Die diplomatischen Bemühungen und die strategische Unentschlossenheit während des Vietnamkonfliktes
Screenshot youtube.comDie Ära des Vietnamkonfliktes war geprägt von einer tiefgreifenden Diskrepanz zwischen militärischer Eskalation und diplomatischen Friedensbemühungen. Die amerikanische Führung unter Präsident Lyndon B. Johnson sah sich in einem ständigen Dilemma, da sie einerseits den militärischen Druck erhöhen wollte, andererseits aber den wachsenden Widerstand in der eigenen Bevölkerung und der internationalen Gemeinschaft besänftigen musste. Diese widersprüchliche Politik führte zu einer Phase der strategischen Unentschlossenheit, in der Friedensinitiativen oft nur als taktisches Mittel dienten, um Zeit zu gewinnen oder die eigene Position zu rechtfertigen. Die folgenden Ausführungen beleuchten die komplexen diplomatischen Manöver, die gescheiterten Vermittlungsversuche und die unüberbrückbaren Gegensätze zwischen den Konfliktparteien in dieser entscheidenden Phase des Krieges.
Die Motive hinter den frühen Friedensinitiativen
Die Unschlüssigkeit der amerikanischen Führung gegenüber den eigenen Militärs spiegelte sich deutlich in der halbherzigen Suche nach einem diplomatischen Ausweg wider. Bereits frühzeitig erkannte die Regierung die Notwendigkeit, Friedensinitiativen zu starten, um nicht ausschließlich als reagierende Macht wahrgenommen zu werden. Noch vor der entscheidenden Entsendung zusätzlicher Bodentruppen in das südostasiatische Kriegsgebiet warb der Präsident öffentlich für einen Frieden durch Verhandlungen. Diese Haltung wurde von mehreren wesentlichen Faktoren getrieben, darunter der Wunsch, die eigene Glaubwürdigkeit für die fortgesetzten Luftangriffe aufrechtzuerhalten. Vor allem jedoch stand die Beruhigung der öffentlichen Meinung im eigenen Land und in der westlichen Welt im absoluten Vordergrund jeder diplomatischen Geste.
Taktische Manöver statt aufrichtiger Kompromissbereitschaft
Im Laufe der mittleren Jahre des Jahrzehnts häuften sich die Vermittlungsversuche von Privatpersonen sowie ausländischen Diplomaten und Politikern aus verschiedenen Nationen. Auch die amerikanische Regierung selbst trat mit eigenen Friedensvorschlägen an die Führung in Hanoi heran. Doch bis weit in das Jahr der eskalierenden Konflikte hinein waren alle Friedenssignale von rein taktischen Erwägungen geprägt. Während der amerikanische Präsident auf eine militärische Wende hoffte, die einen Sieg versprach, setzte die gegnerische Seite darauf, dass der Druck der weltweiten Friedensbewegung zumindest ein Ende der Luftangriffe erzwingen würde.
Das Scheitern des umfassenden Punkteprogramms
Gegen Ende eines Jahres in der Mitte des Jahrzehnts schnürte die Regierung ein Verhandlungspaket, das sie in Anlehnung an eine historische Rede als umfangreiches Punkteprogramm präsentierte. Dieser Katalog hatte jedoch wenig mit den hehren Forderungen des historischen Vorbildes gemeinsam. Die Regierung erklärte sich lediglich bereit, den Luftkrieg einzustellen, sofern das gegnerische Engagement im Süden beendet würde. Zudem wurde ein Rückzug der eigenen Truppen in Aussicht gestellt, sobald eine politische Lösung gefunden sei, wobei eine Koalitionsregierung mit der Befreiungsbewegung strikt abgelehnt wurde. Als die Gegenseite darauf bestand, dass alle Luftangriffe vor jeglichen Gesprächen eingestellt werden müssten, versandete dieser Ansatz vollständig.
