Der Beginn des Wandels: Wie die Ereignisse in Ungarn und der Fluchtdruck in der DDR zum Zusammenbruch des Systems führten

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Der Herbst 1989 markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte Europas und insbesondere in der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Über Jahre war die DDR geprägt von politischen Repressionen, wachsendem Unmut in der Bevölkerung und einer zunehmenden Fluchtbewegung in den Westen. Doch erst im Sommer und Herbst 1989 kam es zu einer Serie von Ereignissen im Osten Europas, die das Ende des kommunistischen Regimes in der DDR beschleunigten. Zentral dabei waren die Entwicklungen in Ungarn, die immer mehr Menschen dazu veranlassten, ihre Heimat zu verlassen, und die schließlich den Dominoeffekt in der DDR auslösten. Dieser Artikel beleuchtet die Geschehnisse in Ungarn, die steigende Fluchtbewegung, die politischen Reaktionen und die schließlich unaufhaltsame Öffnung der Grenzen, welche den Fall der Berliner Mauer herbeiführten.

Der Beginn der Grenzöffnung in Ungarn

Am 2. Mai 1989 kündigte die ungarische Regierung eine Entscheidung an, die die europäische Ordnung grundlegend verändern sollte. An diesem Tag erklärte Ungarns Außenminister Gyula Horn öffentlich, dass die Grenzbefestigungen zwischen Österreich und Ungarn abgebaut werden sollten. Damit begann eine allmähliche, doch unumkehrbare Öffnung der Grenzen im Osten Europas. Die bisher strikte Sperrzone, die den sogenannten «Eisernen Vorhang» bildete, begann sich aufzulösen. Dieser Schritt war das Ergebnis eines langwierigen Prozesses, der durch politische Veränderungen im ganzen Ostblock beschleunigt wurde.

Bereits im März war Ungarn der Genfer Flüchtlingskonvention beigetreten, was ab dem 12. Juni 1989 in Kraft trat. Diese Entscheidung war kein Zufall, sondern wurde maßgeblich durch die zunehmende Zahl an Flüchtlingen aus Rumänien beeinflusst, die in Richtung Westen flohen. Doch die Hintergründe für diese Entwicklung lagen tiefer: Es ging auch um die Stärkung rechtsstaatlicher Verfahren im Land, um den Zugang zu westlichen Krediten zu sichern. Ungarn verpflichtete sich mit diesem Schritt, keine Flüchtlinge mehr auszuliefern, wenn ihnen im Heimatland strafrechtliche Verfolgung oder andere Formen der Repression drohten. Diese Entscheidung stellte einen entscheidenden Wendepunkt dar, weil sie den Druck auf die Grenzen erhöhte und die früheren Abschottungsversuche in Frage stellte.

Am 27. Juni 1989 wurde diese Grenzöffnung durch eine symbolische Geste sichtbar gemacht: Ungarns Außenminister Gyula Horn und sein österreichischer Kollege Alois Mock durchtrennten an der Grenze bei Sopron den Stacheldrahtzaun. Dieses symbolische Handeln war ein klares Zeichen an die Welt: Die Zeit des ungehinderten Passierens war gekommen. Zwar blieben vorerst Grenzkontrollen bestehen, doch die symbolische Geste zeigte die Absicht, die Grenzen tatsächlich zu öffnen. Die Bilder dieser Aktion gingen um die Welt und verstärkten den Druck auf die anderen osteuropäischen Regierungen, ebenfalls Schritte in Richtung Öffnung zu unternehmen.

Die Fluchtbewegung nimmt zu

Bereits im Frühjahr 1989 zeichnete sich ab, dass die Öffnung der Grenzen in Ungarn eine enorme Wirkung entfalten würde. Die Bevölkerung in der DDR, die die zunehmenden Berichte über Fluchtmöglichkeiten im Westen verfolgte, reagierte mit wachsendem Unmut und Fluchtwunsch. Die Fluchtbewegung aus der DDR war schon vorher im Gange, doch mit den ersten sichtbaren Öffnungen in Ungarn kam es zu einer regelrechten Migrationswelle.

