Die Ausbreitung des frühen Christentums im Römischen Reich
Screenshot youtube.comDie Entstehung und Verbreitung des Christentums in den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende stellt einen der bedeutendsten Vorgänge der antiken Geschichte dar und veränderte die religiöse Landschaft des Mittelmeerraumes grundlegend. In einer Welt, die vom Römischen Reich dominiert wurde und in der verschiedene Kulturen, Religionen und philosophische Strömungen aufeinandertrafen, entwickelte sich eine kleine jüdische Sekte zu einer Bewegung von weltgeschichtlicher Bedeutung. Die Art und Weise, wie sich diese neue Glaubensgemeinschaft ausbreitete, welche Methoden sie anwandte und auf welche sozialen Gruppen sie traf, wirft ein Licht auf die gesellschaftlichen Strukturen der Antike. Die folgende Betrachtung untersucht die Anfänge der christlichen Mission, ihre geographische und soziale Verbreitung sowie die äußeren Bedingungen, die diesen Prozess ermöglichten oder erschwerten. Dabei wird deutlich, dass die Ausbreitung des Christentums kein linearer Erfolg war, sondern von inneren Spannungen, äußerem Widerstand und komplexen historischen Faktoren geprägt wurde. Diese Entwicklung vollzog sich über mehrere Jahrhunderte hinweg und hinterließ bleibende Spuren in der Kulturgeschichte der Menschheit.
Der Missionsbefehl und seine historische Einordnung
Das nach dem Jahre siebzig in Syrien verfasste Matthäusevangelium schließt mit einem Auftrag zur weltweiten Verbreitung der Lehre und zur Gewinnung neuer Anhänger. Diese Aufforderung repräsentiert jedoch bereits eine spätere Entwicklungsstufe und entspricht nicht der Haltung der ersten urchristlichen Gemeinschaften in Palästina. Diese besaßen vielmehr kein auf die Missionierung der ganzen Welt ausgerichtetes Ziel und verstanden sich anders als spätere Generationen. Sie verstanden sich als eine innerjüdische Reformbewegung bei voller Einhaltung der jüdischen kultischen und ethischen Verpflichtungen in allen Lebensbereichen.
Die ursprüngliche Beschränkung auf das jüdische Volk
Dazu gehörte die Befolgung des jüdischen Gesetzes, der Thora, in allen Lebensbereichen und religiösen Praktiken. Die Botschaft, dass mit Jesus der erwartete Messias bereits gekommen sei, galt zunächst dem Hause Israel und dessen Angehörigen. Diese Situation spiegelt sich deutlich in den Jesusworten wider, die nur im Matthäusevangelium bewahrt wurden und eine begrenzte Sendung beschreiben. Den Anhängern wurde geraten, nicht auf den Abweg zu den Heiden zu gehen und auch keine Stadt der Samariter zu betreten.
Die Sendung zu den verlorenen Schafen Israels
Sie sollten vielmehr zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel gehen und dort wirken und die Botschaft verkünden. Jesus selbst antwortete laut dieser Überlieferung, er sei nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt worden. Der Missionsgedanke war dem Christentum also von Anfang an zu eigen und wichtig für die frühe Gemeinschaft. Nicht aber war ursprünglich eine Ausbreitung über die jüdische Gesellschaft hinaus geplant oder beabsichtigt von den ersten Anhängern.
Die Öffnung zur hellenistischen Welt
Die Erfolge unter den Juden waren aber sehr gering und enttäuschend für die Anhänger der neuen Lehre und ihrer Botschaft. Dagegen fand das Christentum gerade in der nichtjüdischen hellenistischen Welt Interesse und rasche Verbreitung unter vielen Menschen. Eine Begrenzung allein auf thoratreue Juden war in einer vom Hellenismus geprägten Welt gar nicht möglich und praktikabel. Diese Welt war durch lebhaften geistigen Austausch und kulturelle Durchmischung verschiedener Völker gekennzeichnet.
Jüdische Pilger als Vermittler der neuen Lehre
Jüdische Pilger aus der Diaspora versammelten sich an den hohen Festtagen in Jerusalem und brachten neue Ideen mit nach Hause. So konnte die neue jüdische Sekte auch hellenistisch geprägten Diasporajuden nicht verborgen bleiben und erreichte viele Menschen. Diese verbreiteten ihre Kenntnisse unter Juden und Nichtjuden im Reich weiter und trugen so zur Ausbreitung bei. Dieser neuen Situation hatte man sich zuerst in der christlichen Gemeinde der syrischen Metropole Antiocheia gestellt.
Der Beginn der Heidenmission von Antiocheia aus
Man bemühte sich hier um einen Konsens zwischen christlichen Juden und Nichtjuden und suchte gemeinsame Grundlagen für das Zusammenleben. Von Antiocheia ging auch die erste gezielte Heidenmission aus und verbreitete die Botschaft über traditionelle Grenzen hinweg. Von dieser Gemeinde war auch der Apostel Paulus entscheidend geprägt und in seinem Denken beeinflusst worden. Von den sich aus solchen Anforderungen ergebenden Problemen für die eigene christliche Identitätssuche bieten die apostolischen Schriften ein gutes Bild.
Die Beschlüsse des Apostelkonzils und ihre Folgen
Diese Schriften zeigen die Spannungen und Zerreißproben zwischen den unterschiedlichen Konzeptionen der thoratreuen Judenchristen in der frühen Kirche. Auch die thorafreien Judenchristen und die Heidenchristen hatten unterschiedliche Vorstellungen und Praktiken in ihren Gemeinden. Von der Vereinbarung auf dem Apostelkonzil in Jerusalem im Jahre achtundvierzig oder neunundvierzig berichten uns die apostolischen Überlieferungen. Die Judenchristen Jerusalems waren vor allem durch den Herrenbruder Jakobus, Petrus und Johannes vertreten.
