Der Wandel in der amerikanischen Außenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg
Screenshot youtube.comNach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und im Zuge des sich verschärfenden Kalten Krieges änderte sich die amerikanische Außenpolitik grundlegend. Die Vereinigten Staaten sahen sich zunehmend in der Rolle des globalen Verteidigers gegen den sowjetischen Einfluss und den Kommunismus. Mit der Wahl Dwight D. Eisenhowers im Jahr 1953 kam eine Führung an die Macht, die über bedeutende militärische Erfahrung verfügte und eine klare Strategie im globalen Kampf gegen den Kommunismus verfolgte. Diese Veränderungen waren maßgeblich dafür verantwortlich, wie die USA in den folgenden Jahren vor allem in Asien und Europa agierten. Dabei standen insbesondere die Konflikte in Vietnam und die Niederlage Frankreichs bei Dien Bien Phu im Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit. Dieser Artikel beleuchtet die politischen Entwicklungen, die Strategiewechsel und die militärischen Auseinandersetzungen, die das Bild des Kalten Krieges in dieser Zeit prägten.
Eisenhower übernimmt die Führung: Erfahrung und strategischer Neuanfang
Im Januar 1953 trat Dwight D. Eisenhower das Amt des amerikanischen Präsidenten an. Im Gegensatz zu Harry S. Truman, der eher als unsicher und zögerlich in außenpolitischen Fragen galt, brachte Eisenhower eine breite militärische und diplomatische Erfahrung mit. Während des Zweiten Weltkriegs war er Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa gewesen und hatte später die Führung der NATO-Truppen übernommen. In beiden Funktionen hatte er sein diplomatisches Geschick unter Beweis gestellt und bewiesen, dass er in der Lage war, pragmatische Lösungen für komplexe globale Probleme zu entwickeln. Seine Erfahrung im militärischen Bereich machte ihn zu einem Politiker, der die Möglichkeiten und Grenzen militärischer Macht genau kannte und gezielt einzusetzen wusste.
Sein Außenminister, John Foster Dulles, verfügte ebenfalls über eine langjährige Karriere als Anwalt und Diplomat. Während Eisenhower die außenpolitischen Strategien im Hintergrund bestimmte, war Dulles die lautstarke Stimme, die klare und offene Worte fand. Das Team aus dem konservativen, pragmatischen Präsidenten und dem christlich-moralisch geprägten Außenminister funktionierte hervorragend. Zwischen ihnen herrschte eine weitgehende Einigkeit in den weltanschaulichen Grundsätzen, was eine klare Ausrichtung der amerikanischen Außenpolitik ermöglichte. Diese Kontinuität und das gegenseitige Verständnis bildeten die Grundlage für die amerikanischen Entscheidungen im Kalten Krieg, insbesondere in Bezug auf den Kampf gegen den Kommunismus in Asien und Europa.
Die Haltung zu Vietnam: Kontinuität, Kritik und strategischer Neuanfang
Bereits unter Truman wurde Vietnam als entscheidendes Schlachtfeld im Kampf gegen den internationalen Kommunismus gesehen. Auch Eisenhower teilte diese Einschätzung grundsätzlich, betrachtete den Konflikt aber vor allem im Rahmen der globalen Strategie gegen die Sowjetunion und China. Im Wahlkampf 1952 machte er deutlich, dass er die bisherige Politik Trumans kritisierte. Er warf ihm vor, es nicht geschafft zu haben, den Krieg in Korea zu beenden, und bemängelte, dass er nicht energisch genug gegenüber der Sowjetunion aufgetreten sei. Eisenhower und Dulles waren der Überzeugung, dass die sogenannte „Eindämmungspolitik“ – also die Strategie, den kommunistischen Einfluss zu begrenzen – insgesamt zu passiv und reaktiv sei. Stattdessen propagierten sie eine neue, aktivere Außen- und Sicherheitspolitik, die unter den Schlagwörtern „Massive Vergeltung“ (massive retaliation) und „New Look“ zusammengefasst wurde. Ziel war es, durch glaubhafte nukleare Abschreckung und eine aggressive Haltung gegenüber den sowjetischen und kommunistischen Bedrohungen eine stabile Abschreckung zu schaffen. Diese Politik sollte vor allem durch eine glaubhafte nukleare Abschreckung und eine aggressive Haltung gegenüber den Bedrohungen aus dem Osten geprägt sein. Sie war darauf ausgelegt, aktiv zu handeln, anstatt nur auf Angriffe zu reagieren – eine Strategie, die in einigen Krisen kurzfristig Erfolg zeigte.
