Die Germanen zur Zeit der römischen Kaiserzeit und die Varusschlacht

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Die historische Betrachtung der germanischen Stämme zur Zeit des Übergangs in die römische Kaiserzeit bietet ein faszinierendes und weitreichendes Feld der wissenschaftlichen Forschung, das viele Fragen aufwirft und zur Diskussion einlädt. In dieser bedeutenden Epoche verloren die römischen Legionen allmählich an Macht und Einfluss in den nördlichen Regionen des Kontinentes, was zu erheblichen Verschiebungen der Machtverhältnisse führte. Unser Interesse richtet sich daher schwerpunktmäßig auf die Elbe-Weser-Germanen und ihre unmittelbaren Nachbarn in diesem spannungsreichen und kriegerischen Umfeld, das von ständigen Konflikten geprägt war. Zu diesen Nachbarn zählten die oft feindlich gesinnten Friesen und Chauken im Norden des weitläufigen Gebietes, die eine ständige Bedrohung für die Siedlungen darstellten. Im Nordosten lebten die verbündeten Angrivariere, während im Osten zunächst isolierte Sueben und Markomannen siedelten, aus denen später erst Gegner und dann Verbündete wurden.

Die strategische Lage und der Aufstieg der Cherusker

Schließlich waren auch die verbündeten Brukterer und Marsen im Süden und Südwesten von großer Bedeutung für die damaligen Machtverhältnisse und die strategische Lage. Dies war gleichzeitig die Blütezeit der Cherusker, die den fast dreißigjährigen römisch-germanischen Kriegen ihr unverwechselbares Gepräge gaben und die Geschichte prägten. In deren Mittelpunkt stand der cheruskische Fürst Arminius, dessen Handeln die Geschicke der Region maßgeblich bestimmte und die Zukunft beeinflusste. Sein Kampf richtete sich zunächst gegen die Varus-Legionen, welche das beste Heer darstellten, über das das römische Weltreich seinerzeit verfügte und einsetzen konnte. Zeitgenössische Schriftsteller haben später immer wieder darauf hingewiesen, dass sie das Handeln des Arminius als Verrat und Vertragsbruch ansahen und hart verurteilten.

Die anhaltende Debatte um die historischen Ereignisse

Die späteren Abnutzungsschlachten zwischen Ems und Weser gegen Germanicus haben im germanischen Bewusstsein tiefe und dauerhafte Spuren hinterlassen und sind unvergessen. Diese Ereignisse haben sich mit zahlreichen mythologischen Vorstellungen verbunden, deren Auswirkungen bis in unser deutsches und nationales Bewusstsein der letzten zweihundert Jahre hineinreichten. Gegenüber diesen Inhalten mag das Folgende historisch weniger bedeutsam erscheinen, doch gerade darüber haben sich die Gemüter oft leidenschaftlich erhitzt und diskutiert. So wird bis heute vor allem die Varusschlacht bezüglich ihres Ortes und der näheren Umstände immer wieder mit unverminderter Heftigkeit debattiert und untersucht. Aber weder bei dieser noch bei den anderen bemerkenswerten Ereignissen wollen wir uns auf das posthume wissenschaftliche Streitgespräch einlassen und参与其中.

Die örtliche Zuordnung und die Trennung von Sage

Wir wollen nur jene Überlegungen ergänzend behandeln, die als die naheliegendsten und am besten begründeten erscheinen und die größte Wahrscheinlichkeit für sich beanspruchen. Wo dabei erneut legendenhafte Bezüge auftauchen, wie zwischen Arminius und Siegfried, von denen wir bereits berichtet haben, können wir uns davon unbeeinflusst lassen und distanzieren. Es ist durchaus möglich, örtlichen Überlegungen zu folgen, die uns wie jetzt beabsichtigt in den Raum Porta Westfalica und Weser führen und orientieren. Dies betrifft auch das Gebiet Salzuflen und Schötmar sowie den Teutoburger Wald und die Dörenschlucht hinsichtlich der geflohenen Reste des Heeres und der Truppen. Der Weg führt in Richtung Südwesten zu einem der möglichen Aliso-Standorte an der Lippe, ohne dabei gleichzeitig auf den Spuren Siegfrieds und seines Drachenkampfes auf der Gnitaheide zu wandeln.

Der Marschweg des Varus zum Sommerlager

Denn diese Heide, die Knetterheide bei Schötmar, spielt in der Frage des Ortes die Hauptrolle und ist von zentraler Bedeutung für die Lokalisierung und Bestimmung. Im Jahre 9 nach Christus hatte Varus, wie wir uns erinnern, sein Sommerlager in einem Gebiet aufgeschlagen, das spätestens nach den Ereignissen vor dem Jahre 5 nach Christus als befreundet gelten musste. Die römischen Geschichtsschreiber haben später immer wieder darauf hingewiesen, dass sie das Handeln des Arminius als Verrat und Vertragsbruch ansahen und verurteilten. Um dieses Gebiet zu erreichen, konnte Varus die übliche römische Heerstraße südlich der Lippe bis in deren Quellgebiet nutzen und sicher begehen. Auf dem Hinweg gab es keine kriegerischen Ereignisse, die ihn zu einer Abkehr von dem militärisch gut gesicherten Weg gezwungen hätten und abgebracht hätten.