Die Motivationen für die christliche Mission
Die antiochenische Gemeinde wurde durch Barnabas und Paulus vertreten und brachte ihre Positionen ein und zur Diskussion. Als Ergebnis wurde den Heidenchristen die Befolgung der kultischen Vorschriften der Thora erlassen und freigestellt. Nicht jedoch die Einhaltung der moralischen jüdischen Grundsätze wurde ihnen erlassen oder freigestellt und blieb verbindlich. Bei einem Besuch von Jakobus und Petrus in Antiocheia kam es dann aber doch in dieser Frage zu einer Spaltung der Gemeinde.
Die Vielfalt der Missionsmethoden im frühen Christentum
Paulus ging nun seine eigenen Wege und verfolgte seine Mission unabhängig von Jerusalem und den dortigen Autoritäten. In bitterem Ton berichtete Paulus in seinen Briefen über diese Entwicklungen und Konflikte und die daraus resultierenden Spannungen. Welches sind die Motivationen für die Mission und was trieb die frühen Christen an und gab ihnen Kraft. Es ist die Vermittlung des Heilsangebotes, von dessen Einmaligkeit man zutiefst überzeugt war und das man teilen wollte.
Die Überlieferung über namenlose Missionare
Umstritten ist in der Forschung, ob die Aussagen in den Evangelien die ursprüngliche Motivation wiedergeben oder später entstanden. Oder ob sie erst einem späterem Stadium der Entwicklung zuzuordnen sind, als für die Verzögerung des Kommens des Gottesreiches eine Erklärung gesucht wurde. Dieses Motiv spielte jedenfalls schon sehr früh eine Rolle und beeinflusste das Handeln der Missionare und ihre Entscheidungen. Die Verbreitung der Botschaft vom Reich Gottes sollte allen Völkern zum Zeugnis dienen, bevor das Ende kommen würde.
Die strategische Ausrichtung der paulinischen Mission
Am Anfang stand also weder eine allgemein akzeptierte Zielstellung der christlichen Mission noch eine einheitliche Methode für alle. Das Markusevangelium lässt uns prophetische Wanderprediger in Palästina erkennen, die mit einfachen Mitteln auskamen und reisten. Jesus rief die Zwölf zu sich, sandte sie zu zweien aus und gab ihnen Macht über die unreinen Geister und Dämonen. Sie sollten nichts mit auf den Weg nehmen außer einem Stab, kein Brot, keinen Ranzen, kein Geld im Gürtel.
Die westliche Ausrichtung und das Ende der paulinischen Mission
Nur mit Sandalen an den Füßen sollten sie reisen und nicht zwei Hemden anziehen für ihre Wanderungen. Wo sie in ein Haus eingekehrt waren, sollten sie bleiben, bis sie den Ort verließen und weiterzogen. Und wo man sie in einem Ort nicht aufnahm und ihnen nicht hören wollte, da sollten sie fortgehen und den Staub von ihren Füßen schütteln. Namen von Missionaren und andere Missionsmethoden überliefern uns die apostolischen Schriften und Briefe.
Die Konzentration auf städtische Zentren
Doch bleibt ein großer Teil der Missionare für uns namenlos und unbekannt und wirkt im Verborgenen für die Sache. Die weitaus besten Informationen haben wir über den Apostel Paulus aus verschiedenen Gründen und Quellen. Zum einen gehen seine Briefe auf private, organisatorische, praktische Probleme ein und geben Einblick in die Gemeinden. Zum anderen stammte Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte, aus dem paulinischen Kreis und kannte die Zusammenhänge.
Die städtische Prägung des frühen Christentums
In seinem Brief an die christliche Gemeinde zu Rom schrieb Paulus über seine Strategie und seine Pläne für die Zukunft. Er hatte von Jerusalem aus ringsum bis nach Illyrien die Christusbotschaft vollstreckt und verbreitet unter den Völkern. Paulus setzte seine Ehre darein, Christus nicht dort zu verkündigen, wo sein Name schon genannt war. Denn er wollte nicht auf fremdem Fundament bauen und bereits bearbeitetes Feld erneut beackern und bearbeiten.
Die sozialen Grundlagen der Gemeindenbildung
Vielfach war er zwar gehindert worden, zu den Römern zu kommen und sie zu besuchen auf seinen Reisen. Doch jetzt hielt es ihn nicht mehr in den hiesigen Gebieten und er strebte nach Westen und neuen Gebieten. Schon seit vielen Jahren verlangte es ihn, nach Rom zu kommen, um bis nach Spanien zu gelangen. Paulus hatte drei große Missionsreisen unternommen, die ihn von Antiocheia nach Zypern führten und weiter.
Die Rolle der Bischofssitze und der Askese
Weitere Reisen brachten ihn nach Kleinasien, nach Makedonien, Illyrien und in die Peloponnes und andere Regionen. Jetzt wandte er sich der westlichen Reichshälfte zu, bis an deren westliche Grenze er vorstoßen wollte. Diese Absicht konnte er nicht mehr realisieren, da er wohl Anfang der sechziger Jahre in Rom hingerichtet wurde. Seine Zielstellung war erstaunlich weitsichtig und umfasste große Teile des bekannten Reiches und seiner Provinzen.
Der Wandel der Mission nach der Konstantinischen Wende
Zwar reichte sie nicht über die Grenzen des Imperium Romanum hinaus zu den Barbarenvölkern und fremden Stämmen. Doch war es ein umfassender Plan, der Paulus von vielen anderen Missionaren unterschied und abhob in seiner Reichweite. In der Frage, ob diese Strategie sich bereits in der Gemeinde Antiocheias herausgebildet hatte, scheinen mir die eigenen Erfahrungen des Paulus entscheidend. Ausgeschlossen aus dem Plan des Paulus blieben Ägypten, Nordafrika, der Osten und die nördlichen Teile des Reiches.