So führte die energische Haltung der Eisenhower-Regierung im Jahr 1953 zum Abschluss eines Abkommens, das den Status quo im Koreakrieg wiederherstellen sollte. Dieses Abkommen beendete den Koreakrieg formell und führte zu einem Waffenstillstand, der die Teilung der koreanischen Halbinsel in Nord- und Südkorea bestätigte. Dennoch zeigte sich, dass diese Strategie in anderen Krisen nicht immer funktionierte. Besonders sichtbar wurde dies beim Aufstand in Ungarn im Jahr 1956, wo weder Eisenhower noch Dulles bereit waren, eine „Politik am Rande des atomaren Abgrunds“ (Brinkmanship) konsequent umzusetzen. Die atomare Aufrüstung wurde bei gleichzeitiger Reduktion der konventionellen Streitkräfte und ihrer Budgets betrieben, was die Fähigkeit zur Krisenbewältigung einschränkte. Das Prinzip „Mehr Knall für weniger Geld“ („more bang for the buck“) war zwar im Rahmen der Abschreckung gegenüber der Sowjetunion wirksam, doch für die Bekämpfung von Aufstandsbewegungen in der Dritten Welt erwies sich die Strategie als ungeeignet. Dies wurde besonders in Vietnam deutlich, wo die Strategie des „New Look“ an ihre Grenzen stieß.
Kritik an der französischen Kriegführung in Vietnam wächst
Mit zunehmendem Engagement der USA in Vietnam wurde die Kritik an der französischen Kriegführung immer lauter. Eisenhower und Dulles forderten ein entschlosseneres militärisches Vorgehen gegen die Viet Minh, die kommunistische Unabhängigkeitsbewegung in Vietnam. Zugleich drängten sie auf eine endgültige Unabhängigkeit der Vietnamesen nach dem Krieg, um den Konflikt klar als Stellvertreterkrieg gegen den Kommunismus zu kennzeichnen. Eisenhower war fest davon überzeugt, dass nur eine klare Unabhängigkeitserklärung und die Entlarvung der Viet Minh als Moskau-Handlanger die Weltöffentlichkeit überzeugen könnten, dass es sich bei diesem Konflikt um mehr als nur um koloniale Interessen handelte. Nur so könnten die internationalen Verbündeten motiviert werden, die französische Seite militärisch zu unterstützen.
In Paris wurde auf die verschärfte Rhetorik aus Washington mit einer Doppelstrategie reagiert. Einerseits widersetzte man sich dem Druck, andererseits versuchte man, die amerikanischen Forderungen abzuwehren. Seit 1950 verhandelten europäische Staaten über die Gründung einer „Europäischen Verteidigungsgemeinschaft“ (EVG), die auch die Bundesrepublik Deutschland einschließen sollte. Während die Vereinigten Staaten auf eine schnelle Einigung zur Stärkung Europas hofften, löste die geplante Aufstellung einer bundesdeutschen Armee nur in Frankreich heftige Debatten aus. Washington wollte seine Interessen durchsetzen, musste aber die französischen Anliegen berücksichtigen, da die EVG – ebenso wie die NATO – eine Strategie der „doppelten Eindämmung“ verfolgte: Sie sollte sowohl gegen den Warschauer Pakt schützen als auch die Kontrolle über die Bundesrepublik sichern. Für Frankreich war dabei entscheidend, dass der deutsche Beitrag zur Verteidigung Westeuropas die französischen Interessen nicht übersteigen durfte. Die Voraussetzungen waren schwierig, denn ein großer Teil der französischen Streitkräfte war nicht in Europa, sondern in Vietnam stationiert. Die französische Regierung versuchte, europäische und südostasiatische Belange zu verbinden, um den Druck der USA abzumildern. Erst wenn der Vietnamkrieg beendet war, plante sie, die EVG vom Parlament ratifizieren zu lassen. Dieses Vorgehen, das auch als eine Art Druckmittel galt, schränkte die Handlungsmöglichkeiten der USA gegenüber Frankreich erheblich ein.
Die französische Strategie und die Schlacht um Dien Bien Phu
Parallel dazu entschied sich die französische Regierung, auf die Forderungen der USA nach einer neuen Taktik im Vietnamkrieg zu reagieren. Der Oberbefehlshaber in Indochina, General Henri Navarre, erarbeitete einen Kriegsplan, der eine Bündelung der französischen Streitkräfte vorsah. Ziel war es, die Viet Minh in eine entscheidende Schlacht zu zwingen und im Delta des Roten Flusses offensiv zu werden. Doch dieser Plan scheiterte bereits in den ersten Phasen, denn die Viet Minh unter General Giap reagierten blitzschnell und mobilisierten ihre Truppen an der laotisch-vietnamesischen Grenze. Das wichtigste Ziel der Viet Minh war die Kontrolle des Gebiets um Dien Bien Phu, ein kleines Dorf im Nordwesten Vietnams, das später zum Symbol des französischen Scheiterns wurde. Die Viet Minh versuchten, die französischen Truppen durch Angriffe auf laotisches Gebiet zu destabilisieren, um die französische Macht in der Region zu schwächen. Diese Angriffe waren vor allem Ablenkungsmanöver, um eine französische Offensive im Osten Vietnams zu verhindern. Giaps Strategie ging auf: Im Oktober 1953 schloss Frankreich ein militärisches Beistandspakt mit dem laotischen Königreich, das Teil der Französischen Union war. Kurz darauf befahl Navarre die Rückeroberung der Grenzgebiete und die Vertreibung der Viet Minh aus Nordwest-Vietnam. Optimistisch kündigte Navarre an, der Sieg sei „wie das Licht am Ende des Tunnels“ in greifbarer Nähe.
