Die unsichtbaren Fesseln der digitalen Datenverarbeitung und der Verlust der Privatsphäre

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Das Zeitalter der digitalen Vernetzung hat die Art und Weise, wie Menschen kommunizieren und Informationen speichern, grundlegend revolutioniert. Was im ersten Moment wie ein harmloser Austausch von Nachrichten oder das Teilen eines persönlichen Erlebnisses erscheint, erzeugt in Wirklichkeit ein gewaltiges und kaum durchschaubares Netz aus gespeicherten Informationen. Die meisten Anwender ahnen nicht, wie tiefgreifend ihre digitalen Spuren in lokalen Systemen und globalen Netzwerken verankert werden. Dieses mangelnde Bewusstsein für die Tragweite der eigenen Datenhinterlassenschaft führt zu einem schleichenden, aber massiven Verlust der persönlichen Privatsphäre.

Die verborgenen Spuren der elektronischen Korrespondenz

Wer digitale Briefe versendet, übermittelt nicht nur reine Textinhalte an bestimmte Empfängeradressen, sondern hängt diesen Nachrichten häufig auch umfangreiche Dateianhänge bei. All diese Elemente werden nicht ausschließlich auf den fernen Servern der Anbieter abgelegt, sondern finden sich ebenso auf dem heimischen Rechner innerhalb der entsprechenden Anwendungssoftware wieder. Was dabei oft in Vergessenheit gerät, ist die Tatsache, dass eine empfangene Nachricht meist nur der Anfang einer umfangreichen Korrespondenzkette darstellt. Man erhält eine Mitteilung, beantwortet diese, erhält daraufhin eine erneute Antwort, und dieser Kreislauf setzt sich scheinbar endlos fort.

Die Herausforderung der Datenlöschung und Protokollierung

Die gespeicherten Mitteilungen landen anschließend in diversen Verzeichnissen auf der Festplatte, wodurch eine einzige Nachricht am Ende an zahlreichen verschiedenen Orten gleichzeitig existieren kann. Diese dezentrale Verteilung macht das vollständige Löschen zu einer wahren Herausforderung. Zudem fallen bei der elektronischen Post zahlreiche Protokollinformationen an, die weit über den reinen Textinhalt hinausgehen. Nach dem Versand hält der heimische Rechner in Zusammenarbeit mit den Servern akribisch fest, über welche Stationen die Nachricht läuft, zu welcher genauen Uhrzeit und mit welcher individuellen Netzwerkadresse sie versandt wurde.

Die Illusion der sicheren Datenablage im Internet

Es ist daher kaum möglich, eine solche Nachricht ohne spezielle technische Gegenmaßnahmen völlig anonym zu versenden. Der eigentliche Schatz, den Anwender auf ihrem Rechner verwalten, besteht aus den unzähligen gespeicherten Dateien. Man installiert Programme, gibt dort persönliche Daten ein und speichert das Ergebnis als Datei auf dem lokalen Datenträger ab. Diese Dateien enthalten eine riesige Menge an Informationen, die weit über das hinausgehen, was man selbst eingegeben hat.

Die automatische Verlagerung in ferne Datenzentren

Das Betriebssystem und die verwendeten Programme fügen automatisch zahlreiche Verwaltungsinformationen hinzu, die im Hintergrund wirken. Mit den modernen Betriebssystemen und Büroanwendungen hat ein weiterer Speicherort Einzug auf dem heimischen Rechner gehalten, der sich in den Weiten des Internets befindet. Dokumente werden nicht nur lokal gesichert, sondern parallel an einem Speicherort abgelegt, der irgendwo in den globalen Datenzentren existiert. Das geschieht in vielen Fällen völlig automatisch im Hintergrund, ohne dass der Nutzer explizit zustimmen muss.

Die Risiken der dezentralen Datenspeicherung

Natürlich sind die Daten in diesen fernen Speichern oft geschützt, mitunter sogar besser als auf dem lokalen Rechner. Für die Sicherheit der Informationen ist dann der Anbieter des Speicherdienstes verantwortlich, was zunächst Beruhigung verschafft. Dennoch ändert das nichts an der Tatsache, dass Daten, die sich nicht mehr auf dem eigenen Gerät befinden, potenziell der Gefahr von Angriffen aus dem globalen Netz ausgesetzt sind. Hinzu kommt der Faktor der mangelnden Ordnung, denn so sehr man sich auch vornimmt, seine Dateien strukturiert in die richtigen Ordner zu speichern, es kommt immer wieder vor, dass eine Datei versehentlich in einem beliebigen anderen Verzeichnis abgelegt wird.

Die Jagd nach der persönlichen Information als Geschäftsmodell

Diese verlegten Dateien später wiederzufinden und gegebenenfalls auch vollständig zu löschen, erweist sich als echte Herausforderung. Es ist heutzutage fast unmöglich, sich ganz von den großen digitalen Gemeinschaftsnetzwerken fernzuhalten. Wer auf die Frage nach der eigenen digitalen Kennung oder dem Vorschlag zur beruflichen Vernetzung nur antworten kann, dass er auf den Plattformen nicht vertreten ist, erntet schnell irritierte Blicke. Außerdem entgehen einem so viele Kontaktmöglichkeiten, die in der mobilen und globalen Welt von heute unverzichtbar scheinen.

