Der Aufstieg Caesars: Vom Bürgerkrieg zum Alleinherrscher im Römischen Reich

Der Bürgerkrieg im Römischen Reich markierte einen entscheidenden Wendepunkt in der römischen Geschichte. Mit seinem Ausgang ebnete er den Weg für Gaius Iulius Caesars unumschränkte Alleinherrschaft, die er im Jahr 46 v. Chr. durch die offizielle, wenn auch staatsrechtlich umstrittene Einführung der sogenannten Diktatur manifestierte. Diese Position war in der römischen Republik längst in Vergessenheit geraten, ein Relikt aus vergangenen Zeiten, das zuvor bereits von Sulla vergeblich wiederbelebt werden sollte. Doch Caesars Übernahme dieses Amtes zeigte deutlich, dass er alle politischen Gegner besiegt hatte und nun die alleinige Kontrolle über die Macht im Staat innehatte. Doch gleichzeitig blieb unklar, wie Caesar mit dieser unantastbaren Macht umzugehen gedachte, die nun in seinen Händen lag. An der Stelle, an der die Diktatur erstmals in der römischen Geschichte wieder auflebte, klaffte eine tiefe Lücke im bestehenden Verfassungsrahmen der Republik. Diese Lücke war keine Überraschung, schließlich hatten die Römer nach dem Sturz des letzten Königs und der Gründung der Republik gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. eine tiefe Abneigung gegen monarchische Herrschaft entwickelt. Das römische System war auf eine andere, vielschichtige Herrschaftsform ausgelegt, die von einer aristokratischen Elite getragen wurde.

Die römische Nobilität: Eine Elite mit strenger Leistungsethik

Statt einer Monarchie wurde die politische Macht in Rom von einer verschworenen Schicht, der sogenannten Nobilität, kontrolliert. Diese war nach außen hin geschlossen und elitär, ließ aber nur widerwillig Aufsteiger wie Marcus Tullius Cicero in ihre Reihen. Innerhalb dieses Kreises herrschte eine strenge Wettbewerbsethik, bei der Leistung und Ehre die wichtigsten Maßstäbe waren. Die Mitglieder der Nobilität stammten aus Familien, die mindestens einen Konsul hervorgebracht hatten – die sogenannte nobili genere. Dieses privilegierte Geschlecht bildete eine Elite, die Erfolg vor allem durch das Erklimmen der Magistraturen erreichte. Diese Ämter, die als honores bezeichnet wurden, galten als die wichtigsten Ehrenämter auf dem Weg zum höchsten Amt, dem Konsulat. Der Weg nach oben war klar vorgezeichnet: Jede Magistratur war eine Stufe auf der Karriereleiter, die schließlich zum Erbrecht des imperium führte – die höchste Form der Macht, das Oberbefehlshaben über große Heere gegen ausländische Feinde. Nur die höchsten Magistrate, also Konsuln, Prätoren, Prokonsuln und Proprätoren, konnten ein imperium erlangen. Letztere waren Magistrate, deren imperium vom Senat verlängert wurde, um ihre Macht über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten.

Die Karriere der römischen Magistrate: Von Piraten bis Gallienkriegen

Die Laufbahn war geprägt von bedeutenden Kampagnen und militärischen Erfolgen. So erhielt Pompeius im Jahr 67 v. Chr. das Kommando gegen die Piraten im Mittelmeer, einer Bedrohung, die den Handel und die Sicherheit des Reiches gefährdete. Caesar wiederum führte 64 v. Chr. den Krieg gegen Mithradates im Osten und zwischen 58 und 50 v. Chr. den berühmten Gallischen Krieg, der seine Karriere maßgeblich vorantrieb. Auch Crassus, der im Jahr 53 v. Chr. am Krieg gegen die Parther teilnahm, spielte eine bedeutende Rolle im politischen Gefüge. Mit dem sogenannten Triumvirat, einem politischen Bündnis zwischen Caesar, Pompeius und Crassus, und spätestens nach Caesars Sieg über Pompeius im Jahr 48 v. Chr., wurden solche Kampagnen zu einem Mittel, um die eigene Karriere zu fördern. Für die römische Nobilität waren diese Möglichkeiten zur Bewährung vor allem eine Chance, sich in der Öffentlichkeit zu profilieren, Einfluss zu gewinnen und letztlich den Weg zum höchsten Amt zu ebnen. Caesar zeigte Großzügigkeit gegenüber seinen Gegnern: Er gewährte Amnestie, ließ viele ihre Strafen absitzen und zeigte sich in der Politik der Gnade. Menschen wie Cicero oder Marcus Junius Brutus, die sich ihm unterwarfen, erfuhren Caesars Milde – die sogenannte clementia – und konnten dadurch ihre Stellung sichern. Doch nicht alle waren so gnädig. Der junge Cato von Utica, der sich vehement gegen Caesar stellte, verzichtete auf Caesars Gunst und entschied sich, in der Enge der Stadt sein Leben zu beenden.

