Die Übernahme der DDR-Bank und die fatale Umwidmung von Subventionen in Kredite

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Die Übernahme der DDR-Bank durch westdeutsche Finanzinstitutionen und die damit verbundene Umwandlung von bisherigen staatlichen Zuschüssen und Subventionen in verzinsliche Kredite war ein Abgrund, der viele DDR-Betriebe in eine existenzielle Krise stürzte. Die Subventionen, die zuvor als Unterstützung dienten, wurden zu finanziellen Verpflichtungen, die die Unternehmen mit enormen Schulden belasten. Dadurch erhöhte sich die Verschuldung drastisch, was dringend notwendige Sanierungs- und Investitionsprozesse erheblich verzögerte und oft verhinderte.

​​Zins- und Tilgungsdruck als Katalysator für Betriebsnot

Mit dem neuen System wurden aus steuerlichen Zuwendungen marktübliche Kredite mit Zinsen und festen Rückzahlungsfristen. Diese Last führte bei vielen Betrieben zu Zahlungsengpässen, die immer mehr Unternehmen in Überschuldung trieben. Die wirtschaftliche Situation verschlechterte sich durch diese Maßnahmen weiter, viele Betriebe konnten unter den steigenden finanziellen Auflagen nicht mehr überleben. Investitionen, die den Strukturwandel unterstützen hätten können, blieben deshalb oft aus, was den Niedergang der ostdeutschen Wirtschaftsregion beschleunigte.

​​Der Bruch mit der volkswirtschaftlichen Förderlogik

Unter der DDR waren viele Betriebe durch Staatszuschüsse als volkswirtschaftlich notwendig klassifiziert und entsprechend gefördert. Diese Zuschüsse konnten ohne unmittelbaren Rückzahlungsdruck eingesetzt werden. Mit der Umstellung auf wettbewerbsorientierte Finanzierung entfiel dieser Schutz. Die Altschulden wirkten als Hemmschuh, da die neuen Marktanforderungen nicht mit der Verschuldung kompatibel waren. Dies führte zu einem Teufelskreis aus nicht bezahlbaren Krediten, mangelnder Investitionsfähigkeit und fortschreitendem Niedergang.

​Dauerhafte Überschuldung als Folge mangelnder Anpassung

Die ökonomische Realität der DDR-Betriebe wurde bei der Übernahme oftmals nicht ausreichend berücksichtigt. Die hohen Kreditverpflichtungen wurden übernommen, obwohl die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit vieler Unternehmen nicht ausreichte, diese Last zu tragen. Die Folge war eine dauerhafte Überschuldung, die viele Unternehmen in den Ruin trieb. Die politische Entscheidung, die Altlasten nicht auf die ostdeutschen Bürgerschaften zu verteilen, führte zwar zu einer finanziellen Belastung des gesamtdeutschen Steuerzahlers, verhinderte aber auch eine reale Entschuldung vor Ort.

​Fehlende Aufarbeitung bis in die Gegenwart

Bis heute gibt es keine umfassende und offene Aufarbeitung dieses komplexen wirtschaftlichen Übergangsprozesses. Viele Diskussionen werden von Mythen und politischen Tabus begleitet, so dass ein realistisches Bild der wirtschaftlichen Lage der DDR kurz vor der Wiedervereinigung oft verzerrt bleibt. Das Versäumnis, die Ursachen und Folgen der Umwidmung von Subventionen in Kredite transparent zu analysieren, fördert das gerade bei ostdeutschen Bürgern verbreitete Misstrauen gegenüber staatlichen Behörden und Institutionen.

​Keine angemessene Berücksichtigung der sozialen Folgen

Die Überschuldung der DDR-Betriebe führte zu massiven Arbeitsplatzverlusten, die nicht adäquat kompensiert werden konnten. Die wirtschaftliche Notlage spielte sich auf breiter regionaler Ebene ab und führte zu sozialen Verwerfungen, die bis heute nachwirken. Der strukturierte Rückzug beziehungsweise die Zerschlagung zahlreicher tradierter Industriezweige ohne ausreichende sanierende Maßnahmen blieb Folge einer politischen Entscheidung, die weniger die soziale Nachhaltigkeit, sondern vor allem die schnelle Umstrukturierung und Gewinnmaximierung im Blick hatte.

​Ein politisches und wirtschaftliches Versagen mit Langzeitwirkung

Die Übernahme der DDR-Bank und die Umwidmung von Subventionen in rückzahlbare Kredite waren nicht nur ein ökonomisches Experiment mit hohem Risiko, sondern auch ein politisch motivierter Schritt, der viele DDR-Betriebe überschuldete und langfristig schwächte. Die politischen Entscheidungsträger trugen die Verantwortung für eine Strategie, die Wachstum und Sanierung erstickte und stattdessen Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Verödung förderte. Die bis heute fehlende Aufarbeitung und die fortbestehende Mythenbildung tragen dazu bei, dass das Vertrauen in staatliche Institutionen insbesondere im Osten Deutschlands nachhaltig beschädigt wurde.