Lausitzer Mythen: Von mutigen Taten und dunklen Geheimnissen

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In der reichen Überlieferung unserer Heimatregion finden sich zahlreiche Geschichten und Legenden, die seit Jahrhunderten mündlich weitergegeben werden. Diese Erzählungen spiegeln das Leben, die Bräuche und die mystischen Vorstellungen vergangener Zeiten wider. Sie sind ein wertvoller Schatz an kulturellem Erbe, der uns Einblicke in die damalige Welt und die Werte der Menschen gewährt. Im Folgenden werden zwei bekannte Geschichten vorgestellt: eine von Liebe und Mut im Wasser, sowie eine von einem geraubten Altar und einem dunklen Geheimnis, das bis heute in den alten Mauern lebendig bleibt.

Das mutige Rettungsabenteuer bei Merzdorf und Prösen

Vor vielen Jahrhunderten, als die Landschaft noch von ausgedehnten Sümpfen und Wasserflächen durchzogen war, die sich zwischen den Dörfern Merzdorf und Prösen erstreckten, war der Verkehr zwischen beiden Orten vor allem auf Wasserwege angewiesen. Die Wasserflächen waren so weiträumig und unübersichtlich, dass man oft mit Kähnen unterwegs war, um die Distanzen zu überwinden. Diese Wasserstraßen waren das verbindende Element für die Bewohner beider Dörfer und bestimmten den Alltag maßgeblich.

Eines Tages verliebte sich eine junge, schöne Frau aus dem Dorf Merzdorf in einen jungen Mann aus Prösen. Ihre Liebe war tief und aufrichtig, sodass die junge Frau fest entschlossen war, eines Tages zu ihrem Geliebten nach Prösen zu reisen, um dort mit ihm den Bund der Ehe zu schließen. Die Vorbereitungen für die Hochzeit wurden nach alten Sitten gefeiert. Der Bräutigam und seine Verwandten hatten sich auf einem kleinen Hügel vor dem Dorfe versammelt, um die Braut im festlichen Zug abzuholen. Die Stimmung war fröhlich und erwartungsvoll, und schon aus der Ferne konnten die Anwesenden die Braut im Kahn erkennen, wie sie die Wasserfläche überquerte. Die Freude war groß, und auf beiden Seiten wurde fröhlich gewinkt.

Doch plötzlich durchbrachen gellende Schreie die festliche Stimmung. Der Kahn war in einen Strudel geraten und kenterte. Das Mädchen, verzweifelt und hilfesuchend, streckte die Arme aus, rief um Hilfe, doch das Wasser hatte sie bereits verschlungen. Vor den Augen der Hochzeitsgesellschaft sank sie im Wasser versunken, während die Wasserflächen unbarmherzig ihre grausame Macht zeigten. Der Bräutigam, ohne zu zögern, sprang sofort ins Wasser. Mit großem Mut, obwohl er selbst in Gefahr war, schwamm er auf den gekenterten Kahn zu. Unter Lebensgefahr gelang es ihm, die Braut aus dem Wasser zu ziehen und den Kahn zu retten. Das Publikum am Ufer brach in Jubel und Beifall aus, beeindruckt von dem Mut und der Selbstlosigkeit des jungen Mannes. Nach diesem dramatischen Ereignis kehrten Braut und Bräutigam glücklich ins Dorf zurück. Sie lebten noch viele Jahre und besiegelten ihre Liebe durch die Ehe, die von Mut und Opferbereitschaft geprägt war. Diese Begebenheit wurde in der lokalen Überlieferung fest verankert und gilt als Symbol für Liebe, Mut und die Bereitschaft, das Leben für den anderen zu riskieren. Die Geschichte wurde über Generationen weitergegeben und ist bis heute Bestandteil des kulturellen Erbes der Region. (Quelle: M. Gebhardt im Heimatkalender 1939)

Das dunkle Geheimnis um den geraubten Altar in Großkmehlen

Eine andere, ebenfalls bekannte Sage aus der Gegend um Großkmehlen handelt von einem geraubten Altar, der in verschiedenen Versionen erzählt wird. Demnach soll einst in der Nacht, bei Geisterstunde, ein mutiger Ritter einen wertvollen Flügelaltar aus einer fremden Kirche gestohlen haben. Der Altar war ein kunstvolles Werk, das in der Kirche verehrt wurde, und wurde in das Schloss des Ritters gebracht. Doch die Tat blieb nicht lange unentdeckt. Die Bewohner der Gegend waren schockiert, als der Diebstahl bekannt wurde, denn der Altar war ein bedeutendes religiöses und kulturelles Erbstück.

Um seinem Sohn die damals übliche Strafe für Kirchenräuber, in heißem Öl gebadet zu werden, zu ersparen, entschied die Mutter des Ritters, schnell zu handeln. Sie handelte hinterrücks und mit großer Entschlossenheit, um den Jungen zu retten. In einer dramatischen Nacht erstach sie ihren eigenen Sohn heimlich mit einem Dolch, um ihn vor der grausamen Strafe zu bewahren. Diese Tat soll bis heute ihre Spuren hinterlassen haben. Es wird erzählt, dass sich im Putz des Schlosses ein unentfernbarer Blutfleck gebildet haben soll, der noch nach Jahrhunderten sichtbar ist. Dieser Fleck gilt als sichtbares Zeichen für die schwere Schuld und die tragische Tat, die sich in den Mauern des Schlosses zugetragen haben soll. Die Sage erzählt von Schuld, Sühne und dem bleibenden Schatten dunkler Geheimnisse, die noch immer in den alten Gemäuern nachwirken. Diese Legende ist eine Warnung vor Gier, Verrat und den schwerwiegenden Folgen, die dunkle Taten nach sich ziehen können, und sie erinnert uns daran, dass vergangene Vergehen nicht vergessen werden und ihre Spuren in der Geschichte hinterlassen.