Warum ich keine After-Work-Events mehr machen will

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In der heutigen Arbeitswelt sind sogenannte After-Work-Events zu einem festen Bestandteil geworden. Es ist üblich, dass nach einem langen und oftmals anstrengenden Arbeitstag die Kolleginnen und Kollegen noch gemeinsam in Bars oder Restaurants zusammensitzen, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen. Für viele ist das eine Gelegenheit, den Arbeitsalltag hinter sich zu lassen, soziale Kontakte zu pflegen oder einfach nur ein bisschen Spaß zu haben. Doch für mich persönlich hat sich im Laufe der Jahre eine ganz andere Einstellung entwickelt. Ich sehe diese Veranstaltungen immer mehr als eine Art sinnlose Belastung, die eigentlich nichts mit dem zu tun hat, was ich mir unter einem echten Abschluss des Arbeitstags vorstelle. Deswegen möchte ich heute schildern, warum ich mich bewusst dazu entschieden habe, künftig an solchen Events nicht mehr teilzunehmen, und warum ich das auch für mich persönlich als die richtige Entscheidung empfinde. Es ist eine Entwicklung, die wahrscheinlich viele nachvollziehen können, die den Wunsch haben, ihre eigene Freizeit wirklich für sich zu gestalten, ohne dabei in den Zwängen und Erwartungen der gesellschaftlichen und beruflichen Normen gefangen zu sein.

Der ursprüngliche Sinn von Feierabend und Freizeit

Wenn ich an das Ende eines langen Arbeitstages denke, kommen mir zunächst ganz andere Bilder in den Sinn. Für mich bedeutet Feierabend vor allem, den Arbeitsplatz hinter mir zu lassen und in die eigene Welt einzutauchen. Das kann bedeuten, nach Hause zu gehen, sich in den eigenen vier Wänden zu entspannen, die Füße hochzulegen, ein gutes Essen zuzubereiten oder einfach nur die Ruhe zu genießen. Es sind Momente, in denen ich abschalten möchte, um wieder Kraft zu tanken für die kommenden Tage. Für mich ist das die Zeit, in der ich mich mit meinen Lieben umgeben möchte, sei es bei einem gemütlichen Abendessen, einem Spaziergang im Park oder beim Spielen mit meinen Kindern. All diese Dinge sind für mich die wahren Aktivitäten, die meinen Feierabend ausmachen, weil sie mir Freude, Erholung und das Gefühl geben, wieder bei mir selbst anzukommen. Doch zunehmend wird diese Vorstellung durch eine andere ersetzt, die kaum noch mit dem ursprünglichen Sinn des Feierabends zu tun hat.

Die Entstehung der sogenannten After-Work-Events

Vor einigen Jahren wurde es in den meisten Unternehmen zur Mode, sogenannte After-Work-Partys zu veranstalten. Diese Treffen fanden meist noch vor dem eigentlichen Feierabend statt, oft schon ab halb sieben am Abend, und waren mit kleinen Häppchen und Getränken gestaltet. Entwickelt wurden diese Veranstaltungen vor allem für Menschen, die in kreativen, modernen Branchen tätig waren, wie Beratung, Werbung oder Medien. Die Idee dahinter war, den Teamgeist zu fördern, den Austausch zwischen den Mitarbeitern zu intensivieren und die Zusammenarbeit auch außerhalb des normalen Arbeitsplatzes zu stärken. Es wurde propagiert, dass man bei einem gemeinsamen Essen und Trinken die Gelegenheit hätte, die Kollegen besser kennenzulernen, sich informell auszutauschen und betriebliche Probleme in lockerer Atmosphäre zu besprechen. Ziel war es, die interne Kommunikation zu verbessern, ohne dabei die Arbeitszeit zu belasten und gleichzeitig den Zusammenhalt im Team zu fördern. Diese Veranstaltungen wurden als eine Art moderne, entspannte Alternative zu klassischen Teambuilding-Maßnahmen betrachtet.

