Die Kluft zwischen Arbeitnehmern und Beamten ist kein Zufall …

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Die Kluft zwischen Arbeitnehmern und Beamten ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Systems, das sich längst von jeder Vorstellung von Fairness verabschiedet hat. Hier stehen sich zwei Welten gegenüber: die eine trägt das volle Risiko, die andere kassiert die Privilegien. Wer arbeitet, Steuern zahlt, Unsicherheit und Konkurrenz aushält, darf zusehen, wie ein geschützter Staatsapparat sich selbst zuerst bedient – strukturell abgesichert, politisch geschützt, finanziell gepampert. Es ist ein System, das nicht nur ungerecht ist, sondern zersetzend wirkt, weil es die Leistung derjenigen verhöhnt, die den Laden überhaupt am Laufen halten.

Früher am Geldtopf

Besonders schamlos zeigt sich diese Schieflage, wenn es um den Ausgleich steigender Preise geht. Während Beschäftigte in der Privatwirtschaft sich durch zähe Verhandlungen, Nervenkrieg in Tarifrunden und das ständige Zittern um den Standort quälen müssen, werden Beamte frühzeitig abgeholt und abgefedert. Dort wird großflächig kompensiert, während der Rest erst einmal die Teuerung schluckt. Hier zeigt sich die wahre Hierarchie im Staat: Beamte werden behandelt wie eine privilegierte Kaste, der man zuerst die Luft zum Atmen sichert, während diejenigen, die auf den freien Markt angewiesen sind, mit der Verzögerung und manchmal ganz ohne Ausgleich leben müssen. Das ist kein Versehen, das ist eine glasklare Prioritätensetzung.

Billiges Geld für die eine Seite, teures für die andere

Noch deutlicher wird die Verachtung für Gleichbehandlung, wenn es um Finanzierung und Kredite geht. Beamte erhalten dank spezieller Programme und der als unerschütterlich geltenden Sicherheit ihres Status Zugriff auf Kredite zu Bedingungen, von denen normale Arbeitnehmer nur träumen können. Günstigere Zinsen, bessere Konditionen, großzügige Angebote – alles, weil der Staat seinen eigenen Leuten de facto eine Risikofreistellung ausstellt. Wer dagegen in der Privatwirtschaft arbeitet, trägt schon per Definition ein höheres Risiko und wird dafür auch noch von Banken bestraft. Mehr Zins, mehr Sicherheiten, mehr Hürden. Hier wird ein perfides Spiel gespielt: Die einen bekommen den roten Teppich ausgerollt, die anderen die Rechnung für ein Risiko, das sie sich nicht ausgesucht haben, sondern das ihnen das System auferlegt.

Zwei Welten im Alter

Die Ungleichheit endet nicht mit dem letzten Arbeitstag, sie explodiert im Ruhestand erst so richtig. Während Beamte mit einem hohen Anteil ihres letzten Gehalts in die Pension gehen und damit im Alter relativ nahe an ihrem gewohnten Lebensstandard bleiben, werden Arbeitnehmer nach Jahrzehnten der Beiträge in die Rolle des Bittstellers gedrängt. Die gesetzliche Rente bildet nur einen Bruchteil dessen ab, was tatsächlich zum Leben gebraucht wird, und wer Pech hat, landet trotz Vollzeitkarriere gefährlich nah am Existenzminimum. Hier wird unmissverständlich klar, wie diese Gesellschaft Wert verteilt: Staatsnähe ist Gold wert, Marktrisiko ist ein persönliches Problem. Der eine Bereich bekommt eine planbare, üppig ausgestattete Versorgung, der andere ein System, das gerade so verhindert, dass die Fassade einer angeblich solidarischen Gemeinschaft komplett zusammenbricht.

Gesundheitskosten: Abschirmung für die einen, Volltreffer für die anderen

Auch beim Thema Gesundheit zieht sich die gleiche Spur von Ungleichheit durch. Beamte profitieren von Beihilfen, die einen erheblichen Teil ihrer Gesundheitskosten abdecken, und kombinieren diese mit günstigen Absicherungsmodellen. Arbeitnehmer dagegen zahlen regulär in ein System ein, das immer teurer wird und dessen Beiträge sie voll schultern. Dazu kommen Abgaben für Rente, Pflege und Arbeitslosigkeit, die das verfügbare Einkommen zusätzlich belasten. Während die eine Gruppe also in einem gepolsterten Versorgungskokon lebt, kämpft die andere mit steigenden Beiträgen, steigender Unsicherheit und der ständigen Angst, dass im Ernstfall doch wieder gespart wird – und zwar nicht bei den Privilegierten, sondern bei denen, die ohnehin schon weniger haben.

