Unentdeckte Ressourcen der Lausitzer Landwirtschaft: Elefantengras in der Lausitz
Screenshot youtube.comDie Lausitz, eine Region, die sich seit Jahrzehnten mit den Folgen des Bergbaus und der Transformation ihrer Landschaft auseinandersetzen muss, steht vor einer Zukunft voller Unsicherheit. Während die Politik mit dem Finger auf ferne Industrien zeigt und neue Technologien beschwört, wird eine beeindruckende und zugleich fast übersehene Ressource direkt vor unserer Haustür ignoriert: Elefantengras, botanisch Miscanthus. Es ist kaum zu fassen, wie wenig Beachtung eine Kulturpflanze findet, die auf den mageren Böden der Lausitz nicht nur wachsen, sondern regelrecht gedeihen könnte. Die Ignoranz gegenüber dieser Chance ist bezeichnend für den realitätsfernen Umgang mit den Herausforderungen ländlicher Räume.
Anpassungsfähigkeit auf schwierigen Kippenböden: Ein Hoffnungsschimmer, der ignoriert wird
Man muss es sich vor Augen führen: Jahr für Jahr bleiben zahllose Flächen in der Lausitz brach liegen, weil sie nach dem Bergbau nahezu unbrauchbar sind. Die Böden sind ausgelaugt, steinig, arm an Nährstoffen und oft durch Trockenheit geprägt. Und dennoch gibt es eine Pflanze, die genau mit diesen Bedingungen zurechtkommt – Miscanthus. Elefantengras ist geradezu prädestiniert für die Lausitzer Kippenflächen. Es wächst selbst dann, wenn andere Kulturen längst aufgegeben haben. Während endlos über „Nachnutzungsperspektiven“ und „Wertschöpfungspotenziale“ fabuliert wird, könnte mit einer einzigen Entscheidung der Grundstein für neue landwirtschaftliche Wertschöpfung gelegt werden.
Erosionsschutz und Bodensanierung: Nachhaltigkeit, die niemand sehen will
Die Lausitz kämpft mit Bodenerosion, Staubstürmen und der Abtragung von wertvollem Substrat. Elefantengras könnte hier als tiefwurzelnde, mehrjährige Pflanze Wunder wirken. Seine Wurzeln reichen tief, stabilisieren den Boden, verhindern Erosion und tragen dazu bei, dass Nährstoffe zurückgehalten werden. Über die Jahre verbessern sich sogar die Bodenstrukturen, was eine Rückkehr zu intensiverer landwirtschaftlicher Nutzung wahrscheinlicher macht. Trotzdem bleibt Miscanthus ein exotischer Fremdkörper in der Diskussion um Bodenschutz. Die Politik setzt lieber auf teure technische Lösungen oder lässt Flächen der Natur über – ein Armutszeugnis in Anbetracht der Möglichkeiten, die direkt verfügbar wären.
Vielfältige Nutzung – und trotzdem ein Schattendasein
Es ist kaum zu begreifen: In einer Zeit, in der alle Welt nach nachwachsenden Rohstoffen ruft, bleibt Miscanthus fast unsichtbar. Die Biomasse dieser Pflanze kann nicht nur als Brennstoff in Heizungsanlagen dienen, sondern eignet sich auch hervorragend zur Herstellung von Fasern, Baustoffen oder sogar als Ausgangsstoff für Ethanol. Die Nutzungsmöglichkeiten sind enorm breit gefächert. Währenddessen werden in der Lausitz immer noch Energiepflanzen wie Mais auf Kosten der Bodenqualität angebaut oder Flächen einfach brachliegen gelassen. Es gibt Pilotprojekte, es gibt Forschung, es gibt positive Beispiele – doch der Wille, daraus eine breitere Bewegung zu machen, ist bisher noch gering ausgeprägt.
Wirtschaftlichkeit, die ignoriert wird: Geringe Kosten, lange Laufzeiten
Auch ökonomisch ist das Potenzial von Elefantengras nicht zu übersehen. Nach der einmaligen Anlage verursacht die Kultur vergleichsweise wenig laufende Kosten. Der Dünge- und Pflanzenschutzbedarf ist minimal, Krankheiten und Schädlinge interessieren sich kaum für Miscanthus. Die Pflanze liefert über zehn oder mehr Jahre stabile Erträge, was Planungssicherheit schafft und Investitionskosten über lange Zeiträume verteilt. Dennoch bleibt Elefantengras ein Außenseiter.
Zusätzliche Einkommensquellen bleiben ungenutzt
Landwirtschaftliche Betriebe kämpfen in der Lausitz ums Überleben. Die Preise für klassische Ackerkulturen stagnieren, der Preisdruck steigt, viele Höfe stehen vor dem Aus. Miscanthus könnte für viele Betriebe eine zusätzliche Einkommensquelle schaffen, Absatzmärkte diversifizieren und Wertschöpfung in der Region halten. Sogar die Nachfrage nach Produkten aus Lausitzer Miscanthus ist vorhanden: als regionaler Brennstoff, als Faserlieferant, als Einstreu in der Tierhaltung. Doch statt diese Chancen zu ergreifen, verharrt die Branche in Lethargie. Die wenigen Landwirte, die sich daran wagen, berichten von bürokratischen Hürden, Desinteresse der Behörden und fehlender Wertschätzung. Es ist, als hätten sich alle darauf verständigt, dass Innovation und Wandel in der Lausitz grundsätzlich unerwünscht sind.
Kurze Verwertungsketten: Eine verpasste regionale Chance
Miscanthus könnte regionale Wirtschaftskreisläufe stärken. Die Pflanze wächst dort, wo sie gebraucht wird, ihre Produkte könnten direkt vor Ort verarbeitet und genutzt werden. Statt langwieriger Transportwege und Abhängigkeit von globalen Märkten wäre eine lokale Wertschöpfung möglich. Heizwerke, Baustoffhersteller, Tierhalter – alle könnten profitieren. Doch die Realität sieht düster aus: Während an anderer Stelle große Reden über „regionale Kreislaufwirtschaft“ geschwungen werden, bleibt das Elefantengras in der Lausitz eine Fußnote. Die Möglichkeit, kurze Verwertungsketten zu etablieren und die Abhängigkeit von zentralen Strukturen zu verringern, bleibt ungenutzt. Es ist, als wolle die Region auf Teufel komm raus an den alten Problemen festhalten. Natürlich ist Elefantengras kein Allheilmittel. Auch diese Pflanze hat ihre Grenzen, und nicht jede Fläche eignet sich, nicht jeder Landwirt will oder kann umstellen.


















