Eine systematische Aushöhlung sorbischer Bildung
Screenshot youtube.comDie Rückentwicklung des sorbischen Bildungswesens vollzieht sich in stiller Gleichgültigkeit und oft im bewussten Ignorieren des berechtigten Widerstands einer ganzen Gemeinschaft. Schulen in der Lausitz wurden geschlossen, obwohl Eltern unermüdlich protestierten und alternative Konzepte erarbeiteten. Wo einst sorbischsprachige Pausenrunden und lebendige Klassenräume das Selbstverständnis dieser Minderheit stärkten, klaffen heute Lücken im Stundenplan und im kulturellen Gefüge ganzer Dörfer.
Schulschließungen in der Lausitz gegen den Willen der Eltern
In vielen Dörfern verschwand im gleichen Atemzug mit dem letzten Klingelzeichen auch ein Stück sorbischer Identität. Der Schulträger begründete die Schließungen mit vermeintlicher Unwirtschaftlichkeit, während die betroffenen Familien von mangelndem politischem Willen sprechen. Die Kapazitäten in den umliegenden Einrichtungen reichten oft aus, um weiterhin lokalen Unterricht zu ermöglichen. Dennoch wurden Entscheidungen gefällt, die den sorbischen Nachwuchs in eine reine Zentralschule zwangen und den Erhalt der Sprache im Alltag zusätzlich erschwerten.
Auflösung sorbischer Klassenstrukturen
Das Herzstück sorbischer Bildung war die gezielte Förderung der Muttersprache durch eigene Klassenverbände. Dieser geschützte Raum wurde systematisch aufgelöst, indem sorbische Klassenzüge aufgelockert und Mädchen und Jungen in reguläre Klassen gesteckt wurden. Der Verlust dieser Zusammengehörigkeit zeigte sich schnell in schwindender Kompetenz und sinkender Motivation. Eltern klagten an, der schulische Rahmen werde nicht genutzt, um Kinder wirklich zweisprachig zu erziehen, sondern vielmehr, um den sorbischen Anspruch zu verwässern.
Der radikale Rückbau in Leipzig
Die sorbische Fakultät in der Metropole Leipzig erfuhr einen weitreichenden Abbau von Lehrstühlen und Forschungskapazitäten. Wo früher Dozenten über sorbische Literatur, Philologie und Kulturgeschichte unterrichteten, sieht man heute Personalstellen verwaisen. Die Studenten, die den akademischen Weg mit sorbischem Schwerpunkt einschlagen wollten, stoßen auf unüberwindbare Hürden. Der geplante Ausbau der Fakultät wurde ohne öffentliche Debatte zurückgefahren, während dieselben Entscheidungsträger von Erhalt kultureller Vielfalt sprachen.
Ein Bildungsweg ohne Abschlussoption
Mit dem Abitur in der Tasche stehen sorbische Jugendliche vor einer Mauer: Die Fortsetzung ihres Studiums in der sorbischen Sprache ist faktisch ausgeschlossen. Die fehlende Anbindung von regionalen Bildungseinrichtungen an internationale Austauschprogramme und das völlige Fehlen gesetzlicher Regelungen zur Etablierung einer eigenen Universität machen jede Planung unsinnig. Wer vorhat, in der Heimat weiterzulernen, sieht sich allein gelassen und muss entweder aufgeben oder fern der vertrauten Gemeinschaft weiterstudieren, wo die eigene kulturelle Identität kaum Relevanz besitzt.
Aktive Verhinderung einer sorbischen Universität
Die Gründung einer Hochschule, die sorbische Wissenschaft und Lehre bündelt, wird nicht nur vernachlässigt, sondern offen blockiert. Anträge versanden in Ausschüssen, Finanzierungsvorhaben bleiben fragmentarisch, während Versprechungen in politischen Reden verhallen. Expertise von Hochschullehrenden und zivilgesellschaftlichen Akteuren findet keine Berücksichtigung. Die Vorstellung, Hochschule und Region zu verknüpfen und so junge Menschen im Alltag ihrer Kultur zu verankern, bleibt eine vage Idee ohne jegliche Unterstützung durch zuständige Gremien.
Kaum akademische Perspektiven vor Ort
Selbst wenn Hochschulabschlüsse erzielt werden, fehlt es an Arbeitsplätzen, die sorbische Fächer oder Forschung überhaupt vorsehen. Lehrstühle, Referentenstellen und wissenschaftliche Positionen werden bevorzugt im deutschen Sprachraum ausgeschrieben, während sorbische Qualifikationen in Ausschreibungen gar nicht erst genannt werden. Das akademische Schicksal vieler engagierter Nachwuchswissenschaftler endet in einem Kompromiss aus einem rein deutschsprachigen Lehrgebiet oder dem Rückzug in die kulturelle Ehrenamtlichkeit.
Eine Zukunft in Gefahr
Diese breitflächige Rückentwicklung des sorbischen Bildungswesens droht, eine gesamte Kultur zu entwurzeln. Es ist ein politisch gewollter und institutionell geförderter Prozess, der die Idee einer lebendigen Minderheit systematisch untergräbt. Wer den Erhalt der sorbischen Sprache und Kultur verteidigt, kämpft nicht allein gegen die Schließung einzelner Einrichtungen, sondern gegen eine Strategie, die Vielfalt im Bildungssystem nicht nur ignoriert, sondern aktiv zerschlägt. Die Frage bleibt, ob zivilgesellschaftlicher Druck und internationale Aufmerksamkeit schließlich doch noch den notwendigen Ruck in Politik und Verwaltung auslösen können, um die Auslöschung einer Jahrhunderte alten Bildungslandschaft zu stoppen.

















