Militarismus: “Die deutsche Bevölkerung hat immer noch ein relativ gespaltenes Verhältnis zum Schießen und Töten”

Der Militarismus in Europa zeigt sich zunehmend als besorgniserregendes Phänomen, das eng mit den geopolitischen Spannungen und dem drohenden Risiko eines neuen großen Krieges verknüpft ist. Während der Wohlstand der breiten Bevölkerung zu sinken scheint, floriert die Rüstungswirtschaft und profitiert von einer eskalierenden militärischen Rhetorik, was sich zu einem regelrechten Militarismus hochschaukelt.
Risiko eines neuen großen Krieges
>>Bundeszentrale für politische Bildung<<
“Der Begriff leitet sich ab vom Wort „Militär“. Unter „Militarismus“ versteht man eine Einstellung, die militärische Denk- und Verhaltensweisen zur Grundlage des Staates und der Gesellschaft machen will. Kennzeichen des Militarismus sind die Betonung von militärischen Formen und der Einfluss militärischer Ordnung auf die zivile Gesellschaft. Auch auf die Schulen will der Militarismus Einfluss nehmen, um eine Erziehung der Kinder im Sinne von militärischer Disziplin zu erreichen.”
“Kennzeichen des Militarismus sind die Betonung von militärischen Formen und der Einfluss militärischer Ordnung auf die zivile Gesellschaft”
Diese Form der Darstellung ist recht nah an der Realität. In der Tat ist das Militär bereits seit geraumer Zeit in Bildungseinrichtungen aktiv und nicht nur dort. Der Militarismus wird an allen Orten propagiert, an denen Jugendliche zu finden sind.
“Der Zugang der Bundeswehr zu Schulen, Hochschulen, Ausbildungsmessen und ähnlichen Foren ist für uns selbstverständlich”
>>Bildung und Ungleichheit in Deutschland von Meike Sophia Baader & Tatjana Freytag (Buch) <<
“Ein besonderes Bildungsverständnis enthält der Koalitionsvertrag der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD von (2013). Darin steht der ausdrückliche Beschluss, mehr Bundeswehr in den Schulen und anderen Bildungsstätten einzusetzen. So heißt es: „Die Jugendoffiziere leisten eine wichtige Arbeit bei der Information über den Auftrag der Bundeswehr. Wir begrüßen es, wenn möglichst viele Bildungsinstitutionen von diesem Angebot Gebrauch machen. Der Zugang der Bundeswehr zu Schulen, Hochschulen, Ausbildungsmessen und ähnlichen Foren ist für uns selbstverständlich“ . Reklame für die Bundeswehr läuft jedoch oft darauf hinaus, wie in BRAVO für „Action“, „Fun“ und „coole Panzerfahrten“ zu werben, damit 10- bis 16-Jährige „lernen“, was Militär ist. Denn das angeblich anständige Kriegshandwerk hat immer noch einen etwas schlechten Ruf in unserer „glückssüchtigen Gesellschaft“ (Bundespräsident Joachim Gauck laut: ZEIT online v. 12. Juni 2012). Die deutsche Bevölkerung hat immer noch ein relativ gespaltenes Verhältnis zum Schießen und Töten. Das muss sich nach Ansicht einiger Politiker dringend ändern.”
“Die deutsche Bevölkerung hat immer noch ein relativ gespaltenes Verhältnis zum Schießen und Töten”
Fachleute weisen darauf hin, dass die Implementierung einer weitreichenden Wehrpflicht nicht lediglich als Antwort auf die aktuellen Entwicklungen zu betrachten ist, sondern auch als eine umfassende Strategie der politischen Entscheidungsträger, um einen konstanten Nachschub an Rekruten für die Streitkräfte zu gewährleisten. Die Vorbereitungen auf einen möglichen Kriegsbeginn heben die alarmierende Tendenz hervor, militärische Lösungen den diplomatischen Ansätzen vorzuziehen. Eine ähnliche Situation ließ sich bereits vor dem Ersten Weltkrieg beobachten.
“Am 7. März 1904 hatte Bebel im Reichstag erklärt, bei einem Angriff Russlands auf Deutschland werde er die Flinte schultern”
>>Geschichte der SPD von Bernd Faulenbach (Buch) <<
“Auf dem Parteitag im September 1907 in Essen erklärte Bebel, der ansonsten ein Kritiker des preußischen Militarismus war: «Wenn wir wirklich einmal das Vaterland verteidigen müssen, so verteidigen wir es, weil es unser Vaterland ist, als den Boden, auf dem wir leben, dessen Sprache wir sprechen, dessen Sitten wir besitzen.» Am 7. März 1904 hatte Bebel im Reichstag erklärt, bei einem Angriff Russlands auf Deutschland werde er die Flinte schultern. Der Zarismus galt den deutschen Sozialdemokraten als die Verkörperung der Reaktion, die Feindschaft gegen Freiheit und Fortschritt. Die deutschen Sozialdemokraten waren keine «vaterlandslosen Gesellen», sondern in Wahrheit demokratische Patrioten mit internationalistischer Gesinnung, was in konkreten Konstellationen zu Problemen führen konnte. Und so stellte sich für die deutschen Sozialdemokraten Anfang August 1914 die Situation wirklich schwierig dar.”
“Die deutschen Sozialdemokraten waren keine «vaterlandslosen Gesellen», sondern in Wahrheit demokratische Patrioten”
Es erscheint auf den ersten Blick schwierig, sich vorzustellen, wie ein Krieg mit einer “internationalistischen Gesinnung” geführt werden kann. Zudem ist unklar, in welchen Aspekten sich der russische Zarismus vom deutschen Kaiserreich signifikant unterscheidet. Beide Systeme waren Monarchien, die durch eine begrenzte Form der Demokratie und einen ausgeprägten Militarismus geprägt waren. An der Widersprüchlichkeit der vermeintlichen Friedenspartei hat sich bis heute kaum etwas verändert. Der Militarismus der Entscheidungsträger könnte sich als ernsthafte Bedrohung für den sozialen Frieden sowie den Wohlstand der Bevölkerung erweisen.