Der Zweite Weltkrieg und die Rolle der Mafia

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Der Zweite Weltkrieg führte dazu, dass die kriminelle Unterwelt eine völlig neue Bedeutung erlangte und für eine Zeit lang eine entscheidende Rolle im Kriegsgeschehen spielte. In den Vereinigten Staaten sorgte die Marineabwehr, das sogenannte Office of Naval Intelligence (ONI), zunehmend für Aufsehen, da es eine Reihe von Sabotageakten im Hafen von New York gab. Besonders beunruhigend war ein verheerendes Feuer im Februar 1942, bei dem das französische Passagierschiff »Normandie« in den Flammen aufging. Dieses Schiff war gerade dabei, als alliiertes Truppenschiff getauft zu werden, was die Dringlichkeit der Sicherheitsmaßnahmen zusätzlich erhöhte. William B. Herlands, ein Untersuchungsrichter aus New York, der nach dem Krieg die Ereignisse genau untersuchte, beschrieb die Lage als einen gravierenden nationalen Notstand. Die Küstenregion des dritten Marinedistrikts, zu dem auch New York und New Jersey gehörten, wurde durch eine Blockade geschützt, während zahlreiche Schiffe vor der Atlantikküste durch feindliche U-Boot-Angriffe versenkt wurden. Das Ergebnis des Krieges war unsicher – die Gefahr schwebte wie ein Damoklesschwert über die Vereinigten Staaten, und die Lage war angespannt.

Die Idee, kriminelle Organisationen als Geheimdienstmitarbeiter zu rekrutieren

Da die USA keine eigenen Mittel hatten, um den Hafen undercover zu überwachen, kam die Idee auf, lokale kriminelle Organisationen zu rekrutieren und als Agenten einzusetzen. Das ONI nahm Kontakt zum Distriktstaatsanwalt von New York, Frank Hogan, auf, der daraufhin Joseph »Joe Socks« Lanza vorschlug. Lanza war damals wegen Erpressung angeklagt, doch Offiziell wurde er als Geschäftsführer der Fischereiarbeiter-Gewerkschaft bezeichnet. In Wahrheit galt er jedoch als Gangsterboss der Fultoner Fischmarkt-Enklave im unteren Stadtteil von New York. Im März 1942, kurz nachdem die US-Marine erstmals mit Lanza Kontakt aufgenommen hatte, zeigte sich das ONI besorgt um die Sicherheit an der Küste. Captain Roscoe C. McFall, der Abwehrchef des Distrikts, berichtete dem Untersuchungsrichter Herlands später, dass er sich zunehmend Sorgen über subversive Aktivitäten feindlicher Agenten im Hafen machte. Besonders befürchtete er, dass feindliche U-Boote durch Fischerboote getankt werden könnten, die von kriminellen Elementen betrieben wurden. Da Lanza umfangreiche Verbindungen auf dem Fischmarkt und bei den Kapitänen von Fischerbooten entlang der Atlantikküste unterhielt, wurde er in jener Phase der Operation zum idealen Kontaktmann für die Marine.

Die Planung der Sabotage-Operationen mit Lanza

Im Laufe der nächsten neun Monate traf sich Commander Charles R. Haffenden, ein Untergebener McFalls, regelmäßig mit Lanza, um verschiedene Operationen zu planen. Dabei ging es um die Sammlung von Informationen über das Auftanken feindlicher U-Boote, die Beschaffung gefälschter Gewerkschaftsausweise, um Agenten auf Fischerbooten einschleusen zu können, sowie die Organisation der italienischen Fischer in der Stadt als Teil eines U-Boot-Suchsystems. Doch nach nur wenigen Wochen wurde dem ONI klar, dass Lanza nur ein durchschnittlicher Krimineller mit begrenztem Einfluss war. Er konnte keine nützlichen Informationen außerhalb der Fischereiindustrie liefern und gestand den Marinekontakten, dass die Leute Angst hätten, er könnte seine Spitzeldienste nutzen, um seine drohende Verurteilung abzuwenden.

