Die Geschichte der Geheimhaltung: Von antiken Verschlüsselungstechniken bis zu modernen kryptographischen Verfahren

Wer Bücher schreibt, verfolgt in der Regel das Ziel, dass ihre Inhalte gelesen, verstanden und weiterverbreitet werden. Das ist das grundlegende Anliegen eines Autors: Wissen, Gedanken und Geschichten mit anderen zu teilen. Doch es gibt auch Texte, bei denen die Autoren genau das Gegenteil beabsichtigen. Sie möchten unbedingt vermeiden, dass ihre Inhalte in falsche Hände geraten oder unbefugt gelesen werden. Solche Texte finden sich vor allem in Bereichen, in denen Geheimhaltung von höchster Bedeutung ist – etwa in militärischen, politischen oder geheimdienstlichen Kommunikationskanälen. Für diese sensiblen Bereiche ist es unerlässlich, die Inhalte vor unbefugtem Zugriff zu schützen. Bereits in der Antike wurden kryptographische Methoden entwickelt, um Informationen zu verschlüsseln und somit unlesbar für Dritte zu machen. Diese frühen Verfahren waren Grundlagen für das, was wir heute als Kryptographie kennen und weiterentwickeln.

Antike Geheimschriften: Der Einsatz von Kryptographie in alten Hochkulturen

Schon im alten Mesopotamien, in Ägypten und im antiken Griechenland kamen erste Formen der Geheimschrift zum Einsatz. Die Ägypter verwendeten spezielle Hieroglyphen, besonders bei Texten, die sich auf Götter bezogen. Dabei handelte es sich um eine Art religiöse Verschlüsselung, weil die Aussprache der Namen der Götter einem Tabu unterlag. Es war verboten, die Namen der Götter laut auszusprechen, weshalb man besondere Hieroglyphen nutzte, um diese zu verschleiern. In Babylonien, um etwa 1500 v. Chr., war die Geheimhaltung von bestimmten Informationen ebenso wichtig. So wurde beispielsweise die Rezeptur für eine spezielle Keramikglasur als äußerst wertvoll erachtet – so wertvoll, dass man sie vor Industriespionage schützen wollte. Die Babylonier verwendeten eine Geheimschrift, bei der Keilschriftzeichen nach einem festgelegten Muster durch andere ersetzt wurden. Das bedeutete, dass die ursprünglichen Zeichen durch Symbole oder Codes ersetzt wurden, um die Information vor unbefugtem Zugriff zu verbergen. Es ist wenig überraschend, dass im antiken Griechenland die Spartaner zu den Pionieren der Kryptographie gehörten, da sie eine Vielzahl militärischer Geheimnisse zu bewahren hatten. Um etwa 500 v. Chr. entwickelten sie die sogenannte Skytale, ein einfacher, aber effektiver Verschlüsselungsstab. Dabei wickelte der Schreiber einen Streifen aus Leder oder Pergament spiralartig um den Stab mit festgelegtem Durchmesser, um die Nachricht zu verfassen. Der Empfänger besaß eine Skytale mit denselben Abmessungen und konnte die Mitteilung lesen, indem er den Streifen erneut um den Stab wickelte. Wurde der Kurier jedoch aufgehalten, verfügten die Gegner nur über den Streifen mit den verschlüsselten Buchstaben, die in willkürlicher Reihenfolge angeordnet waren. Es wird vermutet, dass der spartanische Feldherr Lysander, der 405 v. Chr. die Athener bei Aigospotamoi mithilfe der Perser besiegte, durch eine solche Methode vom Verrat des persischen Satrapen Pharnabazos erfahren haben soll. Diese frühe Form der Verschlüsselung bewahrte also militärische Geheimnisse effektiv vor den Feinden.