Die Realität hinter den scheinbar lockeren Treffen

In der Praxis sah die Realität jedoch meist ganz anders aus. Viele der Treffen waren geprägt von einer eher gedrückten Stimmung, weil sich die Teilnehmer oft nur widerwillig dazu durchringen konnten, an den Veranstaltungen teilzunehmen. Manche waren beleidigt, weil sie erst kurz vorher informiert wurden und sich im Nachhinein ausgeschlossen fühlten, andere kamen widerwillig, weil sie eigentlich noch Familienverpflichtungen hatten, die sie nicht vernachlässigen wollten. Es gab auch diejenigen, die einfach keine Lust hatten, sich in eine ungewohnte Atmosphäre zu begeben und deshalb mit schlechter Laune erschienen oder die Location als langweilig empfanden. Besonders eine bestimmte Person, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftrat, war Mechthild, die für ihre spröde Art bekannt war. Die meisten Anwesenden waren eher ratlos, wussten nicht so recht, warum sie überhaupt hier waren, und verbrachten die meiste Zeit damit, die Häppchen zu essen oder sich gegenseitig zu ignorieren. Es war eine Veranstaltung, die kaum den gewünschten Effekt erzielte, sondern eher den Eindruck vermittelte, dass hier eher Pflichtgefühl statt echter Freude im Vordergrund stand.

Das Unerwartete: Der Wendepunkt

Doch dann geschah etwas Unerwartetes, das alles änderte. Es war eine dieser Situationen, in denen man eigentlich nur noch den Kopf schütteln kann. Der Kollege namens Detlef, der diese Treffen initiiert hatte, entschied sich, einen neuen Geschäftsführer einzustellen. Dieser neue Chef zeigte sich jedoch sofort von seiner schlechtesten Seite, benahm sich respektlos, arrogant und unüberlegt gegenüber fast allen im Team. Seine Art, mit den Mitarbeitern umzugehen, war so respektlos, dass sie bei den meisten einen tiefen Groll auslöste. Statt den Teamzusammenhalt zu fördern, schweißte ihn diese Situation vielmehr zusammen, weil alle gemeinsam den Ärger, die Frustration und den Unmut über den neuen Chef teilten. Es war eine Situation, die auf den ersten Blick sehr schlecht aussah, doch auf eine seltsame Weise führte sie dazu, dass sich eine Art Gemeinschaft bildete. Es war ein alter Spruch, der in solchen Momenten immer wieder genannt wird, und er bewahrheitete sich hier: Das Glück eines Ortes hängt davon ab, dass es jemanden gibt, den alle hassen können. Es war erstaunlich zu sehen, wie sich die Stimmung im Team änderte. Plötzlich trafen sich einige Mitarbeiter regelmäßig nach der Arbeit in einer kleinen Bar, um gemeinsam Dampf abzulassen, den Frust zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen. Diese Treffen wurden zu einer Art Zuflucht, in der man die Anspannung loswerden konnte, ohne sich in offener Konfrontation mit dem Chef zu befinden. Ich war damals mit dabei, voller Elan und voller Wut, und fühlte mich durch diese gemeinsame Ablehnung irgendwie in der Gruppe integriert. Doch mit der Zeit wurde mir klar, dass diese Art des Zusammenkommens nur eine kurzfristige Lösung war. Die Stimmung begann sich zu verändern, und ich fragte mich, warum ich mich überhaupt noch so sehr darüber aufregen sollte, wenn ich dafür kein Geld bekam und sich nichts an der Situation änderte. Diese Gedanken kamen mir während eines dieser Abende, und ich erkannte, dass wir eigentlich nur eine gemeinsame Leidenschaft hatten: das Schimpfen. Es war eine gemeinsame Beschäftigung, die uns alle verbunden hatte, aber gleichzeitig auch zeigte, wie wenig wir wirklich miteinander verband. Nur Mechthild und Markus, die nach dem zweiten Gin enger zusammenkamen, waren die Ausnahme. Ich wurde mit der Zeit immer weniger interessiert an diesen Treffen, denn die Anfänge, die eigentlich einmal eine Chance zur Verbesserung hätten sein sollen, waren längst vorbei. Für mich war endgültig Schluss, als ich realisierte, dass diese Treffen vor allem dazu dienten, sich gegenseitig die Frustration von der Seele zu reden, ohne dass daraus nachhaltige Lösungen entstanden.