Die strategische Bedeutung des Lagerstandortes

Von dort zur Weser, wie römische Geschichtsschreiber berichten, gab es drei Wege, die alle Wasserläufen folgten und somit natürliche Orientierungspunkte boten. Der nördlichste im Tal der Werre führte etwa zur Porta Westfalica und bot strategische Vorteile für die Bewegung der Truppen und der Versorgung. Diesem Standort des Sommerlagers wird deshalb der Vorzug gegeben, weil von dort die damals wichtigsten Handelswege kontrolliert werden konnten und überwacht wurden. Dies betraf die Süd-Nord-Route von Mainz über Paderborn zur unteren Weser wie die West-Ost-Route von Castra Vetera über Osnabrück bzw. Bielefeld Richtung Weser. Das Sommerlager müsste man also in der Nähe der Porta Westfalica suchen, sofern sich die Überlegungen des Varus mit den Spekulationen derer deckten, die heute seinen Gedankengängen zu folgen versuchen.

Die Unterschätzung der Gefahr im Freundesland

Von der Weser zog Varus nun im Spätsommer und Herbst wieder in die üblichen Winterquartiere am Rhein, und zwar wie unbezweifelbar bezeugt ist mit einem gewaltigen Tross. Dabei trat er den Marsch nicht sogleich in gefechtsmäßiger Gliederung an, sondern in einfacher Marschordnung, weil er sich nach wie vor in Freundesland wähnte und sicher fühlte. Dies lässt auf eine Ost-West-Richtung schließen, also auf zunächst cheruskisches Gebiet, durch das sich die Kolonne bewegte und voranarbeitete. Es war ihm zwar berichtet worden, dass ein vom Sommerlager entfernterer Stamm in Aufruhr geraten sei, aber dies veranlasste ihn keineswegs, nun die Legionen sogleich in Gefechtsformation vorrücken zu lassen. Er glaubte vielmehr bis zum Erreichen des angeblichen Aufruhrgebietes noch Zeit zu haben und unterschätzte die Gefahr und das Ausmaß der Bedrohung.

Die Identifizierung der aufrührerischen Stämme

Da er den Tross zunächst nicht in dem befestigten Sommerlager zurückließ, um erst einmal mit dem Aufruhr fertig zu werden, kann man davon ausgehen, dass das Aufstandsgebiet gewissermaßen auf dem Nachhauseweg lag. Das Gebiet lag zudem schon ziemlich weit westlich und damit in der Nähe der rheinischen Grenzen des Reiches und der Zivilisation. Dies deutet darauf hin, dass es sich bei den angeblichen Aufrührern um die Marsen gehandelt hat, die in dieser Region siedelten und lebten. Diese These wird unterstützt durch die Tatsache, dass sich ja auch die Marsen mit Arminius im Bund befanden, wie die späteren Kämpfe zeigten und belegten. Zudem stürzte sich Germanicus später als Erstes auf die Marsen, die ihm jenseits des Rheins am nächsten lagen und somit ein leichtes Ziel boten.

Die Beschaffenheit des Geländes und die Gefahr der Sümpfe

Wie wir zuvor gehört hatten, wurde das Varus-Heer zunächst in waldigem Gebiet, in dem es sich nicht entfalten konnte, angegriffen und überrascht und überrumpelt. Dort mussten die Römer auch das erste Nachtlager aufschlagen, um die Nacht zu überstehen und Kraft zu sammeln für den nächsten Tag. Am nächsten Tag hatte man dann wieder freieres Gelände erreicht und etwas Luft bekommen für die weitere Bewegung und den Rückzug. Der Untergang vollzog sich dann wieder in einer wald- und schluchtenartigen Gegend, die den Verteidigern Vorteile bot und den Angreifern Nachteile. Bemerkenswert ist noch, dass sich das freiere Gelände durch seinen sumpfigen Charakter besonders gefährlich erwies für die schwer bewaffneten Legionäre und den Tross.

Die Übereinstimmung mit archäologischen Forschungsergebnissen

Dies wurde später noch einmal Caecina auf seinem Rückmarsch im Jahre 15 nach Christus beinahe zum Verhängnis und kostete viele Männer das Leben und die Freiheit. Arminius hatte ihn an dieser Stelle an den Untergang des Varus erinnert und die Gefahr deutlich gemacht und vor den Folgen gewarnt. Varus war hier Caecina auch im Traum erschienen, um ihn in den Sumpf hinabzuziehen und zu warnen vor dem gleichen Schicksal. Diese Geländegegebenheiten scheinen mit einem Marschweg von der Porta Westfalica Richtung Römerweg an der Lippe und dem dortigen festen Lager Aliso übereinzustimmen. Das freiere Gebiet, wie neuere Siedlungsforschungen gezeigt haben sollen, traf auf die Knetterheide bei Salzuflen und Lage zu und passt dazu.