Die Quellenlage zur geographischen Ausbreitung
Der Grund ist wohl darin zu suchen, dass dort bereits andere Missionare tätig waren und das Feld bearbeiteten. Paulus suchte Neuland und wollte neue Gebiete für die Botschaft erschließen und neue Gemeinden gründen. Seine Mission orientierte sich an den großen, bedeutenden Städten des Reiches und ihren Möglichkeiten. Sie waren entweder Handelszentren oder Knotenpunkte der großen Straßen oder Hafenstädte für den Handel.
Die regionale Verteilung der Christianisierung
Auch Verwaltungszentren der Provinzen zählten zu seinen Zielen und bevorzugten Orten für die Verkündigung. Es seien hier nur Ephesos, Thessalonike, Philippi und Korinth hervorgehoben als Beispiele für seine Arbeit. Paulus als Städter, geboren in Tarsos in Kilikien, war am Land wenig interessiert und konzentrierte sich auf die Städte. Als Inhaber des römischen Bürgerrechts und Zeltmacher von Beruf kannte er wohl auch die Probleme des Landes kaum.
Die schwache Verbreitung im Westen des Reiches
Er konzentrierte seine Aktivität deshalb ganz selbstverständlich auf die großen Städte und ihre Möglichkeiten und Strukturen. In diesen schuf er sich einen örtlichen Mitarbeiterstab, der für die weitere Betreuung der Gemeinden zuständig war. Dieser Stab sollte auch für die Ausbreitung in der Region sorgen und die Arbeit fortsetzen nach seiner Abreise. Er selbst verfolgte eine großflächige Streuung des Evangeliums und wollte möglichst viele Menschen erreichen.
Die soziale Verbreitung in den verschiedenen Schichten
Wenn die ganze Welt vom Evangelium gehört hatte, war seiner Meinung nach der Zeitpunkt der Wiederkehr Christi erreicht. Daher die Eile und das Großflächenprinzip des Paulus und seiner Mission und seiner Strategie. Erfolge hatte er vornehmlich unter den dem Judentum zuneigenden heidnischen oder rein heidnischen Familien. Sie bildeten den Kern sowohl für die Sammlung als auch für die weitere Ausbreitung der Gemeinde und ihres Glaubens.
Das Verhältnis von Stadt und Land im Römischen Reich
An diesem Missionsprinzip hat sich in der gesamten vorkonstantinischen Zeit nichts Grundlegendes geändert und blieb bestehen. Folglich überwog in dieser Epoche der urbane Charakter des Christentums und seiner Anhänger in den Städten. Doch drang das Christentum von den Städten aus in je nach den Regionen unterschiedlicher Weise auch auf das Land vor. Inschriften und literarische Belege bezeugen diese ländliche Ausbreitung in verschiedenen Gebieten des Reiches.
Die sozialen Probleme der städtischen Bevölkerung
Aber dem Land wurde kirchlicherseits eben doch nur eine untergeordnete Rolle zugebilligt und zugestanden in der Mission. Die einflussreichen Bischofssitze und Gemeinden waren in den Städten angesiedelt und von dort aus wirksam. Erst als sich die Asketen seit dem dritten Jahrhundert in wüste oder ländliche Gebiete zurückzogen, wirkte das Christentum wesentlich intensiver auf das Land ein. Auch blieb die Mission eine Aufgabe des einzelnen Christen und wurde nicht institutionalisiert als Amt.
Die Vorwürfe der heidnischen Gegner
Sie wurde nicht als eine Aufgabe der kirchlichen Institution verstanden oder organisiert von den Verantwortlichen. Zwar begegnen uns in der Didache noch die Ämter der Apostel und Propheten als Wanderprediger in der frühen Zeit. Solche Funktionen wurden später durch das Bischofsamt aufgesogen und in die Kirchenstruktur integriert und verwaltet. Doch gab es in den ersten Jahrhunderten nicht den institutionalisierten Missionar als festes Amt in der Kirche.
Die irrige Annahme einer revolutionären Bewegung
Erst seit der Konstantinischen Wende im vierten Jahrhundert wandelte sich der Charakter der christlichen Mission grundlegend. Nun zeigten Bischöfe und Kaiser Interesse an der Ausbreitung des Christentums in den römischen Provinzen. Auch unter den außerhalb des Reiches wohnenden Völkern und Stämmen wurde nun missioniert und geworben. Mission war nun auch mit kulturellen und politischen Intentionen verbunden und diente weiteren Zwecken.
Die Schwierigkeiten der sozialen Erforschung
Über die weitere Ausbreitung des Christentums sind wir bei weitem nicht so gut informiert wie über die paulinische Mission. Wir müssen das Anwachsen der Bewegung aus beiläufigen Bemerkungen in christlichen literarischen Zeugnissen erschließen. Auch Märtyrerakten, Bischofslisten und Bischofsunterschriften unter Synodalprotokollen geben Hinweise auf die Verbreitung. Zudem liefern Papyri und Inschriften sowie archäologische Zeugnisse wichtige Informationen zur Verbreitung.
Die soziale Differenzierung unter den Sklaven
Auch einzelne Stellen in nichtchristlicher Literatur helfen bei der Rekonstruktion der Ausbreitung und geben Einblicke. Die Auswertung dieses Materials ist mit vielen Problemen verbunden und erfordert sorgfältige Interpretation der Funde. Die Nachrichten darüber sind mehr zufällig überliefert und nicht systematisch dokumentiert worden. Das gilt sowohl für die geographische Verteilung als auch für die zeitliche Progression der Ausbreitung.
Die Haltung des Paulus zur Sklaverei
Die Ausbreitung des Christentums musste aber in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts einen solchen Grad erreicht haben. Dass zwei speziell gegen Christen gerichtete, reichsumfassende Verfolgungen initiiert wurden und stattfanden. Die Verfolgung unter Kaiser Valerian in den Jahren zweihundertsiebenundfünfzig und acht war eine solche Maßnahme. Die schlimmste Verfolgung von dreihundertdrei bis dreihundertelf oder dreizehn unter den Kaisern der Tetrarchie folgte.