Schon im März 1989 waren die Zahlen dramatisch: Mehr als 54.000 Menschen hatten in den zuständigen Ämtern Anträge auf Ausreise gestellt. Die tatsächlichen Flucht- und Ausreisezahlen stiegen noch viel schneller. Zwischen Januar und April 1989 stiegen die Zahlen kontinuierlich, zunächst nur leicht, doch bereits im März und April wurden die Zahlen deutlich höher. Im Januar gelang 4.627 Menschen die Flucht, im Februar 5.008, im März 5.671 und im April 5.887. Die offiziellen Genehmigungen für Ausreisen durch die DDR-Behörden folgten diesem Trend: 3.741 im Januar, 4.087 im Februar, 4.487 im März und 4.996 im April.

Der Mai brachte eine entscheidende Veränderung: Die Fluchtzahlen verdoppelten sich erstmals. Im Mai flohen 10.642 Menschen, während 9.115 die Genehmigung erhielten, die DDR zu verlassen. Diese Entwicklung setzte sich auch in den folgenden Monaten fort: Im Juni waren es 12.142 Fluchtversuche und 10.646 genehmigte Ausreisen, im Juli 11.170 beziehungsweise 9.563. Die Zahlen zeigten deutlich: Die Fluchtbewegung wurde immer massiver, und die DDR-Regierung war kaum noch in der Lage, dagegen vorzugehen.

Die Zahl der Flüchtlinge, die die DDR verließen, erreichte im Sommer 1989 ein Ausmaß, das an die Krisenjahre 1953 und 1961 erinnerte. Bis zum Juli hatten bereits rund 100.000 Menschen die Heimat verlassen, was die Regierung vor große Herausforderungen stellte. Die Flucht war kein Einzelschicksal mehr, sondern eine Massenbewegung, die das bestehende System massiv bedrohte.

Die Ferientrauben und die Eskalation

Der Schulbeginn im Juli markierte eine weitere Eskalationsstufe. Mit den anstehenden Sommerferien nutzten Zehntausende die Gelegenheit, für einige Wochen nach Ungarn zu reisen. Für DDR-Bürger war das relativ unkompliziert: Es war kein Visum erforderlich, allerdings benötigte man eine Reisegenehmigung der DDR-Polizei. Im Jahr 1988 waren bereits etwa 800.000 Menschen auf diese Art und Weise nach Ungarn gereist. Die meisten Anträge wurden genehmigt, nur ein sehr geringer Anteil abgelehnt.

Im Juli 1989 registrierten die Behörden eine Steigerung der Reisewünsche um 25 Prozent. Die Berichte über erfolgreiche Fluchten in den westlichen Medien hatten eine starke Wirkung. Die sogenannten Fluchtwellen wurden zunehmend sichtbar. Tausende Urlauber warteten auf den richtigen Moment, um die Flucht zu wagen. Auch in Ungarn erkannten viele die Chance, sich als Fluchthelfer zu betätigen, um sich ein zusätzliches Einkommen zu sichern. Es gab keine organisierte Fluchthilfe – vielmehr handelte es sich um spontane Aktionen, bei denen einzelne Helfer versuchten, DDR-Flüchtlinge zu unterstützen.

Ab Ende Juli kam es zu wiederholten Botschaftsbesetzungen. Am 8. August schloss die Bundesrepublik in Ost-Berlin die Vertretung, in der etwa 130 Menschen campierten. Die Bundesdeutschen Botschaften in Budapest und Prag wurden später ebenfalls geschlossen, da sich dort insgesamt mehr als 300 Flüchtlinge aufhielten. Am 10. August fand ein weiteres Treffen zwischen ungarischen und ostdeutschen Geheimdienstvertretern statt. Seit dem 12. Juni hatten die Ungarn bereits 101 DDR-Flüchtlinge an die DDR übergeben – ein Zeichen, dass die bisherige Praxis der Übergabe bald beendet werden würde. Der Druck von internationaler Seite wurde immer größer, und die ungarischen Behörden standen vor der Wahl: Weiterhin Flüchtlinge auszuliefern oder die Grenzen endgültig zu öffnen.

