Was versteht man unter einem Abendkleid?
Screenshot youtube.comDas Abendkleid gilt als der Adelige unter den Kleidungsstücken – wahrhaftig die Königsklasse der Garderobe. Ursprünglich waren es ausschließlich Adelige und ihr Gefolge, die sich diese prächtigen, festlichen Gewänder leisten konnten und wohl auch die einzigen, die bei besonderen Anlässen solche Kreationen präsentierten. Historische Aufzeichnungen berichten, dass Philipp der Gute zu Beginn des 15. Jahrhunderts der Erste war, der auf exquisite Abendkleider für seinen Hof bestand und somit als äußerst modebewusst gelten kann.
Die Damenwelt am burgundischen Hof
Die Damen jener Zeit am burgundischen burgundischen Hof bevorzugten bodenlange Roben mit tiefen Ausschnitten, gefertigt aus den feinsten Seiden, die damals verfügbar waren. Üppig verzierte Modelle aus Satin, Samt und Brokat dominierten das Bild – Stoffe, die noch heute als erste Wahl in der Abendmode gelten und ihre Bedeutung nicht verloren haben. Die Mode entwickelte sich stetig weiter: Im Barock wurden die Taillen extrem schmal geschnürt und die Röcke so voluminös, dass viele Frauen ohne fremde Hilfe kaum einen Ball besuchen konnten. Wespentaillen und schwer bestickte Gewänder zogen alle Blicke auf sich – mitunter wohl auch Ursache für den einen oder anderen Bandscheibenvorfall, denn schon damals galt das Motto: »Wer schön sein will, muss leiden.« Nach dem Ersten Weltkrieg setzte eine Gegenbewegung ein: Die Abendkleider wurden leichter und vor allem schlichter. Wenn es eine Epoche gab, in der »Understatement« in der Mode gelebt wurde, dann waren es definitiv die frühen Zwanzigerjahre.
„Wer schön sein will, muss leiden“
Doch diese Zurückhaltung währte nicht lange: Gegen Ende der Zwanzigerjahre kehrten aufwendig bestickte und mit Federn verzierte Kleider zurück – nun sogar mit atemberaubenden Dekolletés vorne wie hinten. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Mode wieder reduzierter; die Abendkleider der 30er- und 40er-Jahre zeigten sich schlicht und weniger opulent. Die Gesellschaft wünschte sich eher Mütter als ausgelassene Partygängerinnen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg brachte Christian Dior mit seinem »New Look« farbenfrohe und stoffreiche Abendkleider zurück auf die Bühne. Heutzutage gibt es eine enorme Vielfalt an Schnitten und Formen, sodass jede Frau – unabhängig von ihrer Figur – fündig wird. Abendkleider sind inzwischen oft erschwinglich, doch manche Damen investieren für ein exklusives Modell noch immer ein kleines Vermögen.
Die Meerjungfrau-Silhouette
Wenn Sie ein Kleid nicht als Abendkleid erkennen, dann ist es vermutlich keines, das Aufmerksamkeit verdient! Ein echtes Abendkleid ist nach wie vor lang und elegant – sein Zauber bleibt ungebrochen. Es ist die Königin unter den Kleidungsstücken und dieser Rang wird ihm von keinem anderen streitig gemacht. Es existieren unzählige Varianten, doch für mich bleibt die Meerjungfrau-Form die bedeutendste.
Dieses bodenlange Kleid sitzt bis zum Knie eng anliegend, entfaltet aber abwärts hin eine üppige Weite; hinten fällt eine Schleppe wie eine Fischflosse majestätisch zu Boden. Es folgt dem sanften Schritt seiner Trägerin – unglaublich verführerisch und sinnlich! Dieser Schnitt betont die weiblichen Rundungen optimal und eignet sich besonders für Frauen mit ausgeprägter Weiblichkeit: Ein üppiger Busen und eine wohlgeformte Hüfte garantieren uneingeschränkte Aufmerksamkeit.
Das One-Shoulder-Kleid
Diese asymmetrische Variante steht Frauen mit markanten Schultern besonders gut. Auch Frauen mit eher kleiner Oberweite wirken darin aufregend und perfekt gekleidet. One-Shoulder-Kleider benötigen keine Halsketten, dafür sind Ohrringe, Armbänder und Ringe ideale Begleiter. Allerdings sind sie weniger geeignet für kräftigere Frauen mit breiten Schultern oder Armen. Auch Damen mit sehr kurzem Hals sollten besser andere Schnitte wählen – zum Glück gibt es unzählige Alternativen!