Die Begrenztheit der Ehre und die Bedeutung des persönlichen Gunst

Innerhalb dieses Systems war die Ehre nur noch innerhalb eines engen Rahmens zu erwerben, den Caesar selbst setzte. Die Leistungen, die früher von der Gemeinschaft der Nobilität gewürdigt wurden, wurden nun von Caesar persönlich bewertet. Die höchste Position war ohnehin für den Diktator reserviert – das Amt des ersten Mannes, des Alleinherrschers. Für andere blieb nur die Möglichkeit, durch Gunst und persönliche Unterstützung aufzusteigen. Das bedeutete: Es ging nicht mehr um Verdienste, sondern um die Gunst des Herrschers. Für einen freien Mann war das eine kaum tragbare Perspektive, denn die eigene Macht war nur noch von der Gunst eines Einzelnen abhängig.

Caesars Selbstkrönung: Die endgültige Machtübernahme

Als Caesar Anfang 44 v. Chr. sich selbst zum Diktator auf Lebenszeit ernannte, wurde für viele Senatoren klar, dass eine Rückkehr zur alten republikanischen Ordnung unmöglich war. Caesar war gekommen, um zu bleiben – und auch, um seine Macht an einen geeigneten Nachfolger weiterzugeben. Doch dieses Szenario löste bei vielen in der römischen Oberschicht Angst aus: Es drohte eine Monarchie durch die Hintertür. Bereits ab 45 v. Chr. begannen Senatoren und einige Ritter, eine Verschwörung gegen Caesar zu schmieden. Diese Gruppe war äußerst heterogen zusammengesetzt, bestehend aus vehementen Gegnern des Diktators, die aus den Reihen jener stammten, die gegen Pompeius gekämpft hatten, sowie langjährigen Anhängern Caesars, die nun enttäuscht von ihm waren. Gaius Cassius Longinus wurde zum führenden Kopf der Bewegung. Er hatte zuvor Pompeius gedient, war dann aber ins Lager Caesars gewechselt und durch Caesar aufgestiegen. Cassius war der einzige Senator, der im Jahr 45/44 v. Chr. mutig genug war, gegen Caesars Ehrung zu stimmen, die das Senatshaus ihm gewährt hatte.

Marcus Brutus: Der Zwiespalt eines Freundes

Eine zentrale Figur der Verschwörung war Marcus Brutus. Obwohl Caesar ihm erst kürzlich das Amt des Prätors anvertraut und ihm die Provinz Gallia cisalpina anvertraut hatte, war Brutus kein überzeugter Gegner. Er war ein nachdenklicher Idealist, tief verwurzelt in stoischer Philosophie, und führte seinen Stammbaum auf den legendären Brutus zurück, der einst die Monarchie gestürzt hatte. Brutus war durch seine Frau Porcia, die Tochter Catos, und durch entfernte Verwandte wie Decimus Junius Brutus in das Komplott verwickelt. Auch andere enge Anhänger Caesars, wie Gaius Trebonius, Lucius Tillius Cimber, Lucius Minucius Basilus und Gaius sowie Publius Servilius Casca, waren Teil der Verschwörer. Trotz ihrer steilen Karrieren schlossen sie sich am 15. März 44 v. Chr. – den Iden des März – dem Plan an, Caesar zu töten. Dieser Tag war gewählt, weil Caesar an diesem Tag den Krieg gegen die Parther beginnen wollte, eine erfolgreiche Heimkehr hätte seine Stellung in Rom unantastbar gemacht. Doch die Gelegenheit, ihn während einer Senatssitzung im Theater des Pompeius im Marsfeld zu ermorden, war die günstigste. Caesar fühlte sich sicher, hatte seine Leibwache entlassen und glaubte, keine Gefahr zu bestehen.

Das Attentat: Der letzte Tag Caesars

Am 15. März 44 v. Chr. war alles bereit. Caesar war eingeladen, im Theater des Pompeius den Senatssitzungen beizuwohnen. Der Diktator war überzeugt, dass ihm nichts passieren könne. Bereits im Vorfeld hatte ihn der Opferschauer Spurinna gewarnt, die Eingeweide eines Tieres deuteten auf Gefahr – doch Caesar nahm diese Zeichen nicht ernst. Während der Sitzung schritt Gaius Cassius Cimber auf ihn zu, doch anstatt eine Bitte vorzubringen, packte er Caesar bei beiden Schultern. Dieser rief noch „Das ist ja Gewalt!“, doch in diesem Moment stürzten die Verschwörer auf ihn los. Casca stach ihm den Dolch in den Rücken, während andere mit Messern nachsetzten. Caesar versuchte noch, einen der Angreifer, Gaius Casca, mit seinem Schreibgriffel zu verletzen, doch die Überzahl der Angreifer war zu groß. Er bedeckte den Kopf mit seiner Toga, erhielt den ersten Stich und starb still und regungslos. Als letzter soll Caesar zu Marcus Brutus gesagt haben: „Auch du mein Kind?“ – ein tragisches Zeichen seiner Verbundenheit. Mit Caesars Tod entstand ein Machtvakuum, das sofort nach Füllung schrie. Die Mörder flüchteten aus dem Theater, setzten phrygische Zipfelmützen auf, wie sie Sklaven bei ihrer Freilassung tragen, und riefen Ciceros Namen. Doch die Römer fühlten sich nicht befreit, sondern zutiefst verunsichert. Die Verschwörer stießen auf Ablehnung und sogar Hass, und verbarrikadierten sich auf dem Kapitol.