Am 12. Juli wurde der letzte DDR-Bürger an das MfS übergeben. Danach begann eine neue Ära, die mit der wachsenden Fluchtbewegung zusammenhing. Am 13. August 1989, dem Jahrestag des Mauerbaus, organisierten ungarische und Leipziger Oppositionelle eine symbolische Aktion im Zentrum Budapests. Etwa 1.000 Menschen waren Zeugen, darunter drei Ungarn, zwei Briten, ein Pole und ein Leipziger. Sie bauten eine sogenannte „Mauer“ aus Papier und Pappe und hielten Reden, in denen sie forderten, dass die Mauer weg müsse und das System in der DDR beendet werden sollte.

Proteste und die gesellschaftliche Stimmung

Dieses symbolische Ereignis spiegelte die zunehmende Unzufriedenheit in der Bevölkerung wider. In der DDR dominierte zu dieser Zeit vor allem das Thema Flucht. Die Menschen waren verunsichert, warteten auf klare Signale des Regimes, doch alles blieb still. Die Regierung der DDR schien sich in den eigenen Problemen zu verlieren und zeigte kaum noch handlungsfähige Reaktionen. Die Ohnmacht des Regimes wurde immer offensichtlicher, während in den Wohnungen und auf den Straßen die Fluchtbewegung unaufhaltsam zu wachsen schien.

Intern herrschte jedoch rege Betriebsamkeit. Die frei gewordenen Wohnungen wurden schnell an neue Bewohner vergeben, um den Druck auf den Wohnungsmarkt zu mindern. Die Behörden mussten sich auch mit einem anderen Problem auseinandersetzen: die vielen Autos, die Flüchtlinge in Ungarn und Prag zurückließen. Wie sollten diese Fahrzeuge wieder in die DDR gebracht oder verteilt werden? Die medizinische Versorgung drohte zusammenzubrechen, und an vielen Schulen fehlten Lehrer zum Schulbeginn. Die Probleme schienen unüberschaubar.

Im August erarbeiteten verschiedene Arbeitsgruppen unter Leitung der Sicherheitsabteilung des ZK, des Innenministeriums und des MfS unterschiedliche Szenarien: Sofortige Grenzschließungen, großzügige Reiseregelungen oder die gleichzeitige Ausreise von Zehntausenden. Doch es gab keine Entscheidung. Die politische Führung der DDR zögerte, weil jede Option mit erheblichen Risiken verbunden war. Die Bundesregierung in Westdeutschland forderte mehrfach, die DDR solle das Problem durch eine Reformöffnung lösen, und appellierte an die Bevölkerung, im Land zu bleiben. Auch in der Bundesrepublik begann man, über die Kapazitäten der Gesellschaft nachzudenken, um die Fluchtbewegung aufzuhalten.

Die politische Reaktion und die ersten Öffnungen

Am 14. August 1989 äußerte Honecker erstmals eine Reaktion auf die Fluchtbewegung. Er zitierte das bekannte Wort von August Bebel: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.“ Damit wollte er die Entschlossenheit des Systems betonen. Doch die Reaktion wurde eher als hilflos wahrgenommen. Währenddessen sorgte eine andere Persönlichkeit für Aufsehen: Jörg Kotterba, Sportjournalist bei der „Berliner Zeitung“ und Chefredakteur der Zeitschrift „Der Leichtathlet“, veröffentlichte am selben Tag eine Ausgabe mit der Überschrift „42 nahmen Abschied von der Welt des Sports“.

In diesem Artikel standen ausschließlich Sportler, die die DDR-Auswahl verlassen hatten. Kotterba kommentierte den Abschied der Athleten mit nachdenklichen Worten und sprach vom schweren Schritt, den sie gemacht hatten, vom Abschied, der oft in Monaten und Jahren reifte. Besonders hob er Udo Beyer hervor, der den Abschied aus dem Leistungssport vollzogen hatte. Kotterba schrieb: „Es ist nicht leicht, Liebgewordenes zurückzulassen.“ Dabei war die Zahl auf der Liste nur 41, doch der Journalist war an jenem Tag in Malmö, schrieb einen Abschiedsbrief und floh in die Bundesrepublik. Der 42. auf der Liste war er selbst.