Das Neckholder-Abendkleid
Dieses Modell besticht durch seine charakteristische Trägerführung: Der Stoff legt sich um den Hals und verleiht dem Kleid Halt auf äußerst feminine Weise. In gerader Form ist es besonders schön und passt zu vielen Figurtypen. Wer etwas rundlicher gebaut ist („Kugelfisch“), sollte ein Modell wählen, das locker fällt; dann funktioniert auch ein Neckholder wunderbar. Wichtig: Halsschmuck ist bei diesem Schnitt tabu! Stattdessen dürfen Broschen, Ohrringe und Armschmuck glänzen.
Das schulterfreie (Strapless) Kleid
Sehr beliebt bei vielen Frauen! Doch nicht jede sollte glauben, dass dieses Modell ihr optimal steht. Es verlangt schöne Schultern und Arme sowie genügend Brustvolumen zum sicheren Halt – zudem braucht es einen eleganten Halsbereich. Dafür können Sie endlich Ihr großes Halsband oder auffällige Ohrringe tragen! Dieses Kleid lässt sich hervorragend mit einer Stola kombinieren; dann können Sie alle Bedenken bezüglich Schultern und Arme vergessen – allerdings gilt das nicht für Brust und Hals!
Das dekolletierte Abendkleid mit oder ohne Ärmel
Ein echter Allrounder! Wenn der Schnitt geschickt gewählt ist, können weder Bauch noch Hüfte den Auftritt trüben. Diese Kleider gibt es in allen erdenklichen Materialien – achten Sie nur darauf, dass sie weder zu kurz noch zu eng sind; zu weit sollte ebenfalls vermieden werden! Überladen wirken sie nur dann unangenehm, wenn bereits viel los ist … Ein Abendkleid sollte niemals billig erscheinen; es soll Sie erheben, Ihre Schönheit unterstreichen – Sie dürfen an diesem Abend eine Prinzessin sein, aber bitte nicht die „Sissi“ des Abends! Bewegungsfreiheit ist wichtig, ebenso sollte noch Platz für einen kleinen Imbiss bleiben. Und zum Schluss wünsche ich Ihnen eine wundervolle Nacht! Glauben Sie mir: Nie werden Sie mehr Komplimente erhalten als an dem Tag, an dem Sie ein traumhaftes Abendkleid tragen, das genau zu Ihnen passt!
Wie trägt man ein Abendkleid?
Am besten natürlich abends – mit Haltung! Wer schon einmal eine stark betrunkene Frau gesehen hat, die in einem Abendkleid auf der Toilette liegt, wird sich in diesem Moment sicher auch lieber Jeans und Pullover gewünscht haben! So erging es mir einmal bei einer Veranstaltung: Eine Frau bat mich um Hilfe für ihre betrunkene Freundin. Als diese mich sah, murmelte sie nur: »Auch das noch, der Guido …«
Abendkleider verzeihen wenig Fehler – doch wenn man einiges beachtet, können sie wahre Wunder wirken! Das Kleid muss perfekt sitzen; kaum ein anderes Kleidungsstück verlangt so sehr nach fachkundiger Beratung oder einer Schneideranpassung. Selbst Topmodels haben nicht immer problemlos das perfekte Abendkleid gefunden. Glauben Sie mir also: Wenn Ihnen eine Fachkraft zu Mogelwäsche oder einem Push-up-BH rät, ist das keine Schande!
Der perfekte Abendschuh zum Traumkleid
Ein großartiger Abendschuh gehört einfach dazu! Ich liebe Abendsandaletten – sofern Ihre Füße dies erlauben –, denn sie ergänzen das Outfit perfekt. Achten Sie darauf: Der Schuh darf dem Kleid nur dann die Show stehlen, wenn ein langer Schlitz vorhanden ist und das Kleid selbst eher schlicht gehalten ist. Schmuck sollten Sie dezent einsetzen; außer natürlich Sie sind Königin von England und möchten Ihre Schätze öffentlich präsentieren! Handschuhe, Stolen, Tücher oder elegante Boleros können wunderbare Ergänzungen sein – solange sie das Kleid nicht überdecken und farblich sowie stilistisch harmonieren.
Eine kleine Abendtasche oder die heutzutage so beliebte Clutch ist Ihr bester Begleiter neben einer charmanten Begleitung. Verzichten Sie unbedingt auf große Taschen oder Beutel – es sei denn natürlich, Sie möchten Eindruck hinterlassen oder etwas „mitgehen lassen“ …
