Das politische Chaos nach Caesars Ermordung

Mit Caesars Tod war die Macht in Rom nicht automatisch geklärt. Die Mörder hatten zwar das Ziel verfolgt, die Republik wiederherzustellen, doch sie hatten dabei nur das Beben ausgelöst. Das Machtvakuum wurde nur teilweise gefüllt, und die Frage, wer künftig die Kontrolle übernehmen sollte, blieb offen. Zunächst war Marcus Antonius, Caesars langjähriger Gefolgsmann, Konsul und somit rechtlich gesehen der höchste Mann im Staat. Er war ein erfahrener Politiker, der sich bemüht hatte, die Position zu sichern. Cassius wollte auch ihn ausschalten, doch Marcus Brutus, Caesars enger Vertrauter, sprach sich dagegen aus und bewahrte ihn vor dem Tod. Ebenso war Marcus Aemilius Lepidus, damals Reiteroberst und Stellvertreter Caesars, in Rom präsent und plante, das von den Mördern besetzte Kapitol anzugreifen. Antonius hingegen versuchte, eine neutrale Haltung zu bewahren, um seine Stellung in Rom zu festigen. Am Tag nach Caesars Ermordung griff Antonius den im Tempel der Ops auf dem Forum gelagerten Staatsschatz an sich und brachte ihn unter seine Kontrolle. Wenig später überzeugte er Caesars Witwe Calpurnia, ihm auch die persönlichen Vermögenswerte und die Papiere des Verstorbenen auszuhändigen. Am 17. März hielt der Senat eine Sitzung ab, bei der Antonius die Senatoren davon überzeugte, Caesars Verfügungen und Erlassakte in Kraft zu lassen, um den Zusammenhalt zu bewahren.

Der Aufstieg der Caesarianer und das drohende Bürgerkrieg

Mit dem Staatsbegräbnis am 20. März, bei dem Antonius die Rede hielt, wurde die Stimmung im Volk weiter angespitzt. Er präsentierte die blutbefleckte Toga Caesars und rief die Menge auf, die Mörder zu verurteilen. Das Publikum reagierte mit Empörung, die Verschwörer wurden gejagt und flohen aus Rom. Doch die Frage, wer das Machtvakuum dauerhaft füllen sollte, blieb offen. Der Tod Caesars bedeutete nur den Anfang eines längeren Machtkampfes. Noch am selben Tag wurde Gaius Octavius, Caesars Adoptivsohn und erst 18 Jahre alt, zum Alleinerben bestimmt und von Caesar selbst adoptiert. Dieses Ereignis sollte den Grundstein für den endgültigen Machtkampf zwischen Octavius und Marcus Antonius legen. Dreizehn Jahre später, im Jahr 30 v. Chr., kam es schließlich zum finalen Zusammenstoß: Octavius, der später Augustus genannt wurde, und Antonius standen sich gegenüber, um die alleinige Herrschaft über das römische Reich zu erlangen. Bis dahin hatten sich die Stellvertreter Caesars immer wieder gegenseitig bekämpft, nur um immer wieder voneinander abgelöst zu werden. Die entscheidende Schlacht bei Philippi im Jahr 42 v. Chr. gegen die Anhänger der Caesarmörder endete mit der Niederlage Cassius’ und Brutus’. Der große Rhetor und Politiker Cicero, der die Männer, die sich gegen Caesar verschworen hatten, einst als mutig, aber naiv beschrieben hatte, war bei diesem Kampf bereits tot. Er hatte den Fehler gemacht, den jungen Caesar und Antonius zu unterschätzen und sich selbst zu überschätzen. Nach Caesars Tod glaubte Cicero, dass er wieder eine bedeutende Rolle in der römischen Politik spielen könnte. Er setzte alles daran, eine neue, aristokratische Republik zu errichten, in der der Wettbewerb der Eliten wieder im Mittelpunkt stehen sollte. Doch Antonius und der junge Caesar, der später Augustus genannt wurde, spielten dieses Spiel nicht mit. Cicero versuchte, Antonius durch zahlreiche Reden zu diskreditieren und ihn als Staatsfeind zu brandmarken, doch dieser ließ sich nicht aufhalten. Als schließlich beide, Antonius und der junge Caesar, auf Proskriptionslisten gesetzt wurden, fiel Cicero den Schergen zum Opfer. Er wurde am 7. Dezember 43 v. Chr. bei Formiae ermordet, sein Kopf und seine Hände – Symbole eines Redners – wurden öffentlich ausgestellt und als grausame Trophäen präsentiert. Damit endete das Kapitel einer politischen Ära, die geprägt war von Intrigen, Verrat und letztlich dem Aufstieg eines imperatorischen Herrschers in Rom.