Luciano, Adonis und die Vermittlung an die Marine

Im April erklärte Lanza, dass »Luciano große Hilfe leisten« könne und dass er »Joe Adonis oder Frank Costello«, seine Freunde, instruieren könnte. Luciano selbst war zu dieser Zeit im Clinton State Prison nahe der kanadischen Grenze in Haft. Die US-Marine suchte den Kontakt zu seinem Anwalt, Moses Polakoff. Dieser zögerte zunächst, bot jedoch an, eine vertrauenswürdige Person zu vermitteln – jemanden, dessen Patriotismus und Liebe zum Land ungeachtet seines Rufs unzweifelt seien. Am nächsten Morgen stellte Polakoff die Verbindung zwischen der Marine und Meyer Lansky her, einem bekannten Partner Lucianos im Bereich des Rauschgift- und Alkoholschmuggels. Lansky verwies auf seine enge Beziehung zu Luciano seit den frühen 1920er Jahren und versicherte, dass die Marine ihm vertrauen könne. Auf Polakoffs Anregung stimmte Commander Haffenden einem Treffen mit Luciano zu. Luciano wurde aus dem Clinton-Gefängnis in das nahegelegene Great Meadow Prison verlegt, um das Treffen zu ermöglichen.

Verhandlungen und Zusammenarbeit mit Luciano und Lansky

Einige Wochen später trafen sich Polakoff, Lansky und Luciano in einem Gefängnisbesuchszimmer, um die Situation der Marineabwehr zu erklären. Luciano zeigte sich bereit, zu kooperieren, und schlug vor, Lansky als Verbindungsmann zwischen ihm und den Helfern zu fungieren, die man für die Informationsbeschaffung benötigte. Es sollte jemand sein, der im Namen Lucianos handelte und den man uneingeschränkt vertrauen konnte. Über die nächsten drei Jahre traf sich Luciano elfmal mit Lansky und zwanzigmal mit Polakoff. Haffenden selbst kam nie mit Luciano zusammen, doch er pflegte häufig Kontakt zu Lansky, der – auf Lucianos Wunsch – zum Vermittler zwischen der Marine und der Unterwelt wurde. Lansky erinnerte sich später, dass Haffenden ihm genau erklärte, was er von ihm wollte: Er suchte nach Personen, die für die Kriegsanstrengungen nützlich sein könnten, egal welchen Ruf sie hatten. Damit brachte er diese Menschen zusammen und instruktierte sie, was sie liefern sollten.

Die Sammlung von Informationen für die Invasion in Sizilien

Trotz des Interesses des ONI an Sabotageschutz und Sicherheit in den New Yorker Häfen nutzte die Marine die Zusammenarbeit mit Lucianos Kreisen auch, um Informationen für die bevorstehende alliierte Invasion in Sizilien zu sammeln. Über Luciano gelangten Lansky und seine Kontakte an eine Reihe sizilianischer Einwanderer, die durch italoamerikanische Agenten in den Büros des ONI in Manhattan befragt wurden. Auf Lucianos Anregung nahm Lansky Kontakt zu dem Gangster Joe Adonis auf, der sechs Sizilianer mitbrachte, um strategische Informationen über die Küste der Insel zu liefern. Lansky erinnerte sich, dass man vor dem Angriff auf Sizilien vor allem die Küstenverhältnisse und die Topografie des Hinterlandes erkunden sollte. Die Treffen dienten dazu, Karten und geografische Details zu sammeln, um die Operation vorzubereiten. Haffenden holte zwei große Landkarten hervor und zeigte sie den Informanten, damit diese ihre Dörfer erkennen und mit den Karten abgleichen konnten. In Zusammenarbeit mit Kartografen des ONI wurde eine Vielzahl von Land- und Seekarten der sizilianischen Küste erstellt, die auf Tausenden von Berichten beruhten. Über Luciano und seine Partner wurden zudem die Namen vertrauenswürdiger sizilianischer Einheimischer sowie von Persönlichkeiten der Mafia gesammelt, die im Feldzug eingesetzt werden konnten. Mitte 1942 übergab Haffenden diese Namen einem Captain Wharton im ONI-Hauptquartier in Washington. Dieser berichtete später, dass sich etwa 40 Prozent der Angaben als korrekt erwiesen.