Die Rolle von Witwen und alleinstehenden Frauen
Im Jahr dreihundertelf musste Kaiser Galerius in einem Edikt eingestehen, dass die Verfolgung gescheitert war. Die Konsolidierung der Kirche war schon zu weit fortgeschritten, um sie noch aufzuhalten. Allerdings sind starke regionale Unterschiede zu beachten und zu berücksichtigen bei der Bewertung der Ausbreitung. Adolf von Harnack nannte für das Ende des dritten Jahrhunderts den folgenden Stand der Christianisierung.
Die ambivalente Haltung zum Reichtum
Er unterschied dabei vier Kategorien der Intensität der Ausbreitung im Imperium Romanum und seinen Provinzen. Anfang des vierten Jahrhunderts sei in Kleinasien, Thrakien, Zypern, Edessa und Armenien nahezu die Hälfte der Bevölkerung christlich gewesen. Armenien gehörte nicht zum Reich und in ihm entstand schon um zweihundertachtzig oder neunzig das erste Staatskirchentum. Ein erheblicher Anteil der Bevölkerung habe sich zum Christentum bekannt in Antiocheia und Coelesyrien.
Die sozialethische Kritik am Reichtum
Auch Alexandreia und die Thebais, Rom und Teile von Unter- und Mittelitalien zählten dazu. Africa proconsularis und Numidien, Südspanien, Achaia, Thessalien, Makedonien waren ebenfalls stark christianisiert. An der Südküste Galliens und im Rhonetal fand die neue Religion ebenfalls viele Anhänger und Unterstützer. Weniger Verbreitung habe das Christentum gefunden in Palästina, Phönizien, Arabien und Mesopotamien.
Die maßvolle Haltung zum Besitz
Spärlich oder kaum finde man in dieser Zeit das Christentum in großen Teilen der Westhälfte des Reiches. Wenn man sich die Ausgangslage der Urgemeinden vergegenwärtigt und mit ihr die Situation am Ende des dritten Jahrhunderts vergleicht, kann man von einer erstaunlichen Expansion sprechen. Hypothetisch bleiben jedoch alle Versuche, die Größe der Gemeinden und das Zahlenverhältnis zu den Nichtchristen bestimmen zu wollen. Heiden finden wir in größerer Zahl auch noch nach der im vierten Jahrhundert erfolgten Anerkennung des Christentums durch den römischen Staat.
Die Legitimation des Reichtums durch Klemens
Trotz aller antiheidnischen Gesetze christlicher Kaiser und trotz der Zwangsbekehrungen im sechsten Jahrhundert blieben Heiden vorhanden. Mindestens ebenso wichtig wie die Untersuchung der geographischen Ausbreitung ist die der Verbreitung des Christentums in den verschiedenen sozialen Schichten. Die Städte waren die Träger der hellenistischen Mischkultur und prägten das kulturelle Leben im Reich. Wogegen das Land in den einzelnen Provinzen noch stark an den regionalen vorhellenistischen und vorrömischen Kulturen orientiert war.
Die obersten Stände und ihre Distanz zum Christentum
Die Konzentration auf die Städte bot dem Christentum also einen das ganze Reich umfassenden gleichen kulturellen Rahmen. Das ermöglichte eine rasche Ausbreitung und erleichterte die Kommunikation zwischen den Gemeinden. Die Städte waren auch die Stützen der römischen Verwaltung, des römischen Systems und der römischen Herrschaft. Deshalb hatten die Kaiser den Städten immer mehr Rechte und Ausnahmeregelungen zugestanden.
Die Christenverfolgung im Militär und die Kriegsdienstfrage
Dies geschah meist auf Kosten der Bauern, obgleich ja die Landwirtschaft die ökonomische Basis des Reiches darstellte. So empfand man auf dem Lande keine Sympathie für die Machtstellung der Städte und ihre Privilegien. Diese boten eine sehr komplexe soziale Struktur mit großen Unterschieden zwischen Arm und Reich. Der Großteil der Bevölkerung in den Großstädten des Imperium Romanum lebte in allergrößter Armut in Slums.
Die äußeren Bedingungen der Ausbreitung
Sie waren den Risiken von einstürzenden Mietshäusern, Bränden und durch die schlechten sanitären Verhältnisse veranlassten Krankheiten ausgesetzt. Bettler waren ein typisches Erscheinungsbild in den Straßen der antiken Großstädte und des täglichen Lebens. Zu einem großen Teil rekrutierten sie sich aus Problemfällen wie Alten, Kranken und Krüppeln. Ein weiterer ansehnlicher Teil der städtischen Armen wurde von Witwen und Waisen gestellt.
Die kulturelle Überlegenheit und ihre Grenzen
Diese hatten den Familienvorstand verloren und standen ohne Schutz da in der Gesellschaft. Gleichwohl ist die Meinung, das Christentum sei vornehmlich eine Bewegung der Sklaven und der untersten Schichten der Städte gewesen, überholt. Soziale Niedrigkeit, die man in dieser Zeit mit moralischer Unterwertigkeit gleichsetzte, wurde den Christen von ihren Gegnern vorgeworfen. In seinem Dialog Octavius hat Minucius Felix diese Vorwürfe zusammengefasst und einem heidnischen Dialogpartner in den Mund gelegt.
Die Verwaltung und Toleranz des Römischen Reiches
Aus der untersten Hefe des Volkes sammeln sich da die Ungebildeten und die leichtgläubigen Weiber. Diese fielen wegen der Beeinflussbarkeit ihres Geschlechtes ohnedies auf alles herein und waren beeinflussbar. Es handele sich um eine obskure, lichtscheue Gesellschaft, stumm in der Öffentlichkeit, in Winkeln geschwätzig. Selbst bemitleidenswert, schauen sie mitleidig auf die Priester der traditionellen Religionen herab.