Die Wandlung der Information zur digitalen Währung

Man mag zu den großen Plattformen stehen, wie man will, denn wie sonst hält man über viele Jahre den Kontakt zu Menschen, die über weite Distanzen entfernt wohnen. In der heutigen Zeit kommt man an diese Datenkraken kaum noch vorbei, wenn man sozial eingebunden bleiben möchte. Nun wollen die Betreiber dieser Netzwerke selbstverständlich mit ihrem Angebot auch Geld verdienen. Versuche, dies über Mitgliedsbeiträge zu erreichen, waren bisher immer erfolglos, da die Nutzer daran gewöhnt sind, dass Angebote im Internet kostenlos sind.

Die doppelte Strategie der Datenerfassung

Daher musste ein alternatives Geschäftsmodell her, bei dem die persönliche Information zur neuen Währung wurde. Diese Daten sind für die Betreiber von unschätzbarem Wert, weshalb sie ständig nach neuen Wegen suchen, diese zu erheben. Ob man nun das eine oder das andere Gemeinschaftsnetzwerk nutzt, in jedem Fall werden dort verschiedene Arten von Daten über einen selbst gespeichert. Die eine Kategorie umfasst die Beiträge, die man selbst eingibt, etwa in Form von schriftlichen Mitteilungen, Zustimmungen zu fremden Beiträgen oder eigenen Kommentaren.

Die passive Erfassung durch das System

Diese Daten hat man mehr oder minder unter Kontrolle, auch wenn es einiger Gedanken bedarf, diese Kontrolle auch wirklich auszuüben. Die andere Kategorie besteht aus den Metadaten, die die Netzwerke automatisch sammeln, indem sie die eigenen Aktivitäten beobachten oder Informationen vom Rechner abrufen. Darauf kann der Nutzer nur sehr begrenzt Einfluss nehmen. Ein soziales Netzwerk wäre nichts, wenn die Nutzer keine Informationen über sich selbst eingeben würden.

Die Preisgabe des eigenen Standortes

Es mag verlockend sein, auf die Frage nach dem aktuellen Befinden mit einer schnippischen Antwort zu reagieren, aber genau darum geht es den Betreibern. Man soll den anderen Nutzern und noch viel wichtiger dem Dienst selbst mitteilen, was man gerade tut. Wenn man dies freiwillig eingibt, gewährt man dem Anbieter das Recht, diese Informationen nach Belieben weiterzuverwenden. Nun sind reine Texte nicht wirklich interessant für die Datenanalysten, darum ergänzen Nutzer meist weitere Informationen.

Die versteckten Informationen in digitalen Bildern

Man verrät, wo man sich gerade befindet, was in eine exakte geografische Position umgesetzt werden kann, oder wer sich in der Nähe aufhält, wodurch gleich mehrere Personen auf einmal erfasst werden. Dazu kommt vielleicht noch ein Foto, wodurch in einem vermeintlich harmlosen Beitrag schon sehr viele verschiedene Daten zusammenkommen. Bilder sind nicht nur reine Pixelwolken, sondern enthalten sogenannte Metadaten, die das Kameramodell, die Geoposition und die Belichtungszeit verraten. So lässt sich der Aufenthaltsort allein über das Foto bestimmen, selbst wenn man ihn nicht direkt in den Text eingibt.

Der rechtliche Verlust der eigenen Schöpfungen

Dies funktioniert allerdings nur, wenn das Aufnahmegerät die Position nicht vorher deaktiviert hat. Bei der Frage, was ein Anbieter mit den eingegebenen Daten tun kann, hilft ein Blick in die allgemeinen Nutzungsbedingungen der großen Plattformen. Wenn man bisher der Meinung war, die eigenen Fotos wären das uneingeschränkte persönliche Eigentum, sollte man sich die entsprechenden Abschnitte der Verträge durchlesen. Dort steht, dass man beim Teilen von urheberrechtlich geschützten Inhalten eine weltweite und übertragbare Lizenz gewährt.

Die Falle des lückenlosen Aktivitätsprotokolls

Der Anbieter darf die Inhalte somit nahezu frei nutzen, sie zu verändern, zu übersetzen oder in neuen Werken zu verarbeiten. Möchte man dem widersprechen, lautet die Antwort der Anbieter, dass man einfach das eigene Konto löschen soll. Das allein wird allerdings nicht reichen, denn auch andere Diensteanbieter haben in ihren Verträgen nahezu identische Passagen verankert. Man kann sich zwar auf den Standpunkt stellen, selbst zu entscheiden, welche Daten man den Netzwerken zur Verfügung stellt, das ist aber nur die halbe Wahrheit.

Die umfassende Überwachung im Verborgenen

Die Netzwerke führen nämlich auch Buch darüber, was man wo und wann gemacht hat, und speichern dieses lückenlose Aktivitätenprotokoll über lange Zeiträume hinweg. Diese umfassende Überwachung geschieht im Verborgenen und entzieht sich meist der bewussten Wahrnehmung der Nutzer. Letztlich bleibt man in einem System gefangen, das die eigene Privatsphäre systematisch auswertet und vermarktet.