Die Landung in Sizilien und die Geheimoperationen

Als die alliierten Streitkräfte im Mai 1943 in Sizilien landeten, war die Planung bereits im vollen Gange. Der Kommandeur der US-Marine, Vizeadmiral Henry K. Hewitt, erkannte jedoch einen Fehler in den Plänen. Da die Insel nach der Befreiung eine wichtige Basis für die US-Marine im italienischen Krieg werden sollte, war es essenziell, eine enge Verbindung zur lokalen Bevölkerung aufzubauen. Doch im Hauptquartier der Marineabwehr gab es niemanden, der Italienisch sprach. Daher forderte Hewitt dringend sechs Italienisch sprechende Agenten an. Am 15. Mai befanden sich bereits vier der New Yorker Agenten von Haffenden an Bord eines Flugzeugs auf dem Weg nach Nordafrika. Die Landung der alliierten Truppen erfolgte am 9. Juli 1943, mit 160.000 Mann, die an den Stränden Westsiziliens landeten. Die ersten Angriffe begannen in den frühen Morgenstunden, als die 7. US-Armee unter General Patton Gela und Licata angriff. Max Corvo, der eine wichtige Rolle beim OSS spielte, zeigte sich überrascht, wie wenig Informationen die amerikanische Spionagebehörde über die Planung und den Ablauf der Invasion hatte. Während Corvos Team in Afrika wartete, landeten die ONI-Agenten aus New York mit der ersten Welle in Sizilien. Zwei wurden in Gela, zwei in Licata abgesetzt. Einer der wichtigsten Pläne war es, Kontakt zu Personen zu knüpfen, die wegen Verbrechens aus den USA ausgewiesen worden waren. Einer der ersten Erfolge von Alfieri, einem ONI-Agenten, war die Kontaktaufnahme zu solchen Figuren in Sizilien. Er berichtete später, dass die Zusammenarbeit mit den kriminellen Unterweltfiguren sehr gut funktionierte und sie kooperativ waren. Alfieri nutzte die Gelegenheit, um das Hauptquartier des italienischen Marinekommandos ausfindig zu machen und es in einer Villa außerhalb des Strandes zu lokalisieren. Ungehindert schlich er sich an den überraschten Offizieren vorbei, brach den Safe auf und kehrte mit einer Fülle von Dokumenten zurück, die die Disposition der deutschen und italienischen Marine im Mittelmeer enthielten. Diese Dokumente trugen maßgeblich dazu bei, die Kapitulation der Italiener zu beschleunigen. Für diese Operation wurde Alfieri mit einem Orden und einer Ehrenbekundung des Präsidenten ausgezeichnet. In späteren Berichten erklärte Herlands, dass Alfieri seine Methoden auch bei späteren Operationen auf dem italienischen Festland anwendete. Die US-Marine hielt die Zusammenarbeit mit der Mafia zunächst geheim und weigerte sich, viele Jahre nach dem Ende des italienischen Feldzugs Details darüber zu veröffentlichen. Die Geschichte der Verbindung zwischen ONI, OSS und der Mafia während des Sizilienfeldzugs bleibt daher größtenteils im Dunkeln und basiert auf inoffiziellen Quellen.

Nach dem Sieg über den schwachen Widerstand der italienischen Armee

Nach dem Sieg über den schwachen Widerstand der italienischen Armee und der Sicherung der Landungsköpfe in Gela und Licata startete Pattons 7. Armee eine Offensive in die Berge Westsiziliens und bewegte sich in Richtung Palermo. Trotz über 60.000 italienischer Soldaten und 150 Kilometer verminter Straßen zwischen Patton und Palermo schafften seine Truppen die Strecke in bemerkenswerten vier Tagen. Der italienische Mafiaexperte Michele Pantaleone glaubt, dass die Mafiosi maßgeblich für das überraschend schnelle Tempo des Vormarschs auf Palermo verantwortlich waren.