Unterdessen spitzte sich die Lage in Ungarn weiter zu. Mehr als 200.000 Ostdeutsche hielten sich dort auf, die meisten im Urlaub, doch Tausende warteten auf eine Gelegenheit zur Flucht. Am 19. August fand bei Sopron ein sogenanntes „paneuropäisches Picknick“ statt, bei dem die Veranstalter die Öffnung der Grenzen zwischen Ungarn und Österreich feierten. Sie verteilten Flugblätter, vor allem an Österreicher, doch auch viele Ostdeutsche nutzten die Gelegenheit, sich auf den Weg nach Westen zu machen. Nach Angaben der Organisatoren flohen an diesem Tag zwischen 800 und 900 DDR-Bürger nach Österreich. László Magas, einer der Initiatoren, berichtete später: „Am nächsten Morgen führte mich mein erster Weg an den Ort des Picknicks. Dort standen mindestens 20 Autos mit DDR-Kennzeichen. Es brach mir das Herz, denn viele Familien mussten alles zurücklassen – ihre Habseligkeiten, ihre Autos, manchmal jahrzehntelanges Eigentum – nur um der Freiheit willen.“

Obwohl die Grenzen am darauffolgenden Tag wieder geschlossen und militärisch bewacht wurden, war das Riss im Eis bereits entstanden. Die Bilder und Berichte darüber gingen um die Welt und lösten eine weltweite Diskussion aus. Wenige Tage später konnten die Menschen, die in der ungarischen Botschaft in Budapest festsaßen, mit Hilfe des Internationalen Roten Kreuzes über Österreich in die Bundesrepublik ausreisen. Der August wurde zum Monat der großen Fluchtbewegung: Insgesamt gelang es 21.000 Menschen, das Land zu verlassen, fast 13.000 durften offiziell ausreisen. Die Flüchtlingslager in Ungarn wurden von oppositionellen Gruppen, dem Roten Kreuz und der Bundesregierung betreut. Die Lage spitzte sich Tag für Tag weiter zu, und die ungarische Regierung sah sich zunehmend unter Druck gesetzt, eine Entscheidung zu treffen.

Am 25. August reisten Ministerpräsident Miklós Németh und Außenminister Gyula Horn nach Bonn, um mit Bundeskanzler Kohl und Außenminister Genscher zu sprechen. Sie kündigten an, aus humanitären Gründen die Grenzen zu öffnen und DDR-Bürgern die Ausreise zu ermöglichen. Kohl zeigte sich begeistert und versprach im Gegenzug großzügige finanzielle Unterstützung sowie Hilfe beim EU-Beitritt Ungarns. Kurz darauf hob Österreich vorübergehend die Visumspflicht für DDR-Bürger auf, um deren Durchreise zu erleichtern.

Das Ende der Flucht und die endgültige Grenzöffnung

Am 31. August traf Gyula Horn in Ost-Berlin ein, um mit DDR-Außenminister Fischer zu sprechen. Er kündigte an, dass Ungarn ab dem 11. September die Grenzen für DDR-Bürger öffnen werde, falls die DDR bis dahin keine Rückführung der Flüchtlinge in die Heimat vorgenommen hätte. Das Politbüro der DDR lehnte diesen Vorschlag jedoch ab. Doch die Ereignisse ließen sich nicht aufhalten. Bereits am 1. September öffneten die Ungarn ihre Grenzen endgültig. Innerhalb der ersten drei Tage flohen 15.000 DDR-Bürger, bis zum Ende des Monats waren es bereits 34.000. Die DDR-Regierung erlaubte offiziell die Ausreise von 12.000 Menschen. Insgesamt waren in den zwei Monaten mehr als 80.000 Menschen über die Grenzen geflohen. Die Situation in den Flüchtlingslagern wurde immer prekärer. Die Botschaft in Warschau wurde geschlossen, die Zahl der Flüchtlinge in Prag stieg auf über 900.

Die Fluchtbewegung war unaufhaltsam geworden. Die Nachbarländer versuchten, die Welle zu begrenzen, doch die Ereignisse überrollten alle. Am 27. September erklärte die Regierung der ČSSR, dass es keine ungarische Lösung geben werde. Die Situation in der DDR spitzte sich weiter zu. Die SED-Führung reagierte mit einer aggressiven Propagandakampagne: Es wurde von Menschenschmugglern, westlichen Medien und einer psychologischen Kriegsführung gesprochen. Das MfS stellte fest, dass die Mehrheit der Flüchtenden junge, gut ausgebildete Menschen unter 40 Jahren waren, die kaum vorher Ausreiseabsichten geäußert hatten. Viele waren keine politischen Kritiker, sondern flohen aus Angst vor dem Unbekannten.

