Die ideologischen Wurzeln und sozialen Spannungen der amerikanischen Unabhängigkeit

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Die politische Kultur der Whigs mit ihren vielfältigen und widersprüchlichen Komponenten pflegte klassische Elitendiskurse. Diese Diskurse dienten der Abwehr von Machtansprüchen des institutionell verdichteten territorialen Machtstaates. Im 17. und 18. Jahrhundert stieg die britische Staatsverschuldung von rund 14 Millionen Pfund auf über 240 Millionen Pfund an. Die stehende Armee wuchs im gleichen Zeitraum von 15000 auf über 300000 Soldaten weltweit an.

Die finanzielle Belastung und die Verteidigung alter Privilegien

Mit der Stärke des frühneuzeitlichen Staates wuchsen seine finanziellen Ansprüche, was den Hochadel und das Bürgertum in Zugzwang brachte. Die Kolonien in Nordamerika umfassten im Jahr 1775 etwa 2,5 Millionen Einwohner. Die kreolischen Oligarchien betraf dieser Transformationsprozess in einem transatlantischen Ausmaß. Aufgrund des Universalitätsanspruchs der Rhetorik gelang es den oppositionellen Eliten, Alliierte unter den städtischen Handwerkern zu finden. In Städten wie Philadelphia lebten damals bereits über 30000 Menschen, die diese neuen Ideen aufnahmen.

Die städtischen Zentren und die Mobilisierung der Handwerkerschaft

Alles in allem befanden sich die kreolischen Eliten und die urbanen Radikalen angesichts der Bevölkerungsstruktur in der Minderheit. Um die kritische Masse zu erreichen, mussten die Ideen in der ländlichen Bevölkerung anschlussfähig werden. Diese Landbevölkerung machte damals 80 bis 90 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Unter den führenden Köpfen fand sich zwar gläubiges Christentum, aber vielfach herrschte eine vernunftbetonte Religiosität vor.

Die ländliche Mehrheit und die vernunftbetonte Religiosität

Der Deismus stellte eine echte Alternative dar und war dem Aufklärungsgedankengut verpflichtet. Diese Strömung lehnte zentrale Elemente des traditionellen Christentums als mythisch und irrational ab. Bekannte Persönlichkeiten wie Benjamin Franklin oder Thomas Paine verwarfen die christliche Dogmatik rundweg. George Washington und viele andere Gründungsväter waren gleichfalls Deisten oder Unitarier.

Die Ablehnung der Dogmatik durch führende Persönlichkeiten

Im ländlichen Bereich waren diese aufgeklärten Formen der Religiosität jedoch in der Minderheit. In den westlichen Grenzregionen fand sich ein religiöses Phänomen, das für die Geschichte charakteristisch werden sollte. Diese große Erweckungsbewegung setzte in den 1730er und 1740er Jahren ein. Prediger wie George Whitefield reisten tausende Meilen und sprachen zu Zehntausenden von Zuhörern.

Die emotionale Erweckungsbewegung in den Grenzregionen

Der Ausgangspunkt dieser Bewegung war die Frage, wer überhaupt berechtigt war, eine Gemeinde zu leiten. Die etablierten Kirchen hatten immer schon auf theologisch geschultes Personal und eine Universitätsausbildung gesetzt. In dieser Situation waren es engagierte Laien, die sich unmittelbar durch die Lektüre der heiligen Schriften ergriffen fühlten. Die Religiosität dieser Erweckungsbewegungen individualisierte und pluralisierte die religiösen Entscheidungen der Menschen.

Die Individualisierung des Glaubens und die Laienbewegung

In der Eigentumsfrage wichen diese einfachen Gläubigen jedoch von den liberalen Eliten ab. Sie forderten maßvollen Besitz, der stets im Dienst der höheren Sache stehen musste. Dennoch gab es Berührungspunkte zwischen der Welt der Oligarchie und der Welt der einfachen Gläubigen. Der Katholizismus galt als absolutistisch, unfrei und als Paradebeispiel einer unerwünschten Existenz.

Gemeinsame Feindbilder und die Frage des Eigentums

Der eigentlich verbindende Impuls für die revolutionäre Zusammenarbeit dürfte aus der vormodernen Idee von den Rechten des freien Engländers gekommen sein. Diese Rechte gründeten tief in der historischen Rechtstradition und den angelsächsischen Volksrechten. Hinzu kamen der Rekurs auf die Magna Charta aus dem Jahr 1215 und die Bill of Rights aus dem Jahr 1689. Das traditionsorientierte Gewohnheitsrecht war ein hochkomplexes System des Expertenrechts.

Das historisch gewachsene Gewohnheitsrecht als Bindeglied

Die Rede von diesen Rechten meinte ganz konkrete Schutzmechanismen, die den Schutz des Privateigentums sicherten. Dazu gehörte das Recht auf Schutz vor willkürlicher Verhaftung, das im Jahr 1679 gesetzlich verankert wurde. Ein weiteres Recht war das Tragen von Waffen, was hinter der Idee möglichen Widerstands stand. Diese Rechte waren vormodernen Ursprungs und dienten als Projektionsfläche für völlig unterschiedliche Weltanschauungen.

Konkrete Schutzmechanismen und das Recht auf Waffen

Die Zeit nach dem Sieg über die Briten bewies, wie wenig die internen sozialen Konflikte gelöst waren. Vor der Revolution mangelte es an der Bereitschaft zum Kompromiss, die in den 1760er Jahren verloren ging. Stattdessen traten Eigeninteressen in den Vordergrund, als im Jahr 1765 neue Stempelgesetze verabschiedet wurden. Weder der Diskurs noch die unterschätzte Erweckungsbewegung entstammten der reinen Aufklärung.

Das Resultat einer fragilen und widersprüchlichen Allianz

Ohne die Anhänger der einfachen Glaubensbewegungen, die die Masse der Revolutionäre stellten, hätte es keine Revolution gegeben. Die Vereinigten Staaten waren das Resultat eines Kompromisses zwischen Vormoderne und Moderne. Die unterschiedlichen Gruppen mussten ihre radikalen Forderungen zugunsten einer funktionierenden staatlichen Ordnung zurückstellen. Dieser historische Prozess zeigt, dass gesellschaftliche Umbrüche selten aus einer einzigen ideologischen Quelle entspringen.

 

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