Der Verlust des religiösen Schutzes
Selbst halbnackt, verachten sie Ämter und Würden und lehnen die etablierte Ordnung ab. Christliche Schriftsteller haben sich vehement gegen solche Vorwürfe gewandt und verteidigt ihre Gemeinschaft. Sie wandten sich sowohl gegen den Vorwurf der Dummheit wie gegen den der sozialen Niedrigkeit. Aus der irrigen Annahme, das frühe Christentum sei in den untersten Volksschichten verankert gewesen, ergab sich eine weitere Hypothese.
Die Aufwertung der Volkssprachen
Man nahm an, seine schnelle Ausbreitung finde darin eine Erklärung, dass das Christentum von revolutionären Grundstimmungen in der römischen Gesellschaft profitiert habe. Auch diese Annahme führt in die Irre und verkennt den Charakter der frühen christlichen Bewegung. Das Christentum eignete sich wenig zur Führerin in sozialen Auseinandersetzungen und Konflikten. Es hatte keinen revolutionären Charakter und strebte keine Umstürze an.
Die Bedeutung der Verkehrswege für die Mission
Es vertrat auch keine Konzeptionen, die die sozialen Strukturen der Gesellschaft verändern sollten oder wollten. Leider ist für keine der christlichen Gemeinden der ersten drei Jahrhunderte eine auch nur annähernd genaue Erhebung ihrer sozialen Struktur möglich. Das gilt selbst für die Großstädte Rom, Alexandreia, Antiocheia und Karthago, über die wir noch am besten informiert sind. Für Karthago besitzen wir die größte archäologische und literarische Informationsbreite um das Jahr zweihundert.
Die Mobilität als Faktor der Ausbreitung
Eine Untersuchung der betreffenden Quellen hat ergeben, dass das Gros der christlichen Gemeinden sozialgeschichtlich im Dunkeln bleibt. Die untersten sozialen Schichten und die Sklaven scheinen jedoch nur eine Minderheit der Großkirche ausgemacht zu haben. Die Masse rekrutierte sich aus den mittleren Schichten, den Handwerkern und Händlern. Leider lassen sich wegen des Mangels an Quellen häretische Gemeinden in sozialer Hinsicht überhaupt nicht umfassender untersuchen.
Das Beispiel des Aberkios und die christliche Gastfreundschaft
Die Sklaven in den Städten bildeten unter sozialen Gesichtspunkten eine sehr differenzierte Gruppe. Ihr Los war mit dem der Sklaven auf dem Lande nicht zu vergleichen und oft weniger hart. Sie gehörten zu den Schichten, die sich dem römischen System mit Optimismus unterordneten. Das System ermöglichte ihnen die Freilassung und den sozialen Aufstieg unter bestimmten Bedingungen.
Die Ablehnung des Christentums durch Juden und Heiden
Das Christentum setzte sich im allgemeinen nicht für die Veränderung ihrer rechtlichen Position ein oder forderte dies. Paulus hatte im ersten Brief an die Korinther als Grundsatz formuliert, dass man in dem Stand bleiben solle, in dem man berufen wurde. Bist du als Sklave berufen, lass es dir nicht leid sein, so lautete sein Rat an die Gemeinden. Selbst wenn du die Möglichkeit hast, frei zu werden, so bleibe gleichwohl um so lieber in deinem Stande.
Die Enttäuschung der jüdischen Erwartungen
Dieser Standpunkt wird dann auch in den späteren Schriften des Neuen Testaments beibehalten und vertreten. Der erste Petrusbrief betont, dass man sich auch launischen Herren unterzuordnen habe und geduldig sein solle. Immerhin boten die christlichen Gemeinden Sklaven und Freigelassenen soziale Nähe und das Gefühl menschlicher Wertschätzung. Einen nicht unbeträchtlichen Teil der Gemeinden mögen Witwen und Waisen gebildet haben.
Das Ärgernis des gekreuzigten Christus
Diese waren im römischen Reich rechtlich und praktisch besonders unterprivilegiert und dem größten Elend ausgeliefert. Auch war an der Zahl der Christen der Anteil alleinstehender Frauen hoch und bemerkenswert in den Gemeinden. Diese versahen entweder in den christlichen Gemeinden karitative Dienste oder wurden versorgt und fanden Achtung. Daraus erklärt sich der verächtliche Vorwurf von heidnischer Seite, leichtgläubige Weiber gäben bei den Christen den Ton an.
Die Vorwürfe der unmoralischen Praktiken
Wie den Briefen des Paulus und der Apostelgeschichte des Lukas zu entnehmen ist, gab es schon in frühester Zeit zahlreiche wohlhabende Gemeindeglieder. Doch blieb die Beurteilung des Reichtums ein großes Problem und wurde unterschiedlich bewertet. Strikte Ablehnung vertraten asketische Richtungen, die auf radikale Armut setzten. Sie konnten sich auf ein Evangelienzitat berufen, dass ein Kamel eher durch ein Nadelöhr komme als ein Reicher in das Reich Gottes.
Die absurden Beschuldigungen gegen die Christen
Noch unversöhnlicher war die Beurteilung, die sich im Jakobusbrief findet, der gegen Ende des ersten Jahrhunderts verfasst wurde. Die Reichen sollten heulen und wehklagen über die Nöte, die ihnen bevorstehen. Ihr Reichtum sei faul geworden, ihre Kleider von Motten zerfressen, ihr Gold und Silber verrostet. Dieser Rost werde zum Zeugnis gegen sie dienen und ihr Fleisch aufzehren wie Feuer.
