Geschichte: Der Wettlauf um die atomare Vernichtungsmaschinerie
Screenshot youtube.comEine beklemmende und fiebrige Atmosphäre breitete sich im Spätherbst jenes Jahres aus, als das nationalsozialistische Regime im Wettlauf um die Entwicklung einer Atomwaffe scheinbar einen gefährlichen Vorsprung besaß. Das Herrschaftssystem verfügte zu diesem Zeitpunkt über mehrere entscheidende Ressourcen für das geheime Vorhaben. Die Lagerstätten im besetzten sudetendeutschen Gebiet sowie in den afrikanischen Kolonien lieferten eine immense Menge an Uranoxid. Das Erz aus den tiefen Stollen des Kongo wies dabei einen außergewöhnlich hohen Urangehalt auf. Diese gewaltigen Vorräte schürten die Hoffnung der Machthaber auf eine baldige Realisierung des Projekts.
Die theoretischen Grundlagen und die norwegische Produktion
Die experimentelle Kernspaltung war bereits vor Ausbruch des globalen Konflikts nachgewiesen worden. Die theoretische Erklärung dieser bahnbrechenden Entdeckung erfolgte kurz darauf und bildete die Grundlage für alle späteren Überlegungen zur Energiegewinnung. Gleichzeitig produzierte die Schwerwasseranlage in Norwegen bereits seit Längerem Deuteriumoxid in nennenswerten Mengen. Nach der Besetzung des skandinavischen Landes wurde die Produktionskapazität schrittweise erhöht, um den wachsenden Bedarf zu decken. Die Forscher erhofften sich von diesem stetigen Ausbau den entscheidenden Durchbruch für ihre Experimente.
Die Illusion der technologischen Überlegenheit
Durch die militärische Kontrolle über weite Teile Europas glaubte die Führung, einen technologischen Vorsprung zu besitzen. Dieser sollte die Entwicklung einer völlig neuen Art von Waffe ermöglichen, deren Zerstörungskraft alles bisher Dagewesene übertreffen würde. Trotz dieser gewaltigen Ressourcen hatten die Entscheidungsträger nur eine unvollständige Vorstellung davon, wie eine solche Waffe tatsächlich funktionieren könnte. Das Prinzip der Kettenreaktion war zwar theoretisch beschrieben worden, doch die praktische Umsetzung blieb völlig unklar. Die Komplexität der physikalischen Vorgänge wurde von den Verantwortlichen oft maßlos unterschätzt.
Verworfene Konzepte und die Suche nach dem ultimativen Sprengstoff
Die Idee einer schmutzigen Bombe existierte durchaus in den Überlegungen der Forscher. Dabei sollte radioaktives Material in einen konventionellen Sprengsatz eingebettet werden. Diese Idee wurde jedoch nie umgesetzt, weil ihre Wirkung kaum über die eines herkömmlichen Sprengkörpers hinausgegangen wäre. Die Wissenschaftler strebten stattdessen eine echte Kernspaltungswaffe an, deren Sprengkraft um ein enormes Ausmaß höher gewesen wäre. Man wollte sich nicht mit bloßer Verstrahlung begnügen, sondern eine vernichtende Detonation herbeiführen.
Die geheimnisvolle Rolle des schweren Wassers
Das als Moderator in einem Reaktor dienende Deuteriumoxid besitzt eine höhere Molekülmasse als gewöhnliches Wasser. Es verlangsamt den Neutronenfluss und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit der Spaltung des entscheidenden Uranisotops. Die norwegische Anlage hatte bereits vor dem Krieg mehrere Tonnen dieses Stoffes produziert. Die alliierten Mächte wussten bereits in der Folgezeit um die Schlüsselrolle dieses Materials im deutschen Projekt. Diese Erkenntnis löste große Besorgnis unter den strategischen Planern der Gegenseite aus.
Der Schatten des unnatürlichen Stoffes
Der britische Premierminister bezeichnete das schwere Wasser als unheimlichen und unnatürlichen Stoff. Dieser habe sich wie ein Schatten in die geheimen Akten eingeschlichen und dürfe keinesfalls unterschätzt werden. Im folgenden Winter führten norwegische Widerstandskämpfer eine gewagte Sabotageoperation durch. Dabei wurde die Produktionsanlage schwer beschädigt, was die deutsche Produktion erheblich verzögerte. Der Angriff auf das Werk zeigte die strategische Bedeutung der Ressource für den gesamten Kriegsverlauf.
Die zerstrittene Forscherlandschaft
Das Uranprojekt war in eine experimentelle und eine theoretische Gruppe aufgeteilt. Beide Forschungszweige standen in einem intensiven und teilweise rivalisierenden Wettstreit zueinander. Der physikalische Chemiker Paul Harteck hatte die Marine frühzeitig über die militärische Bedeutung der Kernspaltung informiert. Er beschäftigte sich intensiv mit der Trennung der Uranisotope und reiste mehrfach nach Norwegen, um die Produktion zu überwachen. Seine enge Zusammenarbeit mit der dortigen Industrie war für den Fortgang der Forschungen unverzichtbar.
Die technischen Hürden der Isotopentrennung
Das spaltbare Uranisotop war der entscheidende Wirkstoff für eine mögliche Kernwaffe. Allerdings besteht nur ein verschwindend kleiner Bruchteil des natürlichen Urans aus diesem spezifischen Isotop. Die Anreicherung dieses Materials erwies sich als technisch extrem anspruchsvolles Unterfangen. Die nationalsozialistischen Wissenschaftler glaubten zeitweise, mit dem künstlich erzeugten Plutonium eine Alternative gefunden zu haben. Dieses neue Element wurde in den deutschen Unterlagen mit speziellen Chiffren bezeichnet.
Das Scheitern der Plutoniumalternative
Die Forschung berichtete den Behörden, dieses Material könne möglicherweise als Ersatz dienen und sei leichter zu beschaffen. Letztlich wurde jedoch klar, dass das Plutonium das Uran im deutschen Programm nicht ersetzen konnte. Die vorhandenen Reaktoren waren schlicht nicht in der Lage, das benötigte Material in ausreichender Menge zu erzeugen. Diese Erkenntnis bedeutete das faktische Ende der Hoffnungen auf eine baldige Fertigstellung der Waffe. Das Projekt versank daraufhin in einer Phase der Stagnation und des schwindenden Interesses.