Die „Junge Welt“ und andere Propagandaschriften schürten die Angst und hetzten gegen die Flucht. Am 30. August erschien ein großes Interview mit einem jungen Mann, der im Juli 1988 in Ungarn beim Fluchtversuch festgenommen worden war. Er berichtete, wie kalt die Gesellschaft im Westen sei und wie sehr er wieder in die DDR zurückwolle. Er wurde später im Januar 1990 wieder in die DDR zurückgeschickt und berichtete, er sei „irre vor Glück“. Bereits Tage vorher hatten Medien wie die „Berliner Zeitung“ berichtet, wie DDR-Familien an den Grenzposten „abgepasst“ wurden, um die besten Fluchtgeschichten zu ergattern.

Die Propaganda verstärkte die inneren Spannungen. Günter Herlt, Redakteur beim „Neuen Deutschland“, erklärte, es gebe keine objektiven Gründe für die Flucht. Hans-Dieter Schütt sprach von „Abwerbung“ und einer „kapitalistischen Verschwörung“. Er forderte, dass die DDR jeden brauche, der bereit sei, an der Sache mitzuwirken. Am 21. September 1989 meldete Klaus Höpcke, dass im Land eine offene Diskussion notwendig sei. Er sprach sich für eine ehrliche Auseinandersetzung über die Probleme aus und forderte Reformen. Seine Worte wurden später als erster Versuch gewertet, die inneren Schwierigkeiten des Systems offen anzusprechen.

Die öffentlichen Reaktionen und die dramatische Lage

Weitere bekannte Persönlichkeiten meldeten sich zu Wort. Günter Kertzscher erklärte, die DDR sei die „beste Welt“, und meinte damit, dass der „Pluralismus“ hier nicht möglich sei. Heinz Kamnitzer zitierte Ernst Reuter und rief dazu auf, den „Staat“ zu beobachten und kritisierte die Bundesrepublik. Er warf ihr vor, die Grenzen 1937 nicht zu respektieren und eine aggressive Politik in Europa zu verfolgen.

Am 21. September 1989 sorgte ein Interview im „Neuen Deutschland“ für Aufsehen: Der Koch Helmut Ferworn, Mitglied der SED, berichtete, er sei in Budapest in eine Falle geraten. Er sei in eine Wohnung einer Ungarin geführt worden, habe eine Mentholzigarette bekommen und sei danach benebelt aufgewacht. Angeblich seien sie auf dem Weg in die „Freiheit“ gewesen. Viele hielten diese Geschichte für Unsinn, da sie offensichtlich propagandistisch inszeniert war. Ferworn selbst floh tatsächlich, bereute seine Entscheidung in Wien und meldete sich bei der DDR-Botschaft. Die SED, das MfS und er erfanden eine Geschichte, die jedoch unbeabsichtigt den Glauben an die Glaubwürdigkeit des Systems innerhalb der eigenen Reihen untergrub. Am 3. November entschuldigte sich die „Neue Deutschland“ öffentlich für die Lüge. Ferworn erklärte später, dass die Geschichte nicht stimme und das System nichts davon gewusst habe.

Fazit: Der Beginn des Endes der DDR

Die Ereignisse des Jahres 1989 markieren den Anfang vom Ende der DDR, ausgelöst durch eine Kombination aus politischen Entscheidungen in Ungarn, der massiven Fluchtbewegung der Bevölkerung in Richtung Westen und der gesellschaftlichen Unzufriedenheit mit dem bestehenden Regime. Die Öffnung der Grenzen in Ungarn, die symbolischen Aktionen und die Massenflucht führten dazu, dass die DDR-Regierung immer mehr ihre Kontrolle verlor und schließlich im November 1989 die Mauer öffnete. Diese Entwicklungen waren das Ergebnis jahrzehntelanger innerer Spannungen, die durch äußere Einflüsse und die Bereitschaft der Bevölkerung, für Freiheit und Demokratie zu kämpfen, beschleunigt wurden. Der Fall der Berliner Mauer war somit kein plötzlicher Zufall, sondern das Ergebnis eines langen, schmerzhaften und gleichzeitig mutigen Weges in eine neue Ära Europas.