Die Vorwürfe der rituellen Verbrechen
So gehe es ihnen in den letzten Tagen mit den Schätzen, die sie sich gesammelt haben. Der Lohn, den sie den Arbeitern vorenthalten haben, die ihre Felder abgeerntet haben, schreie laut. Das Schreien der Erntearbeiter sei zu den Ohren des Herrn Zebaoth gedrungen. Sie hätten auf Erden geschwelgt und geprasst, hätten zu essen gehabt, was das Herz begehrte.
Der Ursprung der Vorurteile und Gerüchte
Sie hätten den Gerechten verurteilt und umgebracht, der ihnen ja keinen Widerstand entgegensetzen konnte. Eine andere Haltung ähnelte dem stoischen Ideal der Selbstgenügsamkeit und maßvoller Nutzung. Paulus brachte es zum Ausdruck, dass zwar alles erlaubt sei, aber nicht alles zum Guten diene. Er werde sich doch nicht von irgendetwas beherrschen lassen, so seine Haltung und Überzeugung.
Der Verdacht der Zauberei und Magie
Auf solcher Grundlage entwickelte sich die Vorstellung, dass der Christ mit dem Reichtum Gutes tun solle. Schon in den Pastoralbriefen wird das zum Ausdruck gebracht und empfohlen den Gläubigen. Die Reichen sollten Gutes tun, reich an guten Taten werden, gern abgeben und mitteilen. Dadurch sollten sie sich ein kostbares Guthaben ansammeln, einen schönen Grundstock für die Zukunft.
Die eselsköpfige Gottheit in gnostischen Sekten
So könnten sie das wahre Leben gewinnen und sich für das Jenseits vorbereiten. Der christliche alexandrinische Philosoph Klemens fasste zu Beginn des dritten Jahrhunderts diese Deutung des Reichtums zusammen. Seine Schrift Welcher Reiche kann gerettet werden war von großer Wirkung und Verbreitung. Sie brachte die Diskussion um das Problem zu einem gewissen Abschluss und klärte die Position.
Die komplexe Geschichte der frühen christlichen Ausbreitung
Der Reichtum erhielt eine begrenzte Legitimation und wurde nicht mehr pauschal abgelehnt von der Kirche. Auf seine Verwendung komme es an und nicht auf den Besitz an sich. Nicht der Besitzende an und für sich sei vom Reich Gottes ausgeschlossen. Sondern jeder Sünder, der nicht Buße tut, sei er reich oder arm, sei ausgeschlossen. Für die obersten Stände des Reiches war der Anreiz, Christ zu werden, äußerst gering und unattraktiv.
Das bleibende Erbe der frühen Christenheit
Die Nachteile, wie der Verlust gesellschaftlichen Ansehens und von Privilegien, überwogen bei weitem. So sind nur sehr wenige und meist weibliche Angehörige solcher Familien als Christen zu identifizieren. Erst vom dritten Jahrhundert an kam es zu häufigeren Kontakten zwischen diesen Schichten und den Christen. Christen gab es auch unter den Soldaten und im Militär, was besondere Fragen aufwarf.
Die Bedeutung für die spätere Kirchengeschichte
Einige Martyriumsberichte von Soldaten sind erhalten und geben Einblick in diese Situation. Diokletian begann die letzte Christenverfolgung mit einer Säuberung des Heeres von christlichen Elementen. Auf christlicher Seite blieb der Kriegsdienst umstritten und wurde unterschiedlich bewertet. Die ablehnende Richtung berief sich auf das an Petrus gerichtete Wort Jesu im Matthäusevangelium.
Die bleibende Bedeutung für die Religionsgeschichte
Wer zum Schwert greife, werde durch das Schwert umkommen, so die Mahnung und Warnung. Die anderen konnten auf den Spruch Johannes des Täufers verweisen, den nur das Lukasevangelium überliefert. Soldaten sollten niemanden misshandeln oder erpressen und sich mit ihrem Sold begnügen. An äußeren Bedingungen, die die schnelle Ausbreitung des Christentums ermöglichten und begünstigten, nannte Harnack mehrere Faktoren.
Die historische Bedeutung der frühen Mission
Ein Imperium, eine Weltsprache, ein Verkehrsnetz, eine Kultur, eine gemeinsame Entwicklung zum Monotheismus und eine gemeinsame Sehnsucht nach Heilanden. Die ersten von Harnack genannten Aspekte weisen zugleich auf die Grenzen des Missionshorizontes. Die Mission erstreckte sich auf das Gebiet des römischen Imperiums und wurde mit der Ökumene gleichgesetzt. Außerhalb lagen die Gebiete der Barbaren, die als unzivilisiert galten.
Die kulturellen Voraussetzungen für die Ausbreitung
Diese Sichtweise einer überlegenen Kultur hatten sich weitgehend auch die Christen zu eigen gemacht. Außerhalb des Imperiums konnte die christliche Botschaft in den ersten drei Jahrhunderten nur etwa durch Händler bekannt werden. Auch kriegsgefangene Römer oder Einzelpersonen trugen die Botschaft in ferne Gebiete. Die Infrastruktur des Imperiums bot die besten Bedingungen für die Ausbreitung einer neuen Religion.
Die infrastrukturellen Grundlagen des Reiches
Es umschloss das ganze Mittelmeer und reichte im Nordwesten bis nach Britannien. Dabei hatte das Mittelmeer keine trennende, sondern eine verbindende Funktion und erleichterte den Austausch. Hervorzuheben ist die perfekte, das gesamte Reich gleichermaßen umfassende Verwaltung. Auch die Toleranz der römischen Behörden gegenüber fremden Religionen und Kulten war bedeutsam.
Die religiöse Toleranz und ihre Grenzen
Dies galt, soweit sie nicht die althergebrachten römischen Werte befehdeten oder als unmoralisch galten. Das Judentum hatte den Status einer erlaubten Religion und genoss besonderen Schutz. In seinem Schatten konnte das Christentum zuerst als eine der jüdischen Sekten agieren. Erst als sich die Juden deutlich vom Christentum distanzierten, verlor dieses den Status einer jüdischen Sondergruppe.