Die mysteriöse Botschaft an Don Calogero Vizzini

Fünf Tage nach der Landung der Alliierten flog ein amerikanisches Kampfflugzeug über das Dorf Villalba, etwa 70 Kilometer nördlich von Pattons Landekopf an der Straße nach Palermo. Es warf einen Leinensack ab, der an »Zu Calò« adressiert war. «Zu Calò» ist der Codename für Don Calogero Vizzini, den mächtigen Boss der sizilianischen Mafia und Herrscher der Bergregion, durch die die US-Truppen vordrangen. Der Sack enthielt einen gelben Seidenschal mit einem großen schwarzen »L«, das für Lucky Luciano stand. Seidenschals galten als Erkennungszeichen für Mafiosi, die von Sizilien nach Amerika reisten. Zwar könnte die Geschichte mit dem Schal nur eine Legende sein, doch die kontinuierliche Zusammenarbeit des Office of Naval Intelligence (ONI) mit der Mafia verleiht Berichten über Kontakt zwischen Luciano und Don Calogero Glaubwürdigkeit.

Lucianos Verbindung zu Villalba und das Treffen mit der Mafia

Tatsächlich wurde Luciano in der Nähe von Villalba geboren, nur etwa 20 Kilometer von Lercara Fridi entfernt, wo seine Verwandten noch immer für Don Calogero arbeiteten. Zwei Tage nach dem Flug rollten drei amerikanische Panzer in Villalba ein, nachdem sie 45 Kilometer durch feindliches Gebiet gefahren waren. Don Calogero stieg ein und reiste die nächsten sechs Tage durch Westsizilien, um die Unterstützung für die vorrückenden amerikanischen Truppen zu organisieren. Als Pattons 3. Division in die Bergregionen vordrang, war deutlich sichtbar, wie stark die lokale Bevölkerung auf die Mafia vertraute: Sie schützte die Straßen vor Heckenschützen, begrüßte die Truppen begeistert und führte sie durch das unübersichtliche Gelände.

Die Rolle der Mafia bei der militärischen Eroberung Siziliens

Obwohl die Kooperation mit der Mafia nur eine Fußnote in der Geschichte ist, wurde ihre Zusammenarbeit mit den amerikanischen Besatzern im Verlauf der Eroberung Siziliens bedeutsam. Es besteht kaum Zweifel an der engen Beziehung zwischen Mafia und den US-Truppen. Im Sommer 1943, als die Alliierten ihre Hauptaugenmerk auf die Entlastung der Garnisonen auf der Insel und die Vorbereitung der Offensive in Süditalien richteten, wurde die Zusammenarbeit noch offensichtlicher. Das Pentagon teilte im Oktober mit, dass »die Carabinieri und die italienische Armee ausreichen, um die lokale Sicherheit zu gewährleisten«. Doch in Wirklichkeit waren die faschistischen Truppen längst desertiert, und Don Calogeros Mafia schien zuverlässiger, um die Ordnung aufrechtzuerhalten.

Die Ernennung mafiöser Bürgermeister und die Einflussnahme

Im Juli ernannte die Militärverwaltung (Allied Military Government, AMGOT) Don Calogero zum Bürgermeister von Villalba, während Genco Russo, ebenfalls ein Mafiaboss, Bürgermeister von Mussumeli wurde. Unter dem Kommando von Oberst Charles Poletti, einem ehemaligen Vizegouverneur von New York, wurden in vielen Städten Westsiziliens Mafiosi zu Bürgermeistern ernannt. Ob Poletti persönlich eine Verbindung zur Mafia hatte oder nur das militärische Bündnis unterstützte, ist schwer zu klären. Nach dem Krieg wurde bekannt, dass Poletti den flüchtigen New Yorker Gangster Vito Genovese zu seinem Dolmetscher machte. Auch Luciano wurde später mit den Worten zitiert, Poletti sei »einer unserer guten Freunde«.

Die Infiltration der neuen Regierung durch die Mafia

In den Wochen nach der Landung organisierten die sizilianischen Mafiosi die Einbindung in die neue alliierte Verwaltung. Im August 1943 berichtete der britische Kommandeur Lord Rennell, dass britische Offiziere in ihrer Euphorie, faschistische Bürgermeister durch Mafiosi zu ersetzen, viele Mafia-Bosse ernannte oder ihnen die Wahl geeigneter Ersatzleute überließen. Während die Mafia ihre Verbindungen im Geheimen pflegte, nutzten sie die Gelegenheit, ihre Feinde als faschistische Sympathisanten zu diffamieren. Die Maßnahmen gegen die Faschisten und die Carabinieri führten zu einem plötzlichen Anstieg der Morde, die deutlich mafiösen Mustern folgten.