Die Belagerung von Dien Bien Phu und das Scheitern der französischen Strategie
Doch die Viet Minh waren entschlossen, die Franzosen herauszufordern. Während französische Truppen das Tal um Dien Bien Phu kontrollierten, positionierten Giap und seine Truppen ihre Streitkräfte auf den umliegenden Bergen, die die Ebene umgaben. In einer logistischen Meisterleistung schafften es die Viet Minh, allein durch menschliche Arbeitskraft Nachschub, Waffen und Munition über dschungelreiche Pfade zu transportieren. Bis Anfang 1954 waren 12.000 französische Elitesoldaten in der isolierten Bergregion eingeschlossen, während die Versorgung nur noch per Flugzeug möglich war. Der französische Oberbefehl glaubte, dass die Viet Minh keine schweren Waffen im bergigen Gelände einsetzen könnten, und ignorierte Warnungen seines Nachrichtendienstes. Navarre entschloss sich, Dien Bien Phu zu halten und den Gegner in die entscheidende Schlacht zu zwingen. Doch im Frühjahr 1954 änderte sich alles: Die Viet Minh verstärkten ihre Angriffe. Zwei der drei Hügel, auf denen die französische Artillerie stationiert war, fielen in die Hände der Viet Minh. Die Landebahn wurde zerstört, sodass die Versorgung nur noch durch Fallschirme erfolgen konnte. Die Lage der französischen Truppen verschlechterte sich dramatisch. Krisenstimmung breitete sich in Saigon, Paris und Washington aus. Der französische Generalstabschef, Paul Ely, traf in Washington ein, um die Lage zu besprechen. Hier wurde die angestaute Frustration über die Politik der anderen Seite laut. Ely dankte für die Unterstützung durch amerikanische Bomber, widersetzte sich jedoch vehement dem Wunsch, amerikanische Ausbilder nach Vietnam zu schicken, um die vietnamesische Armee zu verbessern. Für Ely war dies ein Versuch, den Franzosen Vorschriften zu machen. Um einen möglichen chinesischen Eingriff zu verhindern, sprachen Ely und Admiral Radford auch über einen amerikanischen Luftangriff auf die Berge um Dien Bien Phu. Der Luftwaffenchef Nathan Twining spekulierte sogar offen über einen atomaren Angriff: „Man könnte sich den ganzen Tag Zeit nehmen, um sicherzugehen, dass die Bombe richtig platziert ist. Kein Widerstand. Die Kommunisten wären weg, die Franzosen könnten in bester Verfassung aus Dien Bien Phu abziehen. Und die Kommunisten würden sich sagen: ‚Nun ja, diese Typen werden das vielleicht nochmal machen. Wir sollten in Zukunft vorsichtiger sein.‘“ Doch die Operation VULTURE – ein geplanter Angriff – wurde letztlich nicht durchgeführt. Radford und Twining stießen bei den Stabschefs anderer Waffengattungen auf taube Ohren. Eisenhower und Dulles wollten zwar keine französische Niederlage zulassen, aber ein Luftangriff oder Atomschlag hätte die Gefahr einer chinesischen Intervention nur verstärkt. Eisenhower befürchtete, dass eine solche Eskalation zu einer erneuten Version des Korea-Krieges führen könnte.
Die strategische Bedeutung von Indochina
Am 7. April 1954 betonte er in einer Pressekonferenz die Bedeutung Indochinas und sprach vom Prinzip des „fallenden Dominos“: Wenn man einen Dominostein umstößt, fallen alle anderen nach. Ziel war ein „vereintes Handeln“ (United Action): Eine Koalition aus USA, Großbritannien, Frankreich, Australien, Neuseeland, Thailand, den Philippinen und den Staaten Indochinas sollte gemeinsam gegen den Kommunismus vorgehen. Diese Allianz sollte Frankreich stärken und eine chinesische Intervention verhindern. Doch die politischen Realitäten waren anders: Die meisten Kongressabgeordneten waren skeptisch und lehnten militärisches Eingreifen ab. Auch Großbritannien unter Churchill und Eden war zurückhaltend. Churchill warnte vor den Folgen eines Luftangriffs auf Dien Bien Phu, weil er befürchtete, dies könnte die noch kolonial verwalteten Gebiete in den Fokus der Kritik rücken lassen und eine Eskalation des Weltkriegs bedeuten. Zudem betrachtete er ein militärisches Eingreifen als große Gefahr für den Weltfrieden. Obwohl die amerikanische Regierung die britische Haltung bedauerte und die Diskussionen weitergingen, wollte Eisenhower keine einseitige Aktion nur mit Frankreich. Er war vorsichtig, weil er die weltweite Wirkung seiner Entscheidung bedacht wissen wollte. Damit war das Schicksal der französischen Truppen in Dien Bien Phu besiegelt: Nach 55 Tagen Einkesselung und Dauerbeschuss kapitulierten die Franzosen am 7. Mai 1954. Dieses Ereignis markierte nicht nur das Ende der französischen Kolonialherrschaft im Norden Vietnams, sondern führte auch zum vollständigen Rückzug Frankreichs aus ganz Indochina.














