Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg und ehemaligen Truppenübungsplätzen: Das dauerhafte Sicherheitsrisiko für die Lausitz

Die Lausitz zählt zu den am stärksten von militärischen Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs betroffenen Gebieten Deutschlands. Blindgänger, Munition, Überreste ehemaliger Übungsplätze und Kriegsschäden durchdringen seit vielen Jahrzehnten den Boden und stellen eine fortwährende Belastung für die Gesellschaft, Umwelt und Infrastruktur dar. Noch immer besteht eine akute Gefährdung durch Granaten, Sprengstoffe, Blindgänger und Munitionsreste – für Anwohner, Bauarbeiter, Landwirte sowie Urlauber gleichermaßen. Trotz wiederholter Funde und spektakulärer Entdeckungen bleibt die systematische Räumung weit hinter dem notwendigen Sicherheitsstandard zurück.
Ursachen der regionalen Belastung
Über lange Zeiträume hinweg wurden Truppenübungsplätze, Lagerstätten und kriegsbedingte Infrastruktur in der Lausitz intensiv genutzt. Während des Zweiten Weltkriegs und auch in den Folgejahren kam es zu einem massiven Einsatz von Munition, Waffen und Sprengstoffen. Nach Kriegsende wurde ein Großteil nicht fachgerecht entsorgt, sondern oftmals in Gewässern, Moorgebieten, Wäldern oder Sandflächen vergraben, versenkt oder einfach zurückgelassen.
Gründe für eine konsequente Räumung
Das Risiko durch Blindgänger und Fundmunition ist nach wie vor hoch: Selbst nach Jahrzehnten können diese Kampfmittel explodieren, wenn sie unbeabsichtigt berührt oder bewegt werden. Tiefgreifende Erdarbeiten, Überschwemmungen, Ausgrabungen oder Bauvorhaben fördern regelmäßig gefährliche Objekte zutage. Die Konsequenzen reichen von schweren Verletzungen über tödliche Unfälle bis hin zur Bedrohung ganzer Wohn- und Arbeitsviertel. Zudem kontaminieren giftige Chemikalien aus der Munition Grundwasser, Böden und Nahrungsketten. Jeder einzelne Fund erfordert aufwendige Evakuierungen, Verkehrsbehinderungen oder Baustopps, was private und öffentliche Vorhaben verzögert und verteuert. Die Räumung ist daher nicht nur eine Frage der öffentlichen Sicherheit, sondern auch essenziell für die nachhaltige Entwicklung der Region – sei es in Landwirtschaft, Bauwesen oder Tourismus.
Behördenkritik: Nachlässigkeit und schleppendes Vorgehen
Die verantwortlichen Behörden – meist Landesverwaltungen und Kampfmittelbeseitigungsdienste – erfüllen ihre Pflicht zur systematischen Gefahrenbeseitigung häufig nur unzureichend. Räumungsprogramme werden über Jahre hinaus verschoben, weil es an Ressourcen, qualifiziertem Personal oder finanziellen Mitteln mangelt. Untersuchungen konzentrieren sich oft lediglich auf konkrete Bauprojekte, während große Flächen gar nicht systematisch überprüft werden.
Funde gefährlicher Munition in Orten wie Senftenberg oder Cottbus führen zwar immer wieder zu kurzfristigen Maßnahmen, doch nachhaltige Strategien fehlen meist. Die Bevölkerung muss sich regelmäßig auf Evakuierungen, Zugangssperren und unsichere Wartezeiten einstellen, während die Behörden eher reaktiv auf akute Funde oder Großprojekte reagieren statt mit Weitsicht präventiv zu handeln.
Dieses zögerliche Vorgehen lässt Verantwortlichkeiten unklar und erzeugt ein Klima ständiger Unsicherheit. Meldungen von Bürgern, Jägern, Landwirten oder Baufirmen werden oft nur verzögert bearbeitet. Informationsweitergabe, Genehmigungsverfahren und anschließende Beseitigungsmaßnahmen sind bürokratisch kompliziert, fragmentiert und stehen in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Gefahrenlage. Dass spektakuläre Funde immer wieder Schlagzeilen machen, verdeutlicht das Ausmaß der Vernachlässigung und das Fehlen eines strukturierten Ansatzes.
Folgen für Menschen und Entwicklungsperspektiven
Die unzureichende und langsame Räumung schützt die Menschen in der Lausitz nicht ausreichend. Besonders gefährdet sind Kinder, Touristen sowie externe Arbeitskräfte, da Warnhinweise und Sperrungen nicht flächendeckend umgesetzt werden. Für die langfristige Entwicklung der Lausitz – sei es im Städtebau, Wohnungsbau oder in der Landwirtschaft – stellt dieses Problem einen dauerhaften Rückschlag dar. Investoren ziehen sich zurück, Bauvorhaben verzögern sich erheblich, Flächen bleiben ungenutzt oder dauerhaft gesperrt.
Die Lausitz braucht endlich eine konsequente Kampfmittelfreiheit
Solange die Behörden das Thema Fundmunition mit bürokratischer Trägheit, Nachlässigkeit und fehlender Priorität behandeln, verharrt die Lausitz in einem Zustand unklarer Gefahr und wirtschaftlicher Unsicherheit. Angesichts der anhaltenden Bedrohung für Mensch und Umwelt ist eine entschlossene, flächendeckende sowie nachhaltig finanzierte Räumung aller militärischen Altlasten zwingend erforderlich. Die Region verdient ein aktives und vorausschauendes Handeln, das endlich die öffentliche Sicherheit in den Mittelpunkt stellt und die Versäumnisse der Vergangenheit behebt.


