Der politische Wandel und die Bedrohung durch den Kommunismus

Während die alliierten Truppen im Norden Italiens vorrückten, wurde die Sorge über den zunehmenden Einfluss des Kommunismus immer größer. Zwischen Ende 1943 und Mitte 1944 verdoppelte sich die Mitgliederzahl der Kommunistischen Partei Italiens. Im Winter 1944 schlossen über 500.000 Arbeiter in Turin acht Tage lang ihre Fabriken, trotz brutaler Repression durch die Gestapo. Der Widerstand wuchs auf rund 150.000 bewaffnete Kämpfer. Die US-Armee begann jedoch, angesichts der fortschreitenden Stärke der linken Bewegungen, Mitte 1944 die Waffenabwürfe für die Widerstandsgruppen zu reduzieren. Militärführer befürchteten, dass eine zu starke kommunistische Bewegung den Faschismus in eine zweite Ära führen könnte.

Die strategische Nutzung der Mafia gegen den Kommunismus

Auf Sizilien wurden Mafiosi in der Militäradministration eingesetzt, um die Macht der Kommunisten einzudämmen. Die Mafia galt als natürlicher Verbündeter im Kampf gegen die linke Bewegung, da jede Veränderung der feudalistischen Strukturen der Insel ihre Macht schwächen würde. Don Calogero zeigte seine Bedeutung für die Besatzungsmacht, indem er den Polizeichef von Villalba tötete, um sich von Beschränkungen zu befreien. Als die US-Armee im Oktober 1943 Neapel befreite, engagierte Oberst Poletti den berüchtigten Gangster Vito Genovese als Dolmetscher für die alliierte Militärregierung.

Genoveses Schwarzmarktaktivitäten und Einfluss in Neapel

Genovese, einst ein Leutnant Lucianos, war in Neapel wieder aktiv. Laut US-Geländeadjutant Orange C. Dickey war er Mitglied einer faschistischen Organisation, führte ein luxuriöses Leben und hielt sich eine Mätresse. Nach seinem Eintritt in die alliierte Regierung koordinierte Genovese Schwarzmarktgeschäfte, schmuggelte gestohlene Militärgüter und organisierte den Transport illegaler Waren. Er traf sich regelmäßig mit Schmugglern in seinem Apartment in Nola. Im August wurde Genovese von einem US-Soldaten verhaftet und vor Gericht gestellt, doch sein Einfluss blieb trotz seiner Verhaftung bestehen. Sein Netzwerk und seine Beziehungen zur Mafia ermöglichten es, die Operationen in Süditalien aufrechtzuerhalten.

Die Zusammenarbeit zwischen Mafia und der US-Militärregierung

Während Genoveses Einfluss schwand, florierten seine Schwarzmarktaktivitäten weiterhin. Gemeinsam mit Don Calogero Vizzini organisierte er große Schmuggelaktionen, bei denen Lebensmittel und Grundnahrungsmittel nach Neapel gebracht wurden. Die Operationen wurden durch die Unterstützung der US-Armee erleichtert, die Lastwagen und Passierscheine bereitstellte. Diese Zusammenarbeit war ein taktischer Schachzug der Alliierten, um die Versorgungssicherheit in Süditalien zu sichern und gleichzeitig die Mafia als Verbündete im Kampf gegen kommunistische Bestrebungen zu nutzen.

Die Mafia als politische Macht nach dem Krieg

Die alliierte Besatzung Italiens, insbesondere Sizilien, führte dazu, dass die Mafia wieder zu einer bedeutenden politischen Kraft wurde. Michele Pantaleone beschreibt, wie die Besatzung und die Wiederherstellung der Demokratie der Mafia ihre alte Macht zurückgaben. Anstatt ausgelöscht zu werden, wurde die Mafia wieder in das gesellschaftliche und politische Leben integriert. Sie stellte ihre Waffen wieder bereit, übte Einfluss aus und blieb bis heute eine bedeutende, wenn auch dunkle, Kraft in der italienischen Gesellschaft.