Steuern auf Luftschlösser: Fiktive Gewinne als Angriff auf kleine Vermögen?
Screenshot youtube.comDie Idee, fiktive Gewinne auf Immobilien oder Wertpapiere zu besteuern, wird gerne als moderner, gerechter und scheinbar eleganter Weg verkauft, um die Kassen des Staates zu füllen, in Wahrheit ist sie ein Frontalangriff auf die Substanz kleiner Vermögen. Nicht reale, sondern nur auf dem Papier stehende Wertschwankungen werden zu steuerlichen Ereignissen erklärt, obwohl niemand etwas verkauft, keinen Cent in der Hand hat und sich der angebliche Wohlstand jederzeit ins Gegenteil verkehren kann. Wer so besteuert, trennt das Steuerrecht endgültig von der wirtschaftlichen Realität und behandelt Buchwerte wie harte Einnahmen, obwohl sie es nicht sind. Das ist keine moderne Steuerpolitik, sondern eine kalte Enteignung im Gewand technokratischer Klugheit, die vor allem jene trifft, die sich mühsam ein wenig Eigentum erarbeitet haben.
Wertschwankungen als Dauerfalle
Besonders perfide ist, dass Wertschwankungen in volatilen Märkten zu einer Dauerfalle werden, wenn allein steigende Buchwerte besteuert, sinkende jedoch nur halbherzig oder gar nicht berücksichtigt werden. In einer solchen Logik wird jeder Zwischenanstieg zum steuerlichen Freudenfest für den Fiskus, während nachfolgende Verluste stillschweigend beim Eigentümer bleiben. So entsteht eine asymmetrische Welt, in der der Staat immer gewinnt, selbst wenn der Anleger wirtschaftlich gesehen verliert. Wer mit Rücksetzern und Schwankungen leben muss, wird doppelt bestraft, denn er trägt das volle Risiko des Marktes und zusätzlich die Willkür einer Steuer, die sich nur die Rosinen herauspickt. Diese Konstruktion ist nichts anderes als ein systematischer Griff in die Taschen derer, die nicht über professionelle Steuerabteilungen und ausgefeilte Gestaltungsmodelle verfügen.
Privatanleger als Versuchskaninchen
Die Praxis, nur steigende Buchwerte aggressiv zu erfassen und Verluste in komplizierten Regeln zu verheddern oder ganz zu ignorieren, trifft vor allem Privatanleger, die keine Lobby haben. Sie sollen brav sparen, Verantwortung für ihr Alter übernehmen, Immobilien kaufen, Fonds halten und Rücklagen bilden, doch kaum haben sie es getan, werden sie zum Spielball verschachtelter Steuerexperimente. Jede Kursbewegung, jede Neubewertung einer Immobilie droht in eine steuerliche Belastung zu münden, obwohl im Alltag nichts von diesem angeblichen Gewinn ankommt. Während große institutionelle Akteure ihre Strukturen so anpassen, dass sie diese Systeme für sich nutzen oder umgehen, bleiben Klein- und Mittelvermögende mit einem Dickicht aus Bescheiden, Formularen und unverständlichen Berechnungen zurück. So wird eine Gruppe abgestraft, die politisch permanent zum Sparen ermahnt wird, während sie gleichzeitig als leicht melkende Einnahmequelle dient.
Zerstörung langfristigen Sparens
Solche Regelungen zerstören das Fundament langfristigen Sparens, weil sie das Halten von Vermögen in eine steuerliche Risikooperation verwandeln. Wer nicht weiß, welche Belastungen morgen für heute noch harmlose Wertbewegungen entstehen, verliert jede Planungssicherheit und beginnt, seine Entscheidungen nicht mehr nach Sinn und Bedarf, sondern nach Steuerfallen auszurichten. Die Idee, ein kleines Häuschen zu finanzieren, eine Wohnung als Altersbaustein zu erwerben oder mit ruhiger Hand Wertpapiere über viele Jahre zu halten, wird unterlaufen, wenn das Finanzamt jederzeit virtuelle Gewinne abschöpfen kann. Langfristigkeit, die eigentlich politisch erwünscht sein sollte, wird durch reinen Steuerdruck in kurzatmige Taktik verwandelt. Das ist volkswirtschaftlich destruktiv und sozial brandgefährlich, weil es das Grundvertrauen in Eigentum aushöhlt.
Mehrfache Besteuerung derselben Wertsteigerung
Die Gefahr mehrfacher Besteuerung derselben Wertsteigerung ist eingebaut, wenn Preise über die Zeit steigen, fallen und wieder steigen. Jeder Zwischenstand kann zu einem neuen steuerlichen Anknüpfungspunkt werden, so dass auf derselben Entwicklung immer wieder zugegriffen wird, obwohl wirtschaftlich gesehen kein proportionaler Zuwachs stattfindet. Am Ende kann es passieren, dass ein Anleger nach Jahren ein Nettovemögen hält, das gegenüber dem Ausgangspunkt kaum gewachsen oder sogar geschrumpft ist, während der Staat aus den Zwischenbewegungen dennoch nennenswerte Beträge abgeschöpft hat. Die Steuer frisst sich dann durch den Verlauf, nicht durch das Ergebnis, und ignoriert, dass Märkte keine Einbahnstraßen sind. Wer so konstruiert, zeigt offen, dass es nicht um Fairness geht, sondern um maximale fiskalische Verwertung jeder denkbaren Konstellation.