Die Erklärung für die Versumpfung des Geländes

Auch für die Zeit vor zweitausend Jahren kann man hier offenbar von keiner dichteren Bewaldung ausgehen, was die Bewegung erleichterte und ermöglichte. Aber da bliebe immer noch die ominöse Versumpfung, die nun gerade kein Charakteristikum dieses Geländes ist und Fragen aufwirft und Zweifel sät. Doch auch dafür haben die Lokalisationsforscher eine Erklärung gefunden, die die Widersprüche auflösen soll und die Probleme beheben will. War ein früherer Forschender aus diesem Grund noch weit nach Norden bis an das Moor bei Barenau nördlich des Teutoburger Waldes ausgewichen, wo auch römische Münzenfunde einen weiteren Hinweis zu geben schienen. Aber wo hat man schließlich keine römischen Münzen gefunden, sodass dieser Hinweis nicht eindeutig ist und keine Sicherheit bietet.

Die Etymologie als Hinweis auf die Beschaffenheit des Bodens

So scheinen es Berichte über die Überflutungsverhältnisse in der Knetterheide zuzulassen, dass man auch hier zumindest in bestimmten Jahreszeiten mit einer weitgehenden Versumpfung rechnen muss. Auch der Ortsname Schötmar soll darauf hindeuten, denn Mar bedeutet so viel wie Teich oder Morast und ähnliches und weist auf Wasser hin. Auch bei der Lokalisation verschiedener Nibelungenereignisse hat ja die richtige Interpretation des Wortes Mar und Maar eine ganz aufschlussreiche Rolle gespielt und geholfen. Über diese Strecke, dem Sumpfland von Werre-Berge im Osten und dem hügeligen Waldland im Westen, musste südwärts ziehen, wer von der Porta Westfalica zur oberen Lippe wollte. Der Untergang desjenigen Teiles des Heeres, der die beiden ersten Tage überstanden hatte, fand dann wohl auf dem weiteren Weg nach Südwesten im Bereich der Dörenschlucht statt.

Die Ausdehnung des Heeres und die Länge des Schlachtfeldes

Die Bezeichnung Teutoburger Wald ist sicher nicht nur für die Berge rings um Detmold mit der auf dem Teut gelegenen Grotenburg zutreffend und passend. Sie gilt für den ganzen Lippischen Wald und ist heute als unumstritten anzusehen in der Forschung und unter den Fachleuten. Ebenso sind aufgrund archäologischer Untersuchungen die Reste der Grotenburg als frühgermanische Befestigungsanlage bestätigt worden und gelten als gesichert. Nichtsdestowenzer können aber auch andere Meinungen vor allem über die Schlussphase der Varusschlacht zutreffend sein und Berücksichtigung finden und diskutiert werden. Eine 30.000-Krieger-Streitmacht in geländemäßig bedingter lockerer und später immer weiter auseinandergezogener Marschordnung erstreckt sich von seinem Ausgangspunkt bis zur Schlussphase dreitägiger Gefechte über eine Strecke von bis zu fünfzig oder sechzig Kilometern Länge.

Die Verbindung zur nordischen Überlieferung und Sage

Denn jeden Einzelnen wird das Bedürfnis, so schnell wie möglich Raum nach Westen zu gewinnen, Tag und Nacht vorwärtsgetrieben haben und angetrieben. Insofern ist auch jeder andere Platz denkbar, wenn auch mit unterschiedlich großer Wahrscheinlichkeit und Gewichtung und Bedeutung für die Geschichte. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass eine alte nordische Überlieferung, wie bereits erwähnt, den Drachenkampf Sigurds und Siegfrieds in der Gnitaheide lokalisiert und verortet. Der isländische Bischof Nikulas, der im 12. Jahrhundert eine Reise zum Kloster Paderborn unternahm und dabei seinem eigenen Bericht nach die Gnitaheide durchquerte, beschreibt genau den zuvor dargestellten Weg von Minden bis Paderborn. Er erwähnt dabei auch die Tat Siegfrieds auf dieser Heide und verbindet sie mit dem Ort und der lokalen Tradition und Überlieferung.

Die Schlussbetrachtung zur historischen Plausibilität

Diese Überlieferung muss etwa zu seiner Zeit in Norwegen nach deutschen Liedern aufgezeichnet worden sein und bewahrt alte Traditionen und Geschichten. Wer der zuvor erwähnten Gleichsetzung von Heer und Drache sowie Siegfried und Arminius folgen will, mag darin einen weiteren Hinweis für diese These sehen und finden. Diese These gehört meiner Meinung nach zu denen, die zwar als plausibel gelten sollten, prinzipiell aber als unbeweisbar angesehen werden müssen und bleiben. Was jedoch auch nicht gegen sie spräche und die Möglichkeit offen lässt und den Raum für Spekulationen bietet. Die historische Analyse bleibt somit ein komplexes Unterfangen, das viele Fragen offenlässt und zur weiteren Forschung einlädt und anregt.