Die aktive Untergrabung diplomatischer Kanäle
Kritiker brandmarkten dieses amerikanische Gesprächsangebot zu Recht als ein kaum verhülltes Ultimatum. Eine längere Zeitspanne später machte der Präsident Vorgespräche zunichte, die ein Diplomat aus Osteuropa einzufädeln versucht hatte. Dies geschah, indem er gegen den ausdrücklichen Rat seiner eigenen Mitarbeiter besonders heftige Luftangriffe auf gegnerische Ziele anordnete. Ein weiteres Mal unterminierte der Präsident einen Vermittlungsversuch, der von den Regierungschefs Großbritanniens und der Sowjetunion angeregt worden war. Damit brüskierte er nicht nur den engsten Verbündeten, sondern dokumentierte erneut, dass Bomben und nicht Verhandlungen den Gegner zu Zugeständnissen zwingen sollten.
Die modifizierte Haltung und die neue Formel
Unter dem wachsenden Druck der öffentlichen Meinung und angesichts der anhaltenden Kämpfe modifizierte die Führung ihre bislang kompromisslose Haltung. In einer neuen Formel erklärte sich der Präsident bereit, den Luftkrieg zu beenden, wenn die Gegenseite in konstruktive Verhandlungen einwilligte. Gleichzeitig wurde die Bedingung aufgestellt, dass keine weiteren Infiltrationen in den Süden erfolgen dürften. Der gegnerischen Befreiungsbewegung wurde zwar eine politische Rolle in der Nachkriegszeit in Aussicht gestellt. Insgeheim hielt die Regierung jedoch weiterhin an dem Ziel fest, diese Bewegung militärisch oder politisch vollständig zu zerschlagen.
Das beharrliche Schweigen der Gegenseite
Das wesentliche Ziel der amerikanischen Politik blieb ein souveräner südlicher Staat unter einer westlich ausgerichteten Regierung. Auch diese neue Formel ließ daher keine echte Hoffnung auf einen Verhandlungsfrieden aufkommen. Die Führung in Hanoi reagierte nicht einmal auf dieses Angebot. Geheime Regierungsunterlagen deuteten später trocken an, dass dies mit dem ungünstigen zeitlichen Zusammentreffen schwerer Luftangriffe auf die Außenbezirke der Hauptstadt zusammenhängen könnte.
Die historischen Lehren der nordvietnamesischen Führung
Ein ernsthafter Wille zum Kompromiss, der es beiden Seiten erlaubt hätte, das Gesicht zu wahren, war bei der nordvietnamesischen Führung ebenso wenig vorhanden wie im Weißen Haus. Für Hanoi spielte die Diplomatie zwar eine wichtige Rolle, doch Erfolge am Verhandlungstisch konnten bestenfalls das Ergebnis militärischer Siege sein. In der Vergangenheit hatte man trotz großer Erfolge auf dem Schlachtfeld bereits mehrfach am Verhandlungstisch verloren. Dies geschah in der Zeit zwischen dem Ende des weltweiten Krieges und dem Beginn des ersten Indochinakonfliktes sowie später auf einer großen internationalen Konferenz in der Schweiz. Eine weitere Niederlage auf diplomatischem Parkett sollte unter allen Umständen vermieden werden.
Rhetorische Flexibilität und faktische Unnachgiebigkeit
Die öffentlich bekundete Gesprächsbereitschaft diente somit in erster Linie der Beeinflussung der öffentlichen Meinung im eigenen Land und in Westeuropa. Besonders wichtig war diese Verhandlungsbereitschaft jedoch mit Blick auf die Sowjetunion, die sich immer wieder als Vermittler anbot. Auf deren militärische Unterstützung war die nordvietnamesische Seite unbedingt angewiesen, um den Krieg fortsetzen zu können. Rhetorisch gab man sich daher flexibel, in der Sache jedoch zeigte man sich völlig kompromisslos. Verhandlungen mussten aus dieser Sicht mit dem vollständigen Rückzug der ausländischen Streitkräfte und der Führungsrolle der Befreiungsbewegung innerhalb einer Koalitionsregierung enden, um die Wiedervereinigung vorzubereiten.
Die Unvereinbarkeit der strategischen Ziele
Unversöhnlich standen sich die Konfliktparteien in dieser Phase des Krieges gegenüber. Ihre strategischen Ziele waren fundamental nicht miteinander vereinbar. Eine Lösung des Konflikts auf dem Verhandlungsweg lag daher in weiter Ferne. Die Diplomatie diente lediglich als Kulisse für einen Krieg, der weiterhin mit militärischen Mitteln entschieden werden sollte.