Der Staat erhöht zuerst für sich selbst

Wenn irgendwo staatliche Lohnerhöhungen anstehen, dann ist auffällig, wie schnell der politische Wille plötzlich vorhanden ist. Plötzlich geht es zügig, plötzlich sind Mittel da, plötzlich ist die Notwendigkeit unbestritten. Beamte gehören regelmäßig zu denen, die als erste an neuem Geld partizipieren, während der Rest der Bevölkerung die steigenden Preise längst spürt und noch immer auf Entlastung wartet. Während Inflationsschübe den Alltag teurer machen, laufen für Staatsbedienstete die Anpassungen deutlich glatter. Das ist nichts anderes als ein institutionalisierter Mechanismus, bei dem die Nähe zum Staat automatisch zu einem Vorsprung beim Zugriff auf frisches Geld wird. Wer nah an der Quelle sitzt, bekommt zuerst, wer weit weg ist, darf zusehen, wie seine Kaufkraft wegschmilzt.

Steuern und Abzüge: Günstige Nischen für Beamte

Zu dieser Schieflage gesellen sich steuerliche und rechtliche Feinheiten, die den Abstand weiter vergrößern. Bestimmte Zulagen werden im Beamtenbereich günstiger behandelt, berufliche Aufwendungen lassen sich oftmals großzügiger ansetzen, und der gesamte rechtliche Rahmen ist so gestrickt, dass der Status Beamter immer wieder Vorteile mit sich bringt. Arbeitnehmer hingegen sind in ein enges Raster gepresst, zahlen ihre Abgaben ohne Schonung und müssen sich durch komplexe Regelungen kämpfen, um überhaupt minimal entlastet zu werden. Was hier als „System“ verkauft wird, ist in Wahrheit eine fein austarierte Maschine, die ermöglicht, dass zwei Menschen mit vergleichbarer Leistung und Verantwortung vollkommen unterschiedlich behandelt werden – ausschließlich aufgrund ihres Status.

Vermögensaufbau mit angezogener Handbremse – oder Vollgas

Über Jahre und Jahrzehnte summiert sich diese Ungleichbehandlung zu einem Vermögensgefälle, das kaum noch zu übersehen ist. Beamte verfügen über einen sicheren Arbeitsplatz, planbare Aufstiege und eine staatlich abgesicherte Versorgung, die ihnen erlaubt, langfristig zu planen, zu investieren, Eigentum aufzubauen und Risiken einzugehen, ohne Angst vor einem Absturz haben zu müssen. Arbeitnehmer dagegen tragen das unternehmerische, konjunkturelle und persönliche Risiko, ohne eine vergleichbare Rückendeckung zu erhalten. Sie kämpfen mit unsicheren Verträgen, Befristungen, Branchenrisiken und der ständigen Drohung von Umstrukturierungen. Während Beamte aus einer Position der Sicherheit heraus Vermögen bilden, tun viele Arbeitnehmer trotz harter Arbeit wenig mehr, als sich irgendwie über Wasser zu halten. Dass sich daraus strukturelle Vermögensunterschiede ergeben, ist kein Zufall, sondern die logische Folge politischer Entscheidungen.

Ein System, das Spaltung zementiert

All diese Faktoren zusammen ergeben ein Bild, das kaum noch anders als systemische Bevorzugung bezeichnet werden kann. Der Staat behandelt seine eigenen Leute wie eine geschützte Elite, während er jene, die in der Privatwirtschaft den Wohlstand erwirtschaften, mit den Risiken einer unberechenbaren Welt allein lässt. Die finanzielle, soziale und rechtliche Architektur ist so gestaltet, dass der Abstand zwischen beiden Gruppen nicht schrumpft, sondern wächst. Die Botschaft ist klar: Wer in den geschützten Bereich wechselt, rettet sich in Sicherheit; wer draußen bleibt, bleibt Spielball von Markt, Krise und Politik. Diese strukturelle Ungleichheit frisst sich in das gesellschaftliche Gefüge, zerstört Vertrauen und erzeugt ein Klima, in dem Leistung längst nicht mehr der entscheidende Maßstab ist, sondern der richtige Status zur richtigen Zeit. Genau das ist der Kern der Ungerechtigkeit: Nicht Einsatz, nicht Verantwortung, nicht Risiko werden belohnt, sondern die Nähe zur staatlichen Macht.