Die Entwicklung der Verschlüsselung: Von der Substitution bis zur Caesar-Chiffre

Ein bekanntes und noch heute berühmtes kryptographisches Verfahren ist die sogenannte Caesar-Chiffre, benannt nach dem römischen Feldherrn Gaius Julius Caesar. Dieser soll ein einfaches, aber dennoch effektives Verfahren genutzt haben, um seine Briefe zu verschlüsseln, wenn er persönliche oder sensible Nachrichten übermitteln wollte. Bei diesem Verfahren werden die Buchstaben des Alphabets nach einem festen Schlüssel durch andere Buchstaben ersetzt. Caesar verschob die Buchstaben des Alphabets um eine bestimmte Anzahl von Stellen – beispielsweise um drei. Dabei wird aus einem A ein D, aus einem B ein E, aus einem C ein F und so weiter. Dieses Verfahren, auch bekannt als Verschiebeschiffre, ist relativ simpel, lässt sich aber durch geschickte Methoden knacken. Um die Verschlüsselung noch sicherer zu machen, ließ Caesar das Referenzalphabet rotieren, also verschieben, so dass nicht immer das gleiche Muster gilt. Bei einer Verschiebung um drei Positionen entspricht das A dem D, doch bei einer Rotation um die letzten Buchstaben des Alphabets würde das A beispielsweise einem W entsprechen. Auch Augustus, der erste römische Kaiser, nutzte ein ähnliches Verfahren zur Verschlüsselung seiner Nachrichten. Caesar war jedoch variabler in der Handhabung der Verschiebung, was die Methode schwerer zu knacken machte.

Frühe Handbücher und die Entschlüsselung: Kryptographie im antiken Rom

Gellius berichtet etwa, dass der römische Grammatiker Probus ein Handbuch zur Kryptographie verfasste, das möglicherweise Hinweise auf Verschlüsselungstechniken enthielt. Caesars Substitutionsverfahren ist vergleichsweise leicht zu entschlüsseln, wenn man die Häufigkeit der Buchstaben im Text analysiert. Im Deutschen ist beispielsweise das E der häufigste Buchstabe, gefolgt von N, R und S. Solche Häufigkeitsanalysen erlauben es, den Verschlüsselungsschlüssel relativ schnell zu erkennen. Ob diese Methode bereits zu Caesars Zeiten bekannt war oder von den Arabern zur Entschlüsselung verschlüsselter Texte genutzt wurde, ist allerdings unklar. Es bleibt eine offene Frage, ob solche Techniken schon früh international verbreitet waren oder erst später entwickelt wurden.

Geheime Kommunikation: Von Verschwörergruppen bis zur Tironischen Kurzschrift

Bereits in der Antike nutzten auch Verschwörergruppen codierte Nachrichten, um ihre internen Pläne zu verschleiern. So war die Verschwörergruppe um Catilina im Jahr 63 v. Chr. bekannt dafür, verschlüsselte Botschaften zu verwenden, um ihre Geheimnisse vor den Behörden zu verbergen. Cicero, der damals als römischer Konsul agierte, enttarnte die Gruppe schließlich durch eine Kombination aus Ermittlungen und dem Durchschauen der Codes. Er präsentierte im Senat eine Botschaft, die der Mitverschwörer Publius Cornelius Lentulus Sura überbracht hatte. Es ist wahrscheinlich, dass diese Botschaft verschlüsselt war, um die Inhalte vor unbefugtem Zugriff zu schützen. Cicero selbst nutzte keine Geheimschrift, sondern eine spezielle Kurzschrift, die sogenannte «tironische Notation». Diese wurde von seinem Sklaven und Sekretär Tiro entwickelt und umfasste etwa 4000 Zeichen, um Reden und Texte zu stenographieren. Tiro unterrichtete sogar Senatoren in diesem Kurzschriftsystem, was eine Premiere darstellte. So wurde beispielsweise die Rede des jüngeren Cato anlässlich der ersten Catilinarischen Verschwörung im Jahr 65 v. Chr. stenographiert. Einige Zeichen dieser Kurzschrift sind bis heute erhalten geblieben, darunter das Symbol für „und“, das lateinische „&“. Damit zeigt sich, dass bereits in der Antike vielfältige Strategien zur Verschlüsselung und schnellen Niederschrift von Texten entwickelt wurden, die teilweise bis in die heutige Zeit überdauert haben.