Der harte Kern bleibt treu – doch für mich ist Schluss

Der sogenannte harte Kern, die Gruppe derjenigen, die regelmäßig und loyal in der kleinen Bar zusammensaßen, hat sich bis heute gehalten. Sie haben daraus eine Art Institution gemacht, bei der jeder weiß, wann und wo die Treffen stattfinden. Für diese Gruppe mag das alles noch einen gewissen Reiz besitzen, doch für mich persönlich ist das vollkommen irrelevant geworden. Ich möchte nach der Arbeit keine Zeit mehr in Bars verbringen, um über die Kollegen oder den Chef zu lästern. Ich möchte einfach nur nach Hause gehen, den Alltag hinter mir lassen, den Alltagsstress abstreifen und den Moment mit meinen Lieben genießen. Für mich bedeutet das, den Tag abzuschließen und in Ruhe die eigenen vier Wände zu betreten, um dort die Ruhe zu finden, die mir im Alltag so sehr fehlt. Ich möchte keine oberflächlichen Gespräche führen, keine Gespräche über die Arbeit, keine Klatschereien über Kollegen. Es ist für mich eine bewusste Entscheidung geworden, diese Art von Veranstaltungen zu meiden, weil ich erkannt habe, dass sie mir nichts bringen, sondern im Gegenteil nur unnötigen Stress und Frustration schaffen. Ich möchte meine Freizeit so gestalten, dass sie mir wirklich Freude bereitet und mich entspannt, statt mich in sinnlosen Gesprächen und oberflächlichen Begegnungen zu verlieren.

Der Versuch, sich zu verweigern

Bis vor Kurzem habe ich immer wieder versucht, eine Ausrede zu finden, warum ich an solchen Veranstaltungen nicht teilnehmen kann. Ich habe mir eingeredet, dass ich keine Lust habe, dass ich keine Zeit habe oder dass ich einfach keine Lust auf diese Art von Gesellschaft. Ich hoffte, dass irgendwann niemand mehr nachfragt, und ich so meinen Frieden finden könnte. Doch diese Hoffnung hat sich als trügerisch erwiesen. Es kam immer wieder die gleiche Frage: „Heute ist Freitag! Du weißt doch, was das bedeutet, oder?“ Die meisten Kollegen, vor allem Sandra aus der Buchhaltung, waren regelrecht begeistert, wenn es um diese Treffen ging, und konnten kaum erwarten, dass sie mich auch dazu überreden konnten. Ich versuchte zwar, mit einem freundlichen, aber bestimmten Ton zu antworten, dass ich nicht kommen würde, doch es half wenig. Die Einladung wurde immer wieder erneuert, und ich konnte nur widerwillig ablehnen. Ich wollte eigentlich nur meine Ruhe haben und meine eigenen Pläne verwirklichen. Doch ich erkannte, dass ich mich nicht mehr hinter Ausreden verstecken konnte. Beim nächsten Mal, wenn wieder jemand fragt, ob ich mitkommen will, werde ich einfach klar sagen: „Nein, danke, ich habe keine Lust.“ Es ist erstaunlich, wie viel einfacher das Leben sein kann, wenn man den Mut hat, klare Grenzen zu setzen und sich nicht von gesellschaftlichem Druck beeinflussen zu lassen. Es ist für mich eine bewusste Entscheidung, künftig meine Freizeit so zu gestalten, dass sie mir wirklich Freude bringt, und nicht mehr in sinnlosen Veranstaltungen zu verschwenden, die mich nur unglücklich machen.

Das eigene Leben in die Hand nehmen

Letztlich habe ich für mich erkannt, dass es wichtig ist, zu wissen, was einem persönlich guttut und was nicht. Es geht darum, die eigenen Grenzen zu setzen und den Mut zu haben, diese auch einzuhalten. Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man sich gegen den Druck der Gesellschaft oder des Arbeitsumfelds stellt, sondern vielmehr ein Akt der Selbstachtung. Für mich bedeutet das, künftig keine Veranstaltungen mehr zu besuchen, die nur dazu dienen, oberflächliche Kontakte zu pflegen oder den Frust zu teilen. Stattdessen möchte ich meine Freizeit bewusst gestalten, um sie wirklich genießen zu können. Es ist ein befreiendes Gefühl, sich selbst treu zu bleiben und die eigenen Prioritäten klar zu definieren. Denn letztlich ist das Leben zu kurz, um es mit Dingen zu verschwenden, die einem nichts bringen oder einen nur unglücklich machen. Es ist an der Zeit, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und das Leben so zu führen, wie es einem am besten entspricht.