Die sprachlichen und kulturellen Rahmenbedingungen
Damit verlor das Christentum auch den Schutz, den der jüdische Status geboten hatte. Es galt nun als etwas Neues, das gegen das bewährte Althergebrachte verstieß. Die von Harnack genannte eine Kultur war die hellenistische, deren Träger die Städte waren. Die Sprache dieser Kultur war das Griechische, auch im westlichen Bereich des Reiches.
Die Entwicklung der Volkssprachen in der Kirche
Wogegen die Sprache der Verwaltung und des Militärs das Lateinische blieb und für offizielle Zwecke genutzt wurde. In den ländlichen Gebieten dagegen hielten sich die ursprünglichen Volkssprachen und wurden weiter gesprochen. Einige von ihnen erfuhren vom zweiten Jahrhundert an, gerade im Raum der Kirche, eine Aufwertung. So das Syrische und das Koptische gewannen an Bedeutung für die christliche Verkündigung.
Die Distanz zur hellenistischen Kultur
Zu beachten ist auch, dass im Unterschied zur späteren Mission im Barbarenland das Christentum anders auftrat. In den ersten drei Jahrhunderten trat es bei seiner Ausbreitung im Imperium Romanum nicht als Träger einer überlegenen Kultur auf. Es war zum Teil eher eine Bewegung, die sich von manchen Aspekten der vorhandenen hellenistischen Kultur in Distanz hielt. Das Verkehrsnetz war ausgezeichnet und durchzog das ganze Reich zur Nutzung für Handel, Militär, Administration und Privatreisende.
Die Nutzung der Handelswege für die Mission
An diesen Straßen lagen die Städte und entlang dieser Routen verbreitete sich die Botschaft. Paulus machte sich solche Straßen zunutze und konzentrierte sich bei seiner Missionstätigkeit auf Handelsknotenpunkte. Auch auf Städte, die Zentralen der Verwaltung waren, richtete er sein Augenmerk. Schneller als auf den Straßen gelangte man allerdings auf dem Schiffahrtswege zum Ziel.
Die christliche Gemeinschaft auf Reisen
So sind auch von Paulus Schiffsreisen überliefert und bezeugen die Nutzung der Seewege. Mit unseren Verhältnissen verglichen war das Reisen trotzdem beschwerlich und gefährlich. Aber die Reiselust und die Mobilität der Bevölkerung war erstaunlich groß und trug zur Verbreitung bei. Auch darin ist ein Grund dafür zu sehen, dass sich die christliche Lehre rasch ausbreitete.
Die Gastfreundschaft als Missionsfaktor
Schon bald nach der Kreuzigung Christi gelangte sie bis in die Hauptstadt Rom. Es war dem Christentum förderlich, dass es auch den weitgereisten, aus der Fremde stammenden Glaubensschwestern und -brüdern Aufnahme ermöglichte. Kontakte und Schutz in den Gemeinden auf der Reise sowie am Zielort wurden geboten. Überall traf der Reisende auf vertraute Verhältnisse und konnte sich auf die Gemeinschaft verlassen.
Die Ablehnung durch die jüdische Gemeinschaft
Mehrere Inschriften bezeugen uns diesen Aspekt der christlichen Gastfreundschaft und Vernetzung. Am berühmtesten ist die früheste uns erhaltene christliche Grabinschrift um das Jahr einhundertneunzig. Sie stammt von einem reichen, vielgereisten Mann mit Namen Aberkios. Er war auf seinen Reisen in Rom und sah Syriens Ebene und alle Städte bis Nisibis.
Die heidnischen Vorurteile gegen die Christen
Nachdem er den Euphrat überquert hatte, fand er überall Glaubensgenossen. Und sie bereiteten überall eine Speisung, den Fisch von der Quelle, den überaus großen, den reinen. Den eine reine Jungfrau gefangen hatte, und diesen gab sie mit trefflichem Wein. Sie gab ihn als Mischwein mit Brot, womit wohl auf die Eucharistie sowie auf gastliche Aufnahme hingedeutet ist.
Die Vorwürfe der rituellen Verbrechen
Das Bild wäre einseitig, wenn wir nur die christlichen Erfolge im Blick hätten. Das Christentum stieß auch auf Skepsis und stärkste Ablehnung und Widerstand. Entscheidende Gründe nannte schon Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther. Während die Juden Bestätigungen fordern und die Griechen nach Weisheit verlangen, verkündigen wir den gekreuzigten Christus.
Die Diffamierung der christlichen Gemeinschaft
Dies sei ein Skandal für die Juden und Unsinn für die Griechen. Die Mehrzahl der Juden konnte eine Vorstellung von einem gekreuzigten, toten Messias nicht überzeugen. Da halfen auch die Stammbäume nichts, die die Herkunft Jesu aus dem Geschlecht Davids nachzuweisen versuchten. Die Zweifel der Juden wurden dadurch gemehrt, dass sich die aktuellen Erwartungen der Endzeit nicht erfüllten.
Die komplexe Geschichte der frühen christlichen Ausbreitung
Die Urgemeinde und Paulus pflegten diese Erwartungen, doch sie blieben aus. Für die Heiden war Jesus eines schimpflichen Todes gestorben und das war problematisch. Die Kreuzigung galt als die schändlichste Strafe und war mit Schande verbunden. Sie wurde nur gegenüber Sklaven, den niedrigsten Schichten der Gesellschaft verhängt.
Das bleibende Erbe der frühen Christenheit
Auch für schwerste Delikte wie Aufruhr, Hochverrat, Desertion, also politische Verbrechen, und Raub wurde sie angewandt. Paulus hob mehrfach das Anstoßerregende dieser Strafe für seine Zeitgenossen hervor. Weitere schwerwiegende Gründe für die Ablehnung der Christen waren Vorurteile und Vorwürfe. Man warf ihnen vor, sie wichen von den moralischen Gesetzen und Regeln der Gesellschaft ab.
