang raste mit dem Festgenommenen nach Rach Gia zurück. Wenige Minuten später bemerkten die feiernden Marineoffiziere, was geschehen war. Sie griffen zu ihren Waffen. Dann nahmen sie die Verfolgung auf. Das Polizeiteam hatte nun einen gefährlichen Vorsprung.
Suche im Haus eines Cousins
Obwohl die Verfolger nahe waren, hielt das multinationale Polizeiteam bei einem Haus an. Das Haus gehörte einem Cousin von Tang Hai. Die Beamten wollten dort das Rauschgift suchen. Dick und Pramual nahmen Tang Hai mit in das Haus. Hoang blieb etwa 100 Meter weiter im Polizeiwagen zurück.
Defektes Funkgerät und bedrohliche Ankunft
Hoang versuchte verzweifelt, über Funk Polizeiunterstützung anzufordern. Nach einiger Zeit bemerkte er, dass das Funkgerät defekt war. In diesem Augenblick hielten Geländewagen der Marine vor dem Haus. Die Offiziere verteilten sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Sie brachten ihre Waffen in Anschlag.
Flucht im Schutz eines Kleinbusses
Hoang saß nun von seinen Kollegen abgeschnitten im Polizeiwagen. Er hatte große Angst. Plötzlich sah er einen Kleinbus, die Straße hinunterfuhr. Er entsicherte seine Pistole und wartete. Als der Kleinbus auf gleicher Höhe war, sprang er heraus, rannte an dessen Seite mit und erreichte das Haus.
Hilfe durch einen Zufall
Zum Glück betrat gerade ein Zivilpolizist den angrenzenden Eisenwarenladen. Hoang erklärte ihm die Lage. Der Zivilpolizist reagierte schnell. Er bestieg sein Moped und fuhr davon, um Hilfe zu holen. Nach zehn Minuten traf eine gut bewaffnete Mannschaft der örtlichen Polizei ein.
Die Marine zieht sich zurück
Die Marineoffiziere waren nun in der Unterzahl. Sie wollten keinen offenen Zusammenstoß riskieren. Widerwillig stiegen sie in ihre Geländewagen. Anschließend zogen sie sich nach Rach Soi zurück. Die Polizeibeamten konnten ihre Arbeit fortsetzen.
Geständnis und Verstecke
Die Hausdurchsuchung brachte zunächst keine Ergebnisse. Danach brachten Hoang und die anderen Tang Hai zum Verhör auf das Polizeirevier. Der Schmuggler weigerte sich anfangs zu sprechen. Hoang nahm ihn sich jedoch einige Minuten vor. Schließlich gestand Tang Hai alles und verriet auch das Versteck auf Phu Quoc.
Bergung auf der Insel
Pramual und Dick flogen mit Tang Hai zur Insel Phu Quoc. Dort gruben sie die versteckten Drogen aus. Sie fanden 112 Kilo Opium. Außerdem fanden sie 3,9 Kilo Heroin. Damit war ein Teil der verschwundenen Lieferung sichergestellt.
Die Spur der Armeeunteroffiziere
Währenddessen nahm Hoang die drei Unteroffiziere fest, die tatsächlich die halbe Lieferung geraubt hatten. Er übergab sie dem Militärischen Sicherheitsdienst. Hoang vermutete jedoch, dass der Sicherheitsdienst nur wenig herausfinden würde. Deshalb wartete er bis zwei Uhr nachts. Zu diesem Zeitpunkt waren die Verhöre nach sechs Stunden ergebnislos abgebrochen worden.
Antworten im Polizeihauptquartier
Eine Stunde später traf Hoang im Polizeihauptquartier ein. Dort erhielt er nach nur 15 Minuten die Antworten, die er haben wollte. Am Morgen danach grub eine Polizeimannschaft an einem Kanal etwa zwei Stunden von Rach Gia entfernt Drogen aus. Die Beamten fanden 37,7 Kilo Heroin und 35 Kilo Opium. Wenige Stunden später förderte eine Durchsuchung von Tang Hais Hof weitere sieben Kilo Heroin und 88 Kilo Opium zutage.