Immobilieneigentümer unter Dauerverdacht
Besonders deutlich wird der Angriff auf kleine Vermögen bei Immobilien, die nicht als Spekulationsobjekt, sondern als Lebensgrundlage gedacht sind. Wenn steigende Bodenrichtwerte oder Marktpreise die Grundlage für fiktive Besteuerung liefern, obwohl niemand verkauft, wird der Eigentümer in Geiselhaft eines Marktes genommen, den er selbst gar nicht aktiv bespielt. Menschen, die ein Haus abbezahlen, um darin zu wohnen, werden so behandelt, als würden sie laufend Gewinne realisieren, obwohl sie in Wahrheit nur höhere Versicherungsprämien, strengere Auflagen und steigende Kosten schultern. Im Extremfall muss verkauft werden, um die Steuerlast zu tragen, die auf einem Wert basiert, der nur in Tabellen existiert. Das ist die Umkehrung jeder gesunden Logik: Das Dach über dem Kopf wird zum steuerlichen Risikoposten, der seine Besitzer in die Defensive drängt.
Private Altersvorsorge als Illusion
Wer ernsthaft erwartet, dass Bürger eigenverantwortlich für ihr Alter vorsorgen, kann nicht gleichzeitig Steuerinstrumente schaffen, die langfristiges Halten von Vermögen zum Minenfeld machen. Fiktive Gewinnbesteuerung zerstört die einfache Gleichung, dass aus Sparen schrittweise Sicherheit entsteht. Statt Ruhe und Stabilität bringt jede Wertbewegung neue Unsicherheit, jede politische Reform neue Angst vor Rückwirkung, jede Bewertungswelle die Sorge vor zusätzlicher Belastung. Die Botschaft ist verheerend: Wer spart, ist dumm, wer konsumiert, lebt leichter, wer nichts besitzt, hat am wenigsten zu verlieren. Eine Gesellschaft, die so ihre Eigentümer behandelt, sägt an den eigenen tragenden Balken und treibt die Menschen in Zynismus und Resignation.
Entfremdete technokratische Debatte
Die politische Debatte über solche Modelle findet meist in einer technokratischen Parallelwelt statt, in der Formeln und Modellrechnungen wichtiger sind als die konkrete Lebenswirklichkeit kleiner Anleger. In Ausschüssen und Gremien wird mit komplizierten Begriffen hantiert, werden Übergangsmodelle, Bewertungsstichtage und Bemessungsgrundlagen diskutiert, während niemand mehr in einfacher Sprache erklären kann, was das für die Rentnerin mit einem kleinen Depot oder den Handwerker mit einer abbezahlten Wohnung bedeutet. Diese Entfremdung ist kein Unfall, sondern Teil des Problems, denn sie ermöglicht es, harte Eingriffe hinter Fachsprache zu verstecken. Wer Kritik äußert, gilt schnell als uninformiert oder rückständig, obwohl er einfach nur spürt, dass hier etwas grundsätzlich nicht stimmt. So entsteht ein gefährlicher Abstand zwischen Gesetzgebern und denen, die die Konsequenzen tragen müssen.
Übergangschaos und Rechtsunsicherheit
Schon frühere Reformen haben gezeigt, dass Modelle mit fiktiven Gewinnen zu einem juristischen und praktischen Chaos führen können. Übergangsregelungen, rückwirkende Fiktionen und komplizierte Bewertungsfragen schaffen eine Dauerunsicherheit, in der niemand mehr genau weiß, welche Werte gelten und welche Ausnahmen existieren. Streitfälle häufen sich, Gerichte werden mit Detailfragen bombardiert, Steuerberater verbringen unzählige Stunden damit, widersprüchliche Regelungen zu interpretieren. Für den Normalbürger bleibt vor allem das Gefühl, einem System ausgeliefert zu sein, das jederzeit nachträglich andere Spielregeln definieren kann. Wer Eigentum nur noch mit fachlicher Begleittruppe handhaben kann, lebt nicht in einem bürgerfreundlichen Rechtsstaat, sondern in einem Labyrinth, das nur die Starken und gut Vernetzten sicher durchqueren.
Politischer Kontrollverlust getarnt als Gerechtigkeit
Die Verfechter solcher Besteuerungsmodelle verstecken sich gerne hinter dem Schlagwort Gerechtigkeit und behaupten, man wolle nur jene heranziehen, die von Wertsteigerungen profitieren. In Wahrheit dokumentiert diese Art von Politik einen Kontrollverlust über die eigenen Ausgaben, der durch immer aggressivere Zugriffe auf jede denkbare Bemessungsgrundlage kaschiert wird. Statt den Mut aufzubringen, über Prioritäten, Verschwendung, ineffiziente Strukturen und ausufernde Apparate zu sprechen, greift man zu scheinbar cleveren Lösungen, die auf dem Rücken derer umgesetzt werden, die keine Machtmittel besitzen. Fiktive Gewinne zu besteuern heißt, reale Probleme zu verleugnen und ihre Kosten an jene weiterzureichen, die sich nicht wehren können. Das ist nicht Gerechtigkeit, sondern staatlich organisierte Schieflage.
Misstrauen als neue Grundwährung
Wer miterlebt, wie intensiv der Staat versucht, auch noch auf Luftbuchungen zuzugreifen, verliert das Vertrauen, dass Eigentum und Vorsorge in diesem System sicher sind. Misstrauen wird zur neuen Grundwährung, mit der Bürger auf jede Reform reagieren, weil sie intuitiv ahnen, dass am Ende nicht die Großen, sondern sie selbst zur Kasse gebeten werden. Diese Erosion des Vertrauens hat Folgen weit über das Steuerrecht hinaus, sie schwächt die Bereitschaft, zu investieren, zu gründen, Risiken einzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Eine Politik, die fiktive Gewinne jagt, zerstört nach und nach das Band zwischen Staat und Bürgern und erzeugt ein Klima der Abwehr. Am Ende steht eine Gesellschaft, in der jeder nur noch versucht, sich unsichtbar zu machen, weil Sichtbarkeit zum Angriffspunkt für neue Steuern geworden ist.