Die Bedeutung für die spätere Kirchengeschichte
Minucius Felix hat sieben solcher Vorwürfe zusammengestellt und überliefert. An geheimen Zeichen und Merkmalen erkennen sie einander und lieben sich schon, fast ehe sie sich noch kennen. Unterschiedslos vollziehen sie miteinander eine Art Ritual der Lüste und leben in unmoralischer Gemeinschaft. Sie nennen einander Brüder und Schwestern, so dass die bei ihnen übliche Unzucht durch den Gebrauch eines so heiligen Wortes sogar zum Inzest wird.
Die bleibende Bedeutung für die Religionsgeschichte
Dass sie den Kopf eines gemeinen Tieres, eines Esels, aus ich weiß nicht was für einem Wahn heraus als heiligen Gegenstand verehren. Dass sie die Genitalien ihres Oberpriesters anbeten, also symbolisch die Zeugungskraft ihres Schöpfers verehren. Im Mittelpunkt ihrer Zeremonien stehe ein für seine Verbrechen mit dem Tode bestrafter Mensch samt den Kreuzeshölzern. Dann wird damit diesen verlorenen, verbrecherischen Menschen eben das als Heiligtum zugeschrieben, was zu ihnen passt.
Die historische Bedeutung der frühen Mission
Sie verehren, was ihnen selbst gebührt, so der Vorwurf der heidnischen Gegner. Um die ahnungslosen Initianden zu täuschen, bedeckt man ein Kind mit Teig und legt es dem vor, der in ihre Mysterien eingeweiht wird. Der Neophyt lässt sich, durch die Teighülle getäuscht, zu Stichen verleiten, bei denen er nichts Arges vermutet. So tötet er das Kind mit Wunden, die dem Auge verborgen bleiben und nicht sichtbar sind.
Die kulturellen Voraussetzungen für die Ausbreitung
Das Blut dieses Kindes lecken sie gierig auf und reißen sich noch um die zerstückelten Glieder. Das also ist das Opfer, mit dem sie sich verbrüdern, durch die Mitwisserschaft an diesem Verbrechen. Sie verbürgen sich gegenseitig Stillschweigen über diese schrecklichen Taten. An Festtagen kommen sie zum Gelage zusammen, mit all ihren Kindern, Schwestern und Müttern.
Die infrastrukturellen Grundlagen des Reiches
Menschen beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters sind dabei und feiern gemeinsam. Dann, nach vielen Gängen, wenn die Gesellschaft erhitzt ist und in der Trunkenheit die Glut unreiner Begierde erwacht, geschieht Schreckliches. Ein Hund, der an den Leuchter gebunden ist, wird durch vorgeworfene Bissen zu heftigen Sprüngen angereizt. Ist so das Licht, das alles an den Tag bringen könnte, umgestoßen und ausgelöscht, dann stürzen sie sich schamlos im Schutz der Dunkelheit in unerhörter Gier in die Umschlingungen.
Die religiöse Toleranz und ihre Grenzen
Es sind dies zum Teil Schmähungen, die man schon gegen die Juden vorgebracht hatte. Sie erwuchsen aus der Scheu vor dem Fremdartigen und Unbekannten. Freilich begünstigte die Neigung der Christen, sich von der Gesellschaft abzusondern, die Verbreitung solcher Phantastereien. Schließlich mochten auch christliche Sonderströmungen, die libertinistische Auffassungen vertraten, Anlaß für die Entstehung von Gerüchten gewesen sein.
Die sprachlichen und kulturellen Rahmenbedingungen
Es fehlt in der Aufzählung des Minucius Felix der schwerwiegende Vorwurf der Zauberei und der Magie. Solche Praktiken galten als kriminelle Delikte, wenn sie sich auch großer Beliebtheit erfreuten. Dass man einen solchen Verdacht gegen die Christen äußerte, dürfte auf die Berichte über Wundertaten Jesu zurückzuführen sein. Man hielt ihn deshalb für einen Zauberer und schrieb ihm magische Kräfte zu.
Die Entwicklung der Volkssprachen in der Kirche
Auch angebliche magische Praktiken bestimmter christlich-gnostischer Gruppierungen mögen zu diesem Verdacht beigetragen haben. Der Esel galt wegen seines Liebesdranges als besonders verachtetes Tier in der antiken Welt. Seine Verehrung wurde schon den Juden unterstellt, um sie zu verunglimpfen und lächerlich zu machen. Diese Verspottung wurde auch auf die Christen übertragen und diente der Diffamierung.
Die Distanz zur hellenistischen Kultur
Doch scheint auch in christlich-gnostischen Sekten die Vorstellung eines eselsköpfigen Weltenschöpfers verbreitet gewesen zu sein. Dies mag dazu beigetragen haben, dass der Vorwurf der Eselsverehrung gegen die Christen erhoben wurde. Die komplexe Geschichte der frühen christlichen Ausbreitung zeigt somit ein vielschichtiges Bild. Erfolge und Widerstände, innere Konflikte und äußere Bedingungen prägten den Weg der jungen Religion.
Die Nutzung der Handelswege für die Mission
Die Art und Weise, wie sich das Christentum in den ersten Jahrhunderten entwickelte, legt den Grundstein für seine spätere weltgeschichtliche Bedeutung. Die Untersuchung dieser Prozesse hilft, die Dynamiken religiöser Bewegungen in der Antike besser zu verstehen. Das Erbe dieser frühen Gemeinden wirkt bis in die Gegenwart hinein und prägt die christliche Tradition. Die Ausbreitung des Christentums bleibt ein faszinierendes Kapitel der Religionsgeschichte.


