Pressekonferenz in Bangkok
Nur vier Tage nach den spektakulären Razzien gab die thailändische Polizei am 29. Juli eine Pressekonferenz in Bangkok. Die Polizei war nervös, weil Gerüchte über ihre Beteiligung am internationalen Rauschgifthandel kursierten. Sie wollte den Erfolg für sich beanspruchen. Dadurch sollte ihr Ruf verbessert werden. General Nitya Bhanumas trat als Generalsekretär der thailändischen Drogenbehörde auf.
Behaupteter Erfolg
General Nitya behauptete, die entscheidenden Informationen stammten von Informanten. Diese Informanten habe er während einer Untersuchung im Vormonat angeworben. Die Untersuchung habe er selbst geleitet. Mit dieser Darstellung wollte er die Führungsrolle seiner Behörde betonen. Die vietnamesischen Ermittler sahen darin jedoch eine Verfälschung der Tatsachen.
Empörung in Saigon
Als die vietnamesischen Polizisten am Morgen danach die Zeitungen lasen, waren sie empört. Sie ärgerten sich, dass die Thailänder den Erfolg für sich reklamierten. Außerdem waren die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. Die Schlagzeilen konnten Syndikatsmitglieder warnen. Dadurch drohten weitere Verdächtige unterzutauchen.
Nur zwei Namen aus Bangkok
Die thailändische Polizei hatte den vietnamesischen Kollegen nur zwei Namen mitgeteilt. Diese Namen waren dem Finanzier in Bangkok bekannt. Es handelte sich um Tang Hai und Tran Minh. Die Vietnamesen mussten sich von der Spitze des Syndikats nach unten vorarbeiten. Sie hatten kaum mit den Razzien begonnen.
Breite Festnahmen
Trotz dieser schwierigen Ausgangslage weiteten sich die Ermittlungen aus. Schließlich gingen den Behörden über 60 Händler der mittleren und oberen Ebene ins Netz. Auch zahlreiche Straßenhändler wurden festgenommen. Diese Festnahmen zeigten die Größe des Netzwerks. Sie machten zugleich die Verstrickungen in Militär und Polizei sichtbar.
Panik im Schmuggelring der Marine
Quellen der vietnamesischen Marine zufolge lösten die Razzien im Schmuggelring der Marine fast Panik aus. Die Anführer versuchten eilig, sich in Sicherheit zu bringen. Zwei Offiziere, die dem Invasionskommando in Kambodscha angehört hatten, wurden etwa zur Zeit der Enttarnung versetzt. Diese Versetzungen wirkten wie ein Versuch, Spuren zu verwischen. Die Lage wurde für die Beteiligten immer enger.
Versetzungen kurz vor den Razzien
Kapitän Nguyen Van Thong verlor nur wenige Wochen vor den Polizeirazzien sein Kommando über die Flusseinheit 211. Er wurde zu einem Schulungskurs abkommandiert. Der Kommandeur der Küstenwache, Kapitän Nguyen Huu Chi, wurde nur zwei Wochen später zu einer weiterführenden Offiziersschule versetzt. Diese Personalentscheidungen fielen zeitlich eng mit den Ermittlungen zusammen. Sie nährten den Verdacht einer gezielten Schutzmaßnahme.
Schutz durch die Admiralität
Der Militärische Sicherheitsdienst verhaftete die direkt beteiligten Marineoffiziere der Basis Rach Soi. Dennoch gab es Berichte, dass die Admiralität die Verhafteten schützen wollte. Die Admiralität habe verhindert, dass die Festnahmen in der Presse erwähnt wurden. So sollte ein öffentlicher Skandal vermieden werden. Die Presse erfuhr von diesen Festnahmen nichts.












