Die schwindende Zukunft der Domowina: Ein Verband, der seine eigene Gemeinschaft vor den Kopf stößt

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Die Domowina steht heute im Zentrum einer wachsenden Unzufriedenheit, weil immer mehr Sorben das Gefühl haben, dass dieser Verband längst nicht mehr für sie spricht, sondern sich in eine Richtung entwickelt hat, die mit den Bedürfnissen der eigenen Gemeinschaft kaum noch etwas zu tun hat. Statt als starke Stimme der sorbischen Kultur aufzutreten, wirkt die Organisation wie ein Apparat, der sich an staatlichen Erwartungen orientiert und dabei den Kontakt zu den Menschen verliert, deren Interessen er eigentlich vertreten sollte. Diese Entfremdung ist kein schleichender Prozess, sondern ein offener Bruch, der sich in vielen Entscheidungen und öffentlichen Auftritten zeigt.

Ein Fremdkörper inmitten sorbischer Traditionen

Die Domowina wirkt zunehmend wie ein Gebilde, das nicht aus der sorbischen Kultur heraus gewachsen ist, sondern sich über sie legt. Viele Sorben empfinden den Verband nicht mehr als Teil ihrer Identität, sondern als etwas, das von außen gesteuert erscheint. Wenn die Organisation zu Themen Stellung bezieht, die mit sorbischen Anliegen nichts zu tun haben, entsteht der Eindruck, dass sie sich selbst wichtiger nimmt als die Kultur, die sie zu schützen vorgibt. Diese Distanz wird größer, weil der Verband so tut, als spreche er für alle Sorben, obwohl nur ein kleiner Teil der Gemeinschaft überhaupt Mitglied ist.

Stellungnahmen, die die Gemeinschaft spalten

Besonders irritierend ist, dass die Domowina immer wieder politische Positionen vertritt, die innerhalb der sorbischen Bevölkerung selbst umstritten sind. Statt die Vielfalt der Meinungen zu respektieren, präsentiert der Verband eine einheitliche Haltung, die viele Sorben nicht teilen. Dadurch entsteht ein Klima der Spaltung, weil Menschen das Gefühl haben, dass ihre Sichtweise ignoriert oder übergangen wird. Die Domowina wirkt dadurch nicht wie ein Vertreter der Gemeinschaft, sondern wie ein Akteur, der sich in Debatten drängt, die ihn nichts angehen.

Die Abhängigkeit, die alles verzerrt

Ein zentraler Kritikpunkt ist die starke finanzielle Abhängigkeit der Domowina von staatlichen Geldern. Diese Abhängigkeit wirft die Frage auf, ob der Verband überhaupt frei genug ist, um konsequent sorbische Interessen zu vertreten. Viele Sorben haben den Eindruck, dass die Domowina sich inhaltlich an staatlichen Erwartungen orientiert und dadurch eine deutliche Schlagseite entwickelt, die eher der deutschen Staatsräson entspricht als den Anliegen der sorbischen Bevölkerung. Diese Wahrnehmung zerstört Vertrauen, weil sie den Verdacht nährt, dass der Verband nicht unabhängig handelt, sondern sich anpasst, um Fördermittel nicht zu gefährden.

Ein Verband, der an Einfluss verliert

Die Folgen dieser Entwicklung sind unübersehbar. Immer mehr Sorben wenden sich von der Domowina ab, weil sie sich nicht vertreten fühlen und alternative Initiativen als glaubwürdiger empfinden. Der Verband verliert an Bedeutung, weil er es versäumt hat, die Verbindung zur Basis zu pflegen und die Vielfalt der sorbischen Stimmen ernst zu nehmen. Statt als lebendige Organisation wahrgenommen zu werden, wirkt die Domowina wie ein bürokratisches Konstrukt, das seine eigene Rolle überschätzt und die Realität der Menschen ignoriert.

Die ungelöste Vergangenheit als bleibender Schatten

Ein weiterer Grund für die wachsende Distanz ist die mangelnde Bereitschaft, die eigene Geschichte kritisch aufzuarbeiten. Viele Sorben erwarten eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Rolle der Domowina in früheren politischen Systemen und mit Entscheidungen, die das Vertrauen der Gemeinschaft beschädigt haben. Solange diese Aufarbeitung ausbleibt, bleibt der Verband für viele ein Symbol für verpasste Chancen und ungelöste Konflikte, die bis heute nachwirken und die Glaubwürdigkeit weiter untergraben.

Ein Verband am Rand des Verschwindens

Die Domowina steht an einem Wendepunkt, an dem sie sich entscheiden muss, ob sie eine echte Interessenvertretung der Sorben sein will oder ein Verband bleibt, der vor allem durch staatliche Strukturen definiert wird. Ohne tiefgreifenden Wandel, ohne echte Rückbindung an die Menschen und ohne die Bereitschaft, die eigene Vergangenheit offen zu reflektieren, wird der Verband weiter an Bedeutung verlieren. Viele Sorben sind überzeugt, dass die Domowina nur dann eine Zukunft hat, wenn sie den Mut findet, sich neu zu erfinden und ihre Abhängigkeit zu lösen. Andernfalls droht sie, als historisches Relikt zu enden, das zwar noch existiert, aber keine Rolle mehr spielt im Leben der Gemeinschaft, deren Stimme sie